Zukunft der Medizin
Wie Tirol die Versorgung in den Regionen sichern will
Wie lässt sich die medizinische Versorgung im ländlichen Raum langfristig sichern? Diese Frage stand im Mittelpunkt der gut besuchten Veranstaltung „Medizin für Land und Leute“, zu der das Forum Land vergangenen Freitag ins Schloss Landeck eingeladen hatte.
Herbert Tiefenbacher
16. Juni 2026
Diskussionsrunde im Schloss Landeck: Experten aus Medizin und Politik diskutierten über die Zukunft der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum. Foto: Tiefenbacher Herbert
Am Podium diskutierten Gesundheitslandesrätin Dr. Cornelia Hagele, Direktor der Ärztekammer für Tirol Dr. Günter Atzl, Bgm. Herbert Mayer, Primar Univ.-Prof. Dr. Ewald Wöll, Dr. Petra Heppke, Dr. Gerlinde Schnegg, Dr. Gerhard Walter sowie der diplomierte Krankenhaus-Betriebswirt Bernhard Guggenbichler. Die Moderation übernahm Bauernbunddirektor Dr. Peter Raggl, der darauf verwies, dass Österreich zwar über eines der besten Gesundheitssysteme der Welt verfüge, im ländlichen Raum jedoch Handlungsbedarf bestehe. Für eine langfristig gesicherte, wohnortnahe Versorgung brauche es die Weiterentwicklung bestehender Strukturen und neue Modelle. Im Mittelpunkt standen die Ausführungen von LR Hagele. Angesichts steigender Leistungsnachfrage, Ärztemangels und demografischer Entwicklung zähle die Sicherung der Versorgung zu den zentralen Zukunftsaufgaben Tirols. „Wir müssen heute die Weichen stellen, damit die Versorgung auch morgen flächendeckend gesichert ist“, so Hagele.
MEHR AMBULANT DENKEN. Vieles funktioniere im Tiroler Gesundheitssystem bereits gut, dennoch müsse geprüft werden, ob die Strukturen noch zeitgemäß seien. Hagele sprach sich für eine Weiterentwicklung nach dem Prinzip des „Best Point of Service“ aus, um Patienten effizient zu steuern. Stationäre Strukturen sollten schrittweise durch ambulante und interdisziplinäre Angebote ergänzt werden, um Krankenhäuser zu entlasten und finanzielle Mittel gezielter einzusetzen. Eine funktionierende Patientenlenkung sei zentral, digitale Services könnten dabei helfen, passende Versorgungswege aufzuzeigen und Wartezeiten sowie Ambulanzüberlastungen zu reduzieren. Als Beispiel nannte Hagele die Steiermark mit dem Ausbau von Primärversorgungseinheiten (PVE), die Allgemeinmedizin, Pflege und Therapie unter einem Dach bündeln. In Tirol gibt es mittlerweile vier solcher Einrichtungen. Hagele betonte, PVE würden nicht alle Probleme lösen, seien aber in vielen Bereichen sinnvoll – daher sollten weitere Einheiten folgen. Für den Bezirk Landeck ist eine Einrichtung geplant, die bei erfolgreicher Ausschreibung 2027 umgesetzt werden könnte.
ÄRZTEMANGEL KONKRET. Ein Beispiel für die Herausforderungen im ländlichen Raum schilderte der Landecker Augenarzt Dr. Gerhard Walter. Trotz intensiver Bemühungen habe sich bislang kein Nachfolger für die modern ausgestattete Praxis gefunden, mehrere Interessenten hätten sich letztlich gegen den Standort entschieden. Auf die Frage der RUNDSCHAU, ob ein Pilotprojekt nach dem Vorbild Reuttes möglich wäre, lehnte Hagele ab, da im Krankenhaus in Zams keine entsprechende Fachabteilung bestehe. Die Nachbesetzung der Augenarztstelle bleibt damit eine zentrale Herausforderung im Bezirk.
VERBESSERUNGEN NÖTIG. Trotz eines leistungsfähigen Krankenhauses sieht Bgm. Herbert Mayer weiteren Handlungsbedarf. Ärztemangel, schwierige Kassen-Nachbesetzungen und die Verlagerung in den Wahlarztbereich seien Warnsignale. Reformen müssten rasch umgesetzt werden, um Versorgungslücken zu vermeiden. Während im Zentralraum Innsbruck viele Angebote dicht verfügbar seien, stelle die wohnortnahe Versorgung die Regionen vor größere Herausforderungen. „Verbesserungen sind nötig“, so Mayer. Primar Ewald Wöll und Krankenhaus-Betriebswirt Bernhard Guggenbichler machten deutlich, dass eine leistungsfähige Versorgung nur mit starkem niedergelassenem Bereich und enger Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern funktioniere.
Weitere Wortmeldungen
• Kammeramtsdirektor Günter Atzl hob die Bedeutung der hausärztlichen Versorgung hervor. Sorge bereiteten jedoch die derzeit rund 30 unbesetzten Kassenstellen in Tirol.
• Bgm. Herbert Mayer war es ein besonderes Anliegen, Vertreter aller wesentlichen Bereiche des Gesundheitswesens an einen Tisch zu bringen, um die Sichtweisen offen diskutieren zu können.
• Prim. Univ.-Prof. Dr. Ewald Wöll und Dipl. KH-BW. Bernhard Guggenbichler bezeichneten das Krankenhaus als Stütze für die niedergelassenen Ärzte. Ziel sei es, dort einzuspringen, wo die ambulante Versorgung an ihre Grenzen stoße. „Mit zunehmendem Alter nehmen auch Erkrankungen zu, die eine umfassende, teilweise stationäre Behandlung benötigen“, erklärte Wöll.
• Einen praxisnahen Einblick in die Arbeit der Allgemeinmedizin gaben Dr. Petra Heppke und Dr. Gerlinde Schnegg. Für beide steht die Nähe zu den Patienten im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Petra Heppke verzichtete bewusst auf eine eigene Ordination und arbeitet stattdessen flexibel als Vertretungsärztin in verschiedenen Praxen sowie als Sprengel- und Notärztin. Gerlinde Schnegg betonte die Bedeutung von Serviceorientierung: „Ich nehme jeden dran. Termine gibt es bei mir nicht. Wenn es einmal länger dauert, dann gehört das dazu“, sagte Schnegg.
• Augenfacharzt Dr. Gerhard Walter schilderte die Veränderungen in der ärztlichen Ausbildung: „Zu meiner Ausbildungszeit waren von zwölf Ausbildungsstellen in Tirol zehn mit Tirolern besetzt, dazu kam ein Salzburger und ein Südtiroler.“ Nach seinen Informationen seien aktuell nur mehr drei der zwölf Ausbildungsplätze mit Tirolern besetzt.
MEHR AMBULANT DENKEN. Vieles funktioniere im Tiroler Gesundheitssystem bereits gut, dennoch müsse geprüft werden, ob die Strukturen noch zeitgemäß seien. Hagele sprach sich für eine Weiterentwicklung nach dem Prinzip des „Best Point of Service“ aus, um Patienten effizient zu steuern. Stationäre Strukturen sollten schrittweise durch ambulante und interdisziplinäre Angebote ergänzt werden, um Krankenhäuser zu entlasten und finanzielle Mittel gezielter einzusetzen. Eine funktionierende Patientenlenkung sei zentral, digitale Services könnten dabei helfen, passende Versorgungswege aufzuzeigen und Wartezeiten sowie Ambulanzüberlastungen zu reduzieren. Als Beispiel nannte Hagele die Steiermark mit dem Ausbau von Primärversorgungseinheiten (PVE), die Allgemeinmedizin, Pflege und Therapie unter einem Dach bündeln. In Tirol gibt es mittlerweile vier solcher Einrichtungen. Hagele betonte, PVE würden nicht alle Probleme lösen, seien aber in vielen Bereichen sinnvoll – daher sollten weitere Einheiten folgen. Für den Bezirk Landeck ist eine Einrichtung geplant, die bei erfolgreicher Ausschreibung 2027 umgesetzt werden könnte.
ÄRZTEMANGEL KONKRET. Ein Beispiel für die Herausforderungen im ländlichen Raum schilderte der Landecker Augenarzt Dr. Gerhard Walter. Trotz intensiver Bemühungen habe sich bislang kein Nachfolger für die modern ausgestattete Praxis gefunden, mehrere Interessenten hätten sich letztlich gegen den Standort entschieden. Auf die Frage der RUNDSCHAU, ob ein Pilotprojekt nach dem Vorbild Reuttes möglich wäre, lehnte Hagele ab, da im Krankenhaus in Zams keine entsprechende Fachabteilung bestehe. Die Nachbesetzung der Augenarztstelle bleibt damit eine zentrale Herausforderung im Bezirk.
VERBESSERUNGEN NÖTIG. Trotz eines leistungsfähigen Krankenhauses sieht Bgm. Herbert Mayer weiteren Handlungsbedarf. Ärztemangel, schwierige Kassen-Nachbesetzungen und die Verlagerung in den Wahlarztbereich seien Warnsignale. Reformen müssten rasch umgesetzt werden, um Versorgungslücken zu vermeiden. Während im Zentralraum Innsbruck viele Angebote dicht verfügbar seien, stelle die wohnortnahe Versorgung die Regionen vor größere Herausforderungen. „Verbesserungen sind nötig“, so Mayer. Primar Ewald Wöll und Krankenhaus-Betriebswirt Bernhard Guggenbichler machten deutlich, dass eine leistungsfähige Versorgung nur mit starkem niedergelassenem Bereich und enger Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern funktioniere.
Weitere Wortmeldungen
• Kammeramtsdirektor Günter Atzl hob die Bedeutung der hausärztlichen Versorgung hervor. Sorge bereiteten jedoch die derzeit rund 30 unbesetzten Kassenstellen in Tirol.
• Bgm. Herbert Mayer war es ein besonderes Anliegen, Vertreter aller wesentlichen Bereiche des Gesundheitswesens an einen Tisch zu bringen, um die Sichtweisen offen diskutieren zu können.
• Prim. Univ.-Prof. Dr. Ewald Wöll und Dipl. KH-BW. Bernhard Guggenbichler bezeichneten das Krankenhaus als Stütze für die niedergelassenen Ärzte. Ziel sei es, dort einzuspringen, wo die ambulante Versorgung an ihre Grenzen stoße. „Mit zunehmendem Alter nehmen auch Erkrankungen zu, die eine umfassende, teilweise stationäre Behandlung benötigen“, erklärte Wöll.
• Einen praxisnahen Einblick in die Arbeit der Allgemeinmedizin gaben Dr. Petra Heppke und Dr. Gerlinde Schnegg. Für beide steht die Nähe zu den Patienten im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Petra Heppke verzichtete bewusst auf eine eigene Ordination und arbeitet stattdessen flexibel als Vertretungsärztin in verschiedenen Praxen sowie als Sprengel- und Notärztin. Gerlinde Schnegg betonte die Bedeutung von Serviceorientierung: „Ich nehme jeden dran. Termine gibt es bei mir nicht. Wenn es einmal länger dauert, dann gehört das dazu“, sagte Schnegg.
• Augenfacharzt Dr. Gerhard Walter schilderte die Veränderungen in der ärztlichen Ausbildung: „Zu meiner Ausbildungszeit waren von zwölf Ausbildungsstellen in Tirol zehn mit Tirolern besetzt, dazu kam ein Salzburger und ein Südtiroler.“ Nach seinen Informationen seien aktuell nur mehr drei der zwölf Ausbildungsplätze mit Tirolern besetzt.





