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Landeck | Politik | 7. Juni 2021 | Von Irmgard Pfurtscheller

Alles unter einem Dach

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So individuell wie die Handabdrücke der vielen Kinder, so individuell ist auch die Behandlung und Förderung der kleinen Klienten im Therapiezentrum „Eule“ (im Bild Leiterin Sabrina Steiner). RS-Foto: Pfurtscheller
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Die Eule – Therapiezentrum für Kinder und Jugendliche

Seit 30 Jahren bietet „Die Eule“ in Tirol zentrale und ganzheitliche Unterstützung für Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichsten Problemen an.
Von Irmgard Pfurtscheller

In acht Therapiezentren in ganz Tirol werden derzeit mehr als 1300 junge Klienten und deren Eltern von einem interprofessionellen Team behandelt und betreut. Seit 2015 gibt es diese Einrichtung auch in Zams, die ebenso wie alle anderen Zentren unterschiedliche Therapien unter einem Dach anbietet. Neben Logopädie, Ergo-, Physio- und Psychotherapie (Klinische und Gesundheits-)Psychologie, wird in Zams auch die Hippotherapie, ausgelagert auf einem Bauernhof, angeboten. Für Eltern und Kinder stellt dieses zentrale und umfassende Therapieangebot eine große Erleichterung dar, speziell auch für Familien, die mehr als ein Kind in therapeutischer Behandlung haben. Die Ungewissheit über Verbleib oder Schließung der Zentren hat die betroffenen Eltern sowie die Therapeuten stark verunsichert. Die Lebenshilfe zieht sich nach jahrelangen erfolglosen Verhandlungen mit dem Land um einen höheren Tarif als Träger der Einrichtung zurück. Für die wohlwollende Unterstützung in den letzten Jahren gebühre der Lebenshilfe großer Dank, so die Klinische und Gesundheitspsychologin Sabrina Steiner, die neben Zams auch die Zentren in Imst und Reutte leitet. Gegen die ersatzlose Schließung von Therapiezentren wurde von einer betroffenen Mutter eine Petition ins Leben gerufen, die online unterzeichnet werden kann, und die mittlerweile fast 7000 Unterschriften bzw. Unterstützer zählt.

GROSSER BEDARF. Gefördert und unterstützt werden Kinder und Jugendliche von 0 bis 18 Jahren mit Entwicklungsstörungen, Verhaltensauffälligkeiten sowie sozio-emotionalen Problemen. Je nach Altersgruppe gibt es unterschiedliche Schwerpunkte. Bei den Jüngsten mit ca. 2 Monaten handelt es sich meist um Frühchen, die von der Klinik zugewiesen werden und erste Physiotherapien erhalten. Die Hauptklientel sind Kinder in der Altersgruppe von 3 bis 10 Jahren, die Entwicklungsstörungen aufzeigen und Kinder von 5 bis 12 Jahren mit Verhaltens- und emotionalen Auffälligkeiten. (In Familienbereichen mit psychischen Vorerkrankungen ist die Problematik oft im Hintergrund das Kind zeigt als Symptomträger Auffälligkeiten. Da werden auch die Eltern miteinbezogen und unterschiedliche Helfersysteme angeboten.) Überforderung und emotionale Belastung der Eltern speziell in der Pandemie würden sich vor allem im letzten Halbjahr an einer deutlichen Steigerung zeigen. Nicht nur größere Kinder, sondern bereits Kleinkinder mit drei Jahren zeigten psychische Auffälligkeiten.

GANZHEITLICHER ANSATZ. Die Zentren sind mit unterschiedlichen Einrichtungen gut vernetzt und arbeiten mit verschiedenen Helfersystemen zusammen. Zuweisungen für Kinder kommen etwa von der Wohlfahrt, dem Kinderschutz, Ärzten, Frühförderung, Schulen und Kindergärten. Ein niederschwelliger Zugang ist für die Eltern wichtig. Vom ersten Schritt der Kontaktaufnahme über die -Diagnostik zur Befundung bis zu den anschließenden Therapien arbeiten alle Therapeuten an gemeinsamen Zielen, welche gemeinsam mit den Eltern in einem Behandlungsplan formuliert werden. Der Sinn eines Zentrums ist es, dass alle Therapeuten gemeinsam mit den Eltern, dem Psychologen und allen Helfersystemen das Kind in seiner Entwicklung bestmöglich unterstützen und fördern, bekräftigt die Leiterin. Die Entwicklungsschritte sind dabei ganz individuell und unterschiedlich je nach Beeinträchtigung des Kindes. Jeder Fortschritt, der zur Verbesserung der Lebensqualität beiträgt, zählt. „Jeder Entwicklungsschritt in Richtung Autonomie und Selbstständigkeit ist ein Erfolg.“



Was die Politik sagt

Von Daniel Haueis

„Die schwarz-grüne Platter-Regierung will Fakten schaffen und die Kindertherapiezentren ‚Eule‘ des Vereins Lebenshilfe und ‚For Kids‘ der Diakonie in Kitzbühel zusperren“, kritisiert LA Markus Sint. Damit beschreite Grünen-Landesrätin Fischer einen politischen und sozialen Irrweg. Finanziell gesehen gehe es nicht um gewaltige Summen: maximal knapp eine Million Euro, also rund 750 Euro pro Jahr und betroffene Familie (tirolweit sind es gut 1300). SP-Chef Georg Dornauer merkt an, dass das Therapiezentrum „Eule“ seit fast 30 Jahren hervorragende Arbeit für Kinder und deren Familien leiste, das Land aber nicht imstande sei, eine adäquate und langfristige Finanzierung auf die Beine zu stellen. Und die FPÖ Tirol fordert eine sofortige Hilfestellung für die Betreuungseinrichtungen. Grünen-Behindertensprecherin Stephanie Jicha hingegen betont die angestrebte Alternative: „Die geplante neue wohnortnahe und dezentrale Struktur ist ein moderner und kostenverschiebender Zugang, so wie er von allen Seiten im Teilhabegesetz gelobt wird.“ LR Gabriele Fischer sagt: „Das Angebot für die Kinder und Eltern bleibt und wird verbessert. Das kann ich allen Eltern versichern. Ändern wird sich lediglich die dahinterstehende Struktur.“ Hintergrund der strukturellen Änderung seien finanzielle Gründe: Die Träger seien nicht in der Lage, mit angebotenen zusätzlichen finanziellen Mitteln den Fortbestand der Gesellschaft sicherzustellen und hätten daher beschlossen als Träger nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Bis zum Ende des Angebotes der „Eule“ im November können Eltern das Angebot in Anspruch nehmen. Die bisher bei der „Eule“ angestellten Therapeuten wird das Land für zwölf Monate bei der Suche und Finanzierung von Räumlichkeiten unterstützen, wenn sie die Kinder weiter betreuen. Hier wird an die bestehende Infrastruktur speziell in Schulen und Kindergärten sowie Beratungsstellen des Landes gedacht. Unterstützung bekommt die Landesrätin von Kinder- und Jugendanwältin Elisabeth Harasser – sie betont die Wichtigkeit eines möglichst niederschwelligen Therapieangebots und der ausreichenden finanziellen Absicherung.
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Kindgerechte Therapieräume für unterschiedliche Bedürfnisse unter einem Dach RS-Foto: Pfurtscheller
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