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Landeck | Wirtschaft | 15. November 2021 | Daniel Haueis

„‚Guten Morgen‘, ‚schönen Abend‘ und ein ehrliches Lob“

„‚Guten Morgen‘, ‚schönen Abend‘ und ein ehrliches Lob“<br />
WK-Chef Mag. Otmar Ladner: „Es geht darum, die richtigen Wege und Mittel zu finden, damit sich die auszubildende junge Dame und der auszubildende junge Herr wohlfühlen.“ RS-Foto: Archiv
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WK-Chef Otmar Ladner über die Frage, was die Tourismusbranche tun muss, um Lehrlinge zu bekommen

Laut Befragung der AK Tirol wollen nur 46% der Tourismus-Lehrlinge in Tirol nach der Ausbildung in der Branche weiterarbeiten. WK-Chef Mag. Otmar Ladner nimmt zu den Ergebnissen Stellung.
Von Daniel Haueis

Die Ergebnisse der Befragung überraschen – siehe Kästchen „AK-Befragung zur Tourismus-Ausbildung“. Hauptgründe, weshalb ein Fünftel nach der Ausbildung nicht mehr im Tourismus arbeiten will und rund ein Drittel noch unentschlossen ist, sind: ungünstige Arbeitszeiten, fehlende Planbarkeit, schlechte Work-Life-Balance, geringe Entlohnung und ein belastetes Betriebsklima.

RUNDSCHAU: Was sagt der WK-Chef zu diesen Ergebnissen?
Mag. Otmar Ladner:
Die Arbeit im Tourismus ist eine besondere Aufgabe. In keiner anderen Branche hat man so viele Möglichkeiten in Bezug auf Kommunikation, Innovation und Kreativität. Unser Tourismus ist somit eine sehr herausfordernde und spannende Branche, die vielen jungen Menschen viele Möglichkeiten bieten kann. Diese Chancen werden auch zahlreich genutzt. Leider kann aber nicht wegdiskutiert werden, dass viele junge Damen und Herren nach einer Lehre im Tourismus die Branche schon wieder verlassen. Gerade im Bezirk Landeck, wo wir um jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter insbesondere auch im Tourismus ringen, ist dies eine Tendenz, die uns sehr nachdenklich macht. Auch in unseren Gesprächen hören wir leider auch von der fehlenden Planbarkeit der eigenen Freizeit und von der teilweise fehlenden Wertschätzung für die Lehrlinge.

RUNDSCHAU: Was müssen Tourismusbetriebe Ihrer Meinung nach bieten, um auch künftig Mitarbeiter zu finden?
Mag. Otmar Ladner: Wichtig ist, dass unsere Lehrlinge im Tourismus auch ihre Freizeit planen können. Es ist für einen Lehrling einfach schwierig, wenn man einen Tag vorher noch nicht weiß, ob nun ein freier Tag möglich ist oder nicht. Es ist wichtig, dass es für die Lehrlinge einen Dienst- und Ausbildungsplan gibt, der dann auch eingehalten werden soll, denn es ist ja auch eine Lehrausbildung. In der Lehrausbildung steckt das Wort Ausbildung. Jeder Lehrling ist auszubilden mit konkreten Wochenarbeits- und Ausbildungsplänen. Auf keinen Fall ist sie oder er als ein vollwertiger Mitarbeiter zu sehen, denn es muss ja noch ausgebildet werden. Aus diesem Grund sollte es auch kein Problem sein, wenn ein Tourismuslehrling im Jänner und Februar die Berufsschule besucht, da eine Ausbildung zu absolvieren ist. Wichtig ist hier auch, dass sich der Lehrling während der Berufsschule ausschließlich auf die Schule konzentrieren darf. Das Wort Wertschätzung ist auch ein Thema. In diesem Bereich geht es um das Einmaleins der Menschlichkeit. Gerade dieser Bereich macht wirklich sehr nachdenklich, denn wir müssen uns ja glücklich schätzen, wenn ein Jugendlicher eine Lehre in einem Tourismusbetrieb absolviert. Ziel muss es sein, dass der auszubildende Lehrling sehr gerne im Betrieb arbeitet und nach der Lehre dort auch bleiben möchte. Aus diesem Grund bildet ein gutes Betriebsklima mit Wertschätzung die Basis, um überhaupt Lehrlinge erfolgreich auszubilden. Ziel der Lehrausbildung ist es ja, die Mitarbeiter für morgen zu sichern.

RUNDSCHAU: Gibt’s im Bezirk schon positive Beispiele dafür?
Mag. Otmar Ladner: Wir haben im Bezirk sehr gute Unternehmen, die einen ausgezeichneten Job in der Lehrausbildung machen. Viele Betriebe haben eigene Lehrlingsbeauftragte, die sich um die Bedürfnisse der Lehrlinge kümmern. Meiner Meinung nach ist dies auch in kleinen Betrieben möglich. In diesem Fall wird es die Chefin oder der Chef sein. Dem oder der Lehrbeauftragten oder dem Ausbilder kommt eine sehr wichtige Rolle zu. Es geht darum, die richtigen Wege und Mittel zu finden, damit sich die Auszubildenden wohlfühlen. Dazu ein paar Gedanken: Wenn ein Lehrling in den Betrieb kommt, will dieser von Anfang an integriert sein und sich willkommen fühlen können (insbesondere von der Unternehmerin und dem Unternehmer). Die jungen Damen und Herren wollen sich als wertvolles Mitglied fühlen und sie wollen vor allem etwas lernen. Dazu ein gutes Beispiel: Ein Friseursalon legt fest, dass ein Lehrling in seinem Betrieb die ersten 1,5 Jahre keine Haare vom Boden zusammenkehrt, denn der Lehrling hat ja keine Lehre begonnen, um z.B. die ersten paar Monate nur damit zu verbringen, Haare zusammenzukehren. Dies ist ein gutes Beispiel, dass die Ausbildung im Vordergrund stehen sollte. Lehrlinge wollen, dass man ihnen im Lauf der Zeit immer mehr zutraut und dass man es versteht auf ihre Stärken und Schwächen einzugehen. Was wohl am wichtigsten ist, Jugendliche wollen, so wie wir Erwachsene auch, besonders durch Lob, Anerkennung und somit durch die Wertschätzung motiviert werden. Ein herzliches „guten Morgen“, ein herzliches „schönen Abend“ und ein ehrliches Lob verstärken das Selbstbewusstsein und die Motivation.

RUNDSCHAU: Zeigen die WK-Bemühungen in diese Richtung (Berufsfestival etc.) Wirkung?
Mag. Otmar Ladner: Die Bemühungen unserer Aktivitäten, von Erlebniswelt Baustelle, Coding4Kids, Berufsfestival, Lehrberufsmesse bis zu Talent-Card usw., zeigen sehr wohl positive Auswirkungen. Das Image der Lehre im Bezirk Landeck wird damit stärker positiv besetzt und führt dazu, dass mehr Jugendliche den Einstieg in die Lehre wählen. Es muss jedoch hier auch gesagt werden, dass all unsere gemeinsamen Bemühungen nichts nützen, wenn nicht alle Seiten an einem Strang ziehen.

RS: Danke.



AK-Befragung zur Tourismus-Ausbildung

Dem Tourismus laufen die Mitarbeiter davon. Corona hat die Situation weiter verschärft, denn die letzten übriggebliebenen Tourismusbeschäftigten verloren über Nacht ihren Job oder waren in Kurzarbeit und haben sich deshalb umgeschult. Die Konsequenz ist jetzt unter den Hoteliers und Gastronomen deutlich zu spüren: Es fehlen die Mitarbeiter. Und auch in Zukunft könnte das so bleiben, wie eine Umfrage der AK-Jugendabteilung unter den Tiroler Tourismus-Lehrlingen unterstreicht. Lediglich 46% Prozent der Befragten geben an, dass sie nach der Lehrzeit in diesem Beruf weiterarbeiten möchten. Ein Fünftel hat sich schon dagegen entschieden, der Rest ist noch unentschlossen. Als Hauptgrund für einen Berufswechsel sehen 61% die Arbeitszeiten. Viele Beschäftigte müssen am Wochenende oder Abend arbeiten und haben frei, wenn Freunde oder Familie im Büro sitzen. Das wird unmittelbar mit einer schlechten Work-Life-Balance verbunden, die 37% angeben. Auch die Entlohnung sowie das Betriebsklima stimmen die angehenden Tourismusfachkräfte unzufrieden. Hinzu kommen fehlende oder erst spät verteilte Dienstpläne, die so gut wie keine Freizeitplanung zulassen, und Urlaubstage, die nur konsumiert werden dürfen, wenn der Betrieb geschlossen hat. Auch Stress am Arbeitsplatz, psychische Probleme oder veränderte Interessen lassen Lehrlinge in andere Bereiche abwandern. Einen Wechsel könnten sich die Befragten in den Sozialbereich, in ein Büro, in die Lebensmittel-Branche oder in die Selbstständigkeit vorstellen. Der steigende Trend, der Tourismusbranche den Rücken zu kehren, ist auch an den Tourismusschulen nichts Ungewöhnliches: Im Schnitt besuchen 300 Schüler jedes Jahr eine Abschlussklasse an einer der fünf Tourismusschulen in Tirol. Würden alle Absolventen ihre Kenntnisse danach in der Branche einsetzen, würden wohl viel weniger Hoteliers und Gastronomen nach Mitarbeitern suchen, meint die Arbeiterkammer Tirol.
 
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