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Reutte | Chronik | 30. August 2021 | Von Johannes Pirchner

Das Ende einer kirchlich-fortschrittlichen Ära in Lechaschau

Das Ende einer kirchlich-fortschrittlichen Ära in Lechaschau<br />
Viele Jahre wirkten Sieglinde und Toni Moser als Mesnerin, Diakon und Pfarrkurator in den Pfarren Wängle/Höfen und Lechaschau. RS-Foto: Pirchner
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Diakon Toni Moser und Mesnerin Sieglinde Moser gehen in den Ruhestand

Mit der Verabschiedung von Sieglinde und Toni Moser endet in der Pfarre Lechaschau und Wängle-Höfen eine Ära. Angefangen hat Toni Moser als Religionslehrer, dann wirkte er als Diakon in Wängle-Höfen, später als Pfarrkurator in Lechaschau. Vieles, was heute im kirchlichen Leben in Lechaschau und Wängle-Höfen als Selbstverständlichkeit angesehen wird, geht auf seine Initiative zurück. Die Arbeit mit Menschen war ihm immer ein großes Anliegen. Ein Rückblick auf über 40 Jahre Dienst für die Menschen und Christus.
Von Johannes Pirchner

ANFANGSJAHRE IN WÄNGLE. In der Pfarre Wängle-Höfen (St. Martin) wirkte damals Pfarrer August Löcker (1914 bis 1997) als Seelsorger. Pfarrer Löcker hat eine sehr traditionelle Auslegung des kirchlichen Lebens praktiziert. Frauen und Mädchen als Kommunionhelferinnen, Lektoren oder Ministrantinnen waren nicht üblich. Für Pfarrer Löcker wurde die tägliche Seelsorge altersbedingt beschwerlicher und er holte den jungen Religionslehrer Toni Moser zur Unterstützung. Beide hatten ein sehr gutes Verhältnis und so übernahm Toni im Laufe der Jahre immer mehr Aufgaben in der Pfarre – stets mit dem Segen von Pfarrer Löcker. Mit diesem Vertrauen gelang es dem jungen Diakon auch später,  viele neue Herausforderungen anzunehmen  und Ideen umzusetzen. So wurden auf seine Initiative hin in der Pfarre Wängle-Höfen die ersten Lektoren und Lektorinnen, Kommunionhelfer und Kommunionhelferinnen sowie weibliche Ministranten zugelassen. Im Vergleich dazu war in der Stadtpfarre Vils vieles erst ab 2017 möglich. Natürlich  gab es auch Widerstand gegen diese Neuerungen. Einige Wängler und Höfener waren erzürnt über Frauen, die bei Gottesdiensten unterstützende Arbeit leisteten und nannten die Kommunionhelferinnen abfällig „Tabernakelschwalben“. Heute sind Kirchendienste von Mesnerinnen, Ministrantinnen und Kommunionhelferinnen nicht mehr wegzudenken. Weitere Innovationen unter Toni Moser folgten: Der Martinsbasar zum Wängler Patrozinium (11. November) sowie die bis zu sieben Sternsingergruppen – die  jedes Haus in Wängle und Höfen besuchen und die frohe Botschaft vom Jesuskind überbringen – nahmen  unter Toni ihren Anfang. Schon immer suchte Toni den Kontakt zu den Menschen. Gerne ging er nach der Messe mit den Kirchgängern auf einen Frühschoppen. Auch zum Nachfolger Pfarrer Löckers, Pfarrer Ludwig Kleissner, pflegte Toni ein gutes und freundschaftliches Verhältnis. Darüber hinaus unterrichtete er weiterhin Religion an den Volksschulen in Lechaschau, Höfen und Wängle und unterstützte den Lechaschauer Pfarrer Werner Moll bei den Gottesdiensten. Nach dem Tod Rupert Langs spielte Toni Moser einige Jahre die Orgel in Lechaschau. Auch privat hat Toni sein Glück gefunden, ist seit  1980 mit Sieglinde verheiratet, Vater dreier Kinder und stolzer Opa von acht Enkeln.

MIT 92,8 PROZENT NACH LECHASCHAU. Auch für den damaligen Pfarrer von Lechaschau, Werner Moll (1918–1999), wurde die Seelsorge aus Altersgründen beschwerlicher. Da in Wängle-Höfen die Seelsorge mit Pfarrer Kleissner gewährleistet war, kam man in Innsbruck und Lechaschau auf die Idee, dass Diakon Toni Moser ganz für Lechaschau zuständig sein und Pfarrer Moll in seiner Arbeit unterstützen könne. Toni Moser wollte dies gerne – aber nur dann – annehmen, wenn die Lechaschauer auch einverstanden wären. So organisierte der Lechaschauer Pfarrgemeinde- und Pfarrkirchenrat Pfarrumfrage mit Abstimmung. Über 630 von 720 Haushalten nahmen an der Umfrage teil und gaben ihr Votum ab. Die Abstimmung ging mit 92.8 Prozent für Toni Moser aus. So wurde er Diakon und Pfarrkurator von Lechaschau.

DAS WIRKEN MOSERS IN LECHASCHAU. Fast 30 Jahre lang wirkten Toni Moser als Diakon und Pfarrkurator und seine Frau Sieglinde Moser als Mesnerin in Lechaschau. Unter Toni wurden die „Wängler Reformen“ auch in Lechaschau umgesetzt. Toni Moser nahm in den letzten 30 Jahren viele Projekte in Angriff: So wurde die Heilig-Geist-Kirche in Lechaschau komplett umgebaut, bekam eine neue Sakristei und eine Heizung. Auch der Kirchturm wurde saniert, eine neue große Glocke, die Heilig- Geist-Glocke, und die Wiggau-Glocke wurden angebracht. Das Lechaschauer Widum wurde neu gebaut und ist heute Zentrum vieler Veranstaltungen, Vorträge, Weiterbildungen und Gruppentreffen geworden. Toni Moser liebte vor allem die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen –  die Jungschar- und Ministrantenarbeit. Über 500 Taufen und Beerdigungen, viele Andachten, etliche Hochzeiten, Wortgottesdienste und religiöse Feiern hat Toni Moser in Lechaschau zelebriert. Ein besonderer Höhepunkt waren immer die Erstkommunionen und Firmungen, bei denen er über 1.000 Kinder in 30 Jahren zu den Sakramenten begleitet hat.  Daneben war Toni auch ein toller Religionslehrer, bei dem der Unterricht richtig Spaß gemacht hat (der Autor spricht hier aus persönlicher Erfahrung). Tonis „Minuseck“ war berühmt. Auf Nachfrage, wie viele Kinder denn insgesamt ein Minus bekommen haben, lachte Toni und nannte die Zahl Null.  

HÖHEPUNKTE UND SELBSTKRITIK. Höhepunke waren für Toni und Sieglinde Moser immer die Momente, in denen man Menschen begleiten konnte – unabhängig davon, ob bei einer Taufe oder einer Beerdigung. Auch die vielen herzlichen Begegnungen mit den Lechaschauern bedeuteten beiden  viel. „In den 30 Jahren in Lechaschau haben wir nie irgendwelche nennenswerten Probleme hier gehabt. Wir wurden von Anfang an herzlich aufgenommen“, sagt Toni Moser. Etwas anders oder besser machen er würde in seiner Organisation, etwa mehr Mitarbeiter zum Mitmachen in der Pfarre motivieren. „Es ist schon einmal vorgekommen, dass ich einen Jahrtag oder ein abgegebenes Versprechen vergessen habe. Mit einem guten Gespräch ließen sich solche Vorkommnisse aber wieder schnell aus der Welt schaffen.“ Auch Sieglinde Moser erinnert sich an die ersten Jahre als Mesnerin in Lechaschau. „Anfangs bin ich nicht so gerne auf Menschen zugegangen, da ich ein eher schüchterner Typ bin. Aber mit der Zeit habe ich die Arbeit als Mesnerin, Organisatorin und Lektorin auch sehr genossen!“, erzählt Sieglinde Moser im Gespräch mit der RUNDSCHAU.

FÜR DIE ZUKUNFT. Kirchlich setzte sich Toni Moser immer für den Fortschritt ein. Daher verwundert es auch nicht, dass er ein Mitglied der Pfarrerinitiative ist, die immer zu Reformen innerhalb der katholischen Kirche anregt – etwa die Zulassung von Frauen zu Weiheämtern oder die Weiterentwicklung der Liturgie. Ab September werden Diakon Patrick Gleffe, Nina Berger und Daniela Schweißgut seine vielfältigen Arbeiten übernehmen. „Ich bin dankbar, dass Dekan Franz Neuner mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine gute und zukunftsorientierte Lösung für Lechaschau gefunden hat“, so Toni Moser. Den gesundheitsbedingten Ruhestand werden beide über dem Fernpass verbringen und sich dort verstärkt der Großelternrolle widmen. Toni und Sieglinde wird man aber auch in Zukunft bei Festen in Lechaschau und besonderen Gottesdiensten im Seelsorgeraum der Region Reutte antreffen.
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