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Reutte | Chronik | 8. März 2021 | Juliane Wimmer

Sorgenkind Fernpassbahn

Sorgenkind Fernpassbahn
Nach derzeitigen Plänen würde die Bahntrasse nach einer Schleife erst durchs Moos, dann mitten durchs Ehrwalder Unterdorf bis hin zur Höhe des Wettersteinbahnen-Parkplatzes gehen. Die riesige Fläche jetziger Felder zwischen Unterdorf und Tunneleingang wäre vermutlich Baustelle – für mindestens zehn Jahre. RS-Foto: Wimmer
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Offener Brief an die Politik macht auf Ängste & Alternativen bez. geplanter Bahntrasse vom Außerfern ins Inntal aufmerksam

Die Idylle und einzigartige Schönheit des malerischen Talkessels von Ehrwald-Lermoos-Biberwier ist Garant für einen florierenden Tourismus und somit Existenzgrundlage fast aller Anwohner. Diese Existenzgrundlage ist durch die derzeitigen Pläne der Landespolitik, eine Bahnverbindung von Ehrwald nach Silz zu schaffen, bedroht. In einem offenen Brief an Landeshauptmann Günther Platter, Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann und Nationalratsabgeordnete Liesi Pfurtscheller plädiert der Ehrwalder Bürgermeisterkandidat Peter Steger für ein Miteinander beim Finden von Lösungen, die von allen Seiten vertretbar sind.
Von Juliane Wimmer.
Bereits im Oktober 2019 berichtete die RUNDSCHAU (Nr. 41) über die möglichen fatalen Folgen für die Region aufgrund der Pläne der Tiroler Landesregierung, eine Bahnverbindung von Ehrwald nach Silz zu schaffen. Laut einer Pressemitteilung der Landepolitik wird dieses Projekt nun im Rahmen des „Tirol Vertrag 2“ intensiv vorangetrieben (s. auch letzte RUNDSCHAU Nr. 9/2021, Seite 7).

Bedrohung ... 
Auch wenn Dipl. Ing. Peter Steger grundsätzlich eine Verbindung vom Außerfern ins Inntal sowie die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene befürwortet, so warnt er doch gleichzeitig bei derzeitiger Trassenplanung vor den zerstörerischen Auswirkungen einer solch riesengroßen Baustelle vor Ehrwalds Haustür: „Eine Baustelle im gigantischen Brennerbasistunnel-Format samt Lärm, Staub und erhöhtem Verkehrsaufkommen über mehr als zehn Jahre mitten im Ortsgebiet würde dem Tourismus in der Region den Todesstoß versetzen und somit den Anwohnern ihre Lebensgrundlage entziehen. Auch nach Fertigstellung des Baus wäre eine transeuropäische Strecke kein Marketingargument für die betroffene Region. Derzeit sind wir ein Gebiet, in dem unsere Gäs-ste Ruhe und Erholung in der Natur suchen und auch finden. Am Rande einer solchen europäischen Güterverkehrsader (es handelt sich um eine Zulaufverbindung zum Brennerbasistunnel) wird das wohl kaum mehr funktionieren.“

... oder Chance?
!Im Gespräch mit der RUNDSCHAU erklärt Steger: „Dieses Projekt könnte auch eine Chance sein, wenn in die Randbedingungen ein paar Änderungen einfließen, die bei der projektierten Summe nicht ins Gewicht fallen. Konkret geht es um eine Verlagerung des nördlichen Portals um knapp drei Kilometer (ins Gewerbegebiet Schanz), was sogar eine Streckenverkürzung um einen halben Kilometer bedeuten würde. Damit würde der komplette Baustellenbetrieb außerhalb des Wohngebietes liegen und man könnte den Zu- und Abtransport von (Ab-)Baumaterialien über die bestehende Bahnlinie abwickeln. Gleichzeitig wäre durch die Adaptierung des vorgeschriebenen Rettungsstollens auf den ersten fünf Kilometern der Einbau einer ,U-Bahn‘ möglich, welche ein seit Jahren schwelendes Verkehrsproblem mit den Tagestouristen in unserem Ort lösen würde. Zudem bietet das Gesamtkonzept die ideale Möglichkeit, mittels Wärmepumpen die Erdwärme zu nutzen und somit ein Mosaiksteinchen für die angepeilte Energieautarkie zu realisieren.“
Miteinander jetzt.Aus diesen Gründen plädiert Steger in seinem Brief an die politisch Verantwortlichen, die betroffene Bevölkerung in dieses zukunftsweisende Projekt pro-aktiv einzubinden. So erhöhe man den Gesamtnutzen, baue Ängste und Befürchtungen ab und vermindere damit das Risiko, dass es zu einer massiven Gegenwehr seitens der Bevölkerung kommt. Die Angst um den Verlust der Lebensgrundlage führe bereits jetzt zu Verunsicherungen. 
Peter Steger hofft, dass aus dem „Projekt Fernpassbahn“ noch etwas Gutes wird und stellt klar: „Wir sitzen alle im selben Boot und müssen alle gemeinsam an einem Strang ziehen, um es ans sichere Ufer zu bringen. Deshalb werde ich in Kürze Gespräche mit unserem Bürgermeister und anderen Kandidaten führen, damit wir eine gemeinsame Aktion starten können, die im Wahlkampf nicht zerrieben wird. Das muss jetzt passieren, bevor das Projekt womöglich eine gefährliche Eigendynamik entwickelt und Entscheidungen nicht mehr in Tirol, sondern in Wien oder Brüssel getroffen werden.“


Betreff: Geplante Bahntrasse Ehrwald – Inntal, Fernpassbahn

Offener Brief an Landeshauptmann Günther Platter, Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann und  Nationalratsabgeordnete Dipl. Kffr. Elisabeth Pfurtscheller.

Lieber Landeshauptmann, sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Liesi,
wie Sie wissen, ist Ehrwald eine malerische, jedoch zu 99-Prozent vom Tourismus abhängige Gemeinde am Fuße der Zugspitze. In diesem Sinne war die Bevölkerung schockiert, dass ein bereits im Herbst 2019 publiziertes Projekt, welches unsere Lebensgrundlage nachhaltig zerstören würde, erneut in Form einer Pressemitteilung als vorrangig publiziert wurde. Es geht um die Bahnverbindung von Ehrwald ins Inntal, von der nicht einmal die Gemeindeführung, geschweige denn die Bevölkerung, Details kennt. Wenn man die aktuellen Trassierungsvorschläge in Betracht zieht (siehe die vom Land Tirol in Auftrag gegebene Machbarkeistsstudie von DI Mag. Ekkehard Allinger-Csollich aus dem Jahr 2017, LT-Antrag 34/17 und LTEntschließung 172/17), führen alle vier dargestellten Trassen mitten durch das Dorf.
Zu- und Abtransport von Material (sowohl für den Bau als auch Ausbruch, Hilfsinfrastruktur etc.) mit den resultierenden Belastungen an Staub und Lärm führt für die gesamte Bauphase inkl. Vorbereitungen, Probestollen, Aufräumarbeiten zwangsläufig zu einer massiven Verkehrsbelastung. Selbst unter günstigsten Bedingungen muss man mit einer Bauzeit von mind. 11 Jahren rechnen. Einen Zeitraum, in welchem der gesamte Tourismus nicht nur in Ehrwald, sondern auch im ganzen Talkessel unweigerlich zum Erliegen kommt. Uns wird damit unsere Lebensgrundlage entzogen. Wir haben aktuell in unserer näheren Umgebung, in Garmisch-Partenkirchen, zwei Tunnelprojekte, die mit ihren 2,9 bzw. 3,6 km Länge deutlich kleiner sind. Somit kennt die Bevölkerung der Region die Problematik mit dem Ausbruchmaterial, Baustellenverkehr u. dgl. sehr gut.
Zur Veranschaulichung werfen Sie bitte einen Blick auf die aktuelle Baustelle des Brennerbasistunnels und stellen sich diese mitten in
Innsbruck vor – undenkbar, nicht akzeptierbar! Für eine Randregion wie den Talkessel Ehrwald-Lermoos-Biberwier scheint dies allerdings ein Politprojekt zu sein, welches mit Nachdruck verfolgt wird.
Eine Bahnverbindung vom Außerfern ins Inntal stellt eine sinnvolle Verkehrslösung insb. für den Gütertransport dar und ist somit grundsätzlich zu befürworten. Selbst wenn die RoLa bis dato noch nirgendwo so wie geplant funktioniert – nicht einmal zu Corona-Zeiten, in denen die Chancen eigentlich ideal gewesen wären.
Die Frage warum, muss man wohl unseren nördlichen Nachbarn stellen, welche bis dato mit ihren Zulaufstrecken in Verzug sind. Möglich, dass die Ursache dafür in der Tatsache zu suchen ist, dass der größte deutsche LKW-Frächter die Deutsche Bahn selbst ist. Wenn nicht einmal sie Interesse an der RoLa hat, wer soll es dann haben?
In der gegenständlichen Planung ist das Projekt „Fernpassbahn“ unseres Erachtens undurchführbar und wird zwangsläufig zu massiven Widerständen aus der Bevölkerung führen. In einer abgewandelten Variante mit der Verlegung des nördlichen Portals in den Bereich „Schanz“ wäre man abseits vom Ortsgebiet und könnte zudem den Transport gleich auf die vorhandenen Schienen verlegen. Darüber hinaus böten sich durch Einbeziehung der Bevölkerung zusätzliche Nutzungsszenarien für die Neben-Infrastruktur, welche die Akzeptanz in der Bevölkerung beträchtlich steigern würden. Ich denke hier insbesondere an die Energienutzung über Wärmepumpen und die Nutzung des Rettungsstollens. Die Größenordnung des Projektes mit veranschlagten 1,5 Milliarden Euro geht über die Entscheidungskompetenz des Landes Tirols hinaus. Ein derartiges Projekt kann nur mit EU-Förderungen gestemmt werden. Damit fallen allerdings auch die Entscheidungen nicht in Tirol, sondern in Brüssel und Wien – weit ab von der betroffenen Bevölkerung. Somit gewinnt das Projekt leicht eine Eigendynamik mit einem Ergebnis, welches am Ende keiner „so gewollt hat“. Hier heißt es rechtzeitig aktiv einzugreifen und Weichen zu stellen, solange man das noch kann.
Ein Miteinander, selbstverständlich unter Einbeziehung der betroffenen Bevölkerung, wäre der richtige Ansatz für ein so zukunftsweisendes Projekt. Transparenz in der Planung und Prüfung von alternativen Vorschlägen, das Gebot einer offenen und kreativen Politik, gerade, wenn es um mutige Projekte geht.
In diesem Sinne appelliere ich an Sie, als die politisch Verantwortlichen, diese Chance zu nutzen und mit proaktiver Information Gerüchten und Ängsten entgegenzuwirken, damit das Projekt nicht im Wahljahr 2022 unter die Räder kommt.

Mit freundlichen Grüßen,
Peter Steger
Ehrwald, am 4. März 2021

 
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