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Reutte | Chronik | 12. Mai 2020 | Von Jürgen Gerrmann

Trauer um die „Zeiller-Linde“

Trauer um die „Zeiller-Linde“<br />
Bei der Protestaktion im Reuttener Untermarkt: Regina Karlen, Barbara Brejla, Gaby Gfader und Initiatorin Christine Schneider (v.l.) RS-Foto: Gerrmann
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Reutte  Von Jürgen Gerrmann
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Protestaktion gegen Baumfällungen im Zuge der Umgestaltung des Reuttener Untermarkts

Fast die Hälfte der Bäume, die zurzeit entlang des Reuttener Untermarkts stehen, sollen im Zuge der Umgestaltung dieser Straße zu einer Begegnungszone gefällt werden. Dies wurde am vergangenen Mittwoch am Rande einer Protestaktion auf dem Zeillerplatz deutlich.
Von Jürgen Gerrmann

Initiiert hatte sie die Diplom-Biologin und Künstlerin Christine Schneider, die sich schon gegen das „Baumgemetzel“ im Zuge der Umgestaltung des Reuttener Parks gewehrt hatte. 30 Jahre alte Bäume im Ortszentrum zu fällen, hält sie in einer Zeit des Klimawandels für unverantwortlich. Bäume stabilisierten und harmonisierten das Kleinklima in den ohne sie völlig überhitzten Straßenzügen. Stadtökologen schätzten den Temperaturunterschied mit und ohne Bäume auf bis zu zehn Grad: „Die Gemeinde Reutte weiß das und macht trotzdem so weiter wie bisher.“ Mit einer Linde sei ein für Reutte besonders symbolträchtiger Baum der Motorsäge zum Opfer gefallen: Sie war Heimat für  Vögel und Insekten, hat Menschen an heißen Sommertagen Schatten und Sauerstoff gespendet, die Luft angenehm gekühlt und auch den Boden vor den Folgen von Starkregen bewahrt.

FÜR MEHR GRÜN IN DEN STÄDTEN.  Dass entlang des Untermarkts nun in solch großem Stil Bäume fallen sollten, zeige die Kurzsichtigkeit und mangelnde Nachhaltigkeit der Reuttener Gemeindepolitik: Derselbe Architekt, der vor drei Jahrzehnten diese Bäume habe pflanzen lassen und das bei der Bürgerinformationsveranstaltung zum Untermarkt im „Mohren“ auch gelobt habe, schweige nun oder sei sogar dafür, sie wieder zu fällen: „Das verstehe ich nicht!“, so Christine Schneider. Das Argument, man pflanze ja wieder neue Bäume, wolle sie nicht gelten lassen. Ein kleiner junger Baum könne weder ökologisch noch in Sachen Klimaschutz so viel leisten wie die, die jetzt weichen müssten. Denen, die sagten, große Bäume hätten im Ortsinneren „nichts verloren“, halte sie entgegen: „Die Erkenntnisse haben sich gewandelt. Wir müssen mehr Grün in die Städte bringen.“ Sie frage sich: „Warum kann man nicht nach einer grünen Stadt schauen, wenn man schon einer Erneuerung des Untermarkts will?“ Was zurzeit auf den Weg gebracht werde, das wolle sie nicht einfach schweigend hinnehmen: „Ich will mich dagegen wehren, auch wenn ich vielleicht nichts ausrichten kann.“ Unterstützung erhielt Christine Schneider von Regina Karlen, der Bezirkssprecherin der Grünen: „Ich bin total entsetzt!“ Helmut Hein, der Vorsitzende des Umweltausschusses des Reuttener Gemeinderats, habe ihr kurz vor der Protestaktion auf ihre Anfrage gesagt, dass „fast die Hälfte“ der Bäume im Untermarkt weg sollten. Das habe sie kaum glauben wollen: „In allen Städten bemüht man sich um mehr Grün, Wasser und schattige Plätze.“ Mit den Bäumen im Untermarkt käme man diesem Ziel nahe: „Warum kann man das Umgestaltungskonzept nicht um die herum entwickeln?“, sinniert Karlen. Und noch eine Frage hat sie: „Warum muss sich der Mensch immer so zerstörerisch gebärden – nur weil ein architektonisches Konzept durchgesetzt werden soll?“ Die Reuttener Bevölkerung hat übrigens von dem abendlichen Protest an der „Zeiller-Linde“ nicht allzu viel mitbekommen: Plakat, Fotos, Mahnkreuze – alles war am nächsten Morgen um 10 Uhr schon wieder spurlos verschwunden.
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