Artikel teilen
Artikel teilen >

200 Jahre Musikgeschichte

Jubiläum der Bürgermusikkapelle Biberwier

Musik verbindet und das schon seit Generationen in Biberwier. Seit mittlerweile zwei Jahrhunderten begleitet die Bürgermusikkapelle das Dorfleben, gestaltet Feste und bringt die Einwohner Biberwiers zusammen. Heuer blickt der traditionsreiche Verein auf sein beeindruckendes Bestehen zurück.
30. April 2026 | von Sarah Kerber
200 Jahre Musikgeschichte <br />
Die Biberwierer Musikanten und Musikantinnen im Jahr 2022.

Foto: Kerber
Den ersten Hinweis auf den Ursprung der Bürgermusikkapelle Biberwier bildet eine Urkunde, die einst in der Kugel des Kirchturms aufbewahrt wurde. Daraus geht hervor, dass der aus Biberwier stammende Handelsmann Josef Hosp im Jahr 1826 eine „Mussig“ im Dorf gründete, die sogenannte Feldmusik. An Josef, den man damals unter dem Namen „Biberwierer Krämersmann“ kannte, erinnert heute noch ein Lied, das über ihn geschrieben wurde. Neben der Feldmusik gab es zeitweise auch die sogenannte Knappenmusik Silberleithen, im Volksmund auch „Schmölzer Musig“ genannt. Diese Kapelle existierte jedoch nur wenige Jahre und löste sich wieder auf, nachdem ihr Kapellmeister Engelbert Wörz den Ort verlassen hatte. Damals befanden sich die beiden Musikkapellen in einem heftigen Konkurrenzkampf. 

ENTWICKLUNG. Von der Gründung bis zum Jahr 1897 gab es keine Verweise auf die Aktivitäten der Musikkapelle, jedoch lässt sich aus der Schulchronik ableiten, dass in dieser Zeit die jeweiligen Dorfschullehrer auch die musikalische Leitung übernahmen. Da die sogenannte Feldmusik vor allem bei Prozessionen auftrat und nur eine begrenzte Anzahl an Ausrückungen hatte, übernahmen die Lehrer auch die Position des Kapellmeisters. Eine Aufnahme vom Kaiserfest im Jahr 1898 – anlässlich des 50-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Joseph– zeigt eine für damalige Verhältnisse bereits große Kapelle. Kapellmeister war zu dieser Zeit der Lehrer Pius Megele. Nur wenige Jahre später übernahm Josef Hofer die musikalische Leitung und investierte viel Zeit für den weiteren Aufbau der Kapelle. Unter seiner Führung wurde erstmals Geld für eine einheitliche Uniform gesammelt. Auch die Bergwerksgewerkschaft Silberleithen unterstützte dieses Vorhaben großzügig und zeigte somit, dass die früheren Streitigkeiten zwischen den Musikkapellen überwunden waren. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erweiterte die BMK ihre bisherigen Blechinstrumente auf die ersten Holzbläser. Der Wirt Josef Seeber erlernte damals Klarinette und spielte somit das erste Holzblasinstrument der Kapelle.

ERSTER OBMANN. Der Lehrer Franz Linser führte die Musikkapelle nach dem Ersten Weltkrieg weiter. 1921 übernahm Josef Hailand die Leitung und sorgte unter anderem dafür, dass im alten Schulhaus ein Probelokal eingerichtet wurde. Geprobt wurde meist sonntags, nach dem Gottesdienst. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann für die Bürgermusikkapelle eine neue Aufbauphase. Im Jahr 1947 wurde mit Engelbert Bader erstmals ein Obmann gewählt, er übte diese Funktion elf Jahre lang aus und wurde später zum Ehrenobmann ernannt. Daraufhin organisierten die Musikant/innen eine große Geldsammlung, um eine einheitliche Außerferner Tracht anschaffen zu können. Bereits bei der Fronleichnamsprozession im Jahr 1950 rückte die Musikkapelle dann erstmals mit 25 Musikanten in der neuen Tracht aus.

DIE FOLGEZEIT. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich das musikalische Leben der Kapelle stetig weiter. 1962 stellte der Verein seine Instrumente von hoher Stimmung auf Normalstimmung um. Gleichzeitig nahm die Musikkapelle regelmäßig an Wertungsspielen teil und unternahm zahlreiche Ausflüge, die sie unter anderem nach Süddeutschland, in die Schweiz, ins Salzkammergut oder nach Südtirol führten.

ERWIN PFAUNDLER. Der Schulleiter Erwin Pfaundler leitete die Kapelle zunächst von 1955 bis 1970 und übernahm diese Aufgabe später noch einmal von 1977 an. Insgesamt stand er rund 40 Jahre an der musikalischen Spitze des Vereins und prägte mehrere Generationen von Musikantinnen und Musikanten. Für seine Verdienste wurde er später mit dem Ehrenring des Landesverbandes der Tiroler Blasmusik ausgezeichnet.

TRADITIONEN UND FESTE. Auch organisatorisch setzte die Kapelle wichtige Projekte um. 1978 begann der Bau eines eigenen Musikpavillons im Dorfpark. Zahlreiche freiwillige Helfer aus der Gemeinde beteiligten sich an den Arbeiten, bereits 1981 konnte der Pavillon feierlich eingeweiht werden. Ein weiteres bedeutendes Ereignis war die Ausrichtung des 39. Außerferner Bundesmusikfestes im Jahr 1988 unter dem Obmann Karl Kerber Senior, an dem mehr als 1.500 Musikantinnen und Musikanten teilnahmen. Weitere Bundesmusikfeste in Biberwier sind aktuell nicht geplant. Gründe dafür sind einerseits die schwierige Ortslage von Biberwier, andererseits auch die komplizierte Organisation eines Festes solcher Größe. 1998 übernahm Harald Schennach das Amt des Obmanns und führt den Verein seither. Unter seiner Leitung wurden neue Traditionen gesetzt, beispielsweise die Wiederbelebung des Waldfestes oder die Einführung des Neujahrspielens.

GEGENWART. „Unsere Kapelle lebt von der Gemeinschaft und vom Engagement vieler Generationen“, betont Obmann Harald Schennach, „Wenn man auf diese lange Geschichte zurückblickt, sieht man, wie die Musikant/innen gemeinsam zahlreiche Höhen und Tiefen erlebt haben.“ Auch musikalisch entwickelte sich der Verein weiter. Nach mehreren Kapellmeistern übernahm 2014 der damals zwanzigjährige Melvin Schennach die musikalische Leitung – ursprünglich als Übergangslösung nach dem frühen Tod von Kapellmeis-ter Max Pirner. Zehn Jahre später, im Jahr 2024, übergab er die Leitung an Daniel Syrowatka, der aus den eigenen Reihen der Kapelle stammt. Derzeit besteht die Musikkapelle aus über 40 aktiven Musikanten, darunter auch einige mit goldenem Leistungsabzeichen sowie engagierten Marketenderinnen.

JUNGMUSIKANTEN. Ein wichtiger Schritt für die Zukunft wurde zudem 2018 mit der Gründung der Jugendkapelle Zugspitze gesetzt. Das Gemeinschaftsprojekt der Musikkapellen Biberwier, Ehrwald und Lermoos soll jungen Musikerinnen und Musikern eine zusätzliche Möglichkeit zum gemeinsamen Musizieren bieten und die Nachwuchsarbeit in der Region stärken. Dass diese Nachwuchsarbeit erfolgreich ist, zeigt auch das Durchschnittsalter der Bürgermusikkapelle Biberwier von rund 32 Jahren. Was vor 200 Jahren als kleine Musikkapelle begann, ist heute ein anerkannter Verein, der aus Biberwier nicht mehr wegzudenken ist. Voller Vorfreude auf weitere Jahre wunderbarer musikalischer Unterhaltung, lässt sich sagen, dass die Geschichte der Bürgermusikkapelle noch lange nicht zu Ende geschrieben ist.
200 Jahre Musikgeschichte <br />
Foto der BMK Biberwier aus der Chronik der Gemeinde Biberwier: Die Musikanten Biberwiers im Jahr 1930.

Foto: Gemeinde Biberwier

Feedback geben

Feedback abschicken >
Nach oben
Wir verwenden Cookies, Tracking- und (Re-) Targeting-Technologien. Damit wollen wir unsere Webseite nutzerfreundlicher gestalten und fortlaufend verbessern. Wenn Sie unsere Webseite weiter nutzen, stimmen Sie dadurch der Verwendung von Cookies zu – ausgenommen sind Cookies für Google-Marketing-Produkte.
Einverstanden
Weiter ohne Google-Marketing-Produkte.
Weitere Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.