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Jazz als Friedensformel

László Demeters Pangea

Mit „JazzPangea“ bringt der Außerferner Musiker etwas heraus, das Generationen, Kulturen und Biografien verbindet – persönlich, poetisch und politisch.
22. Oktober 2025 | von Johannes Pirchner
Jazz als Friedensformel<br />
László Demeter stellt mit JazzPangea Frieden und Gemeinsamkeiten in den Fokus. RS-Foto: Pirchner
László Demeter wurde 1961 in Keszthely (Ungarn) geboren und lebt seit 1991 in Reutte. Der studierte Schlagwerker und Jazzmusiker ist als Musikpädagoge, Komponist und Kulturvermittler aktiv. Seine musikalische Laufbahn führte ihn von Budapest über Wien nach Tirol. Als Lehrer an der LMS Reutte prägte er Generationen von Schüler/innen. JazzPangea ist sein jüngstes Album – ein musikalisches Friedensprojekt mit persönlicher Tiefe.

PANGEA. JazzPangea verweist auf den Urkontinent der Erdgeschichte und dient als Metapher: So wie einst alle Kontinente zu einer festen Landmasse verschmolzen, will László Demeter musikalisch zusammenführen, was getrennt erscheint. „Wir sind ständig von Nachrichten über Krieg umgeben. Ich biete eine Lösung: „Spielt Jazz – und wir leben friedlich zusammen“, sagt der gebürtige Ungar, der seit über 30 Jahren in Reutte lebt. So wurde aus einer musikalischen Zusammenarbeit eine gesellschaftliche Botschaft: Unterschiedlichste musikalische Handschriften vereinen sich in einem Album, das auf Gemeinsamkeit setzt statt auf Differenz.  Die Dramaturgie des Albums folgt einer inneren Bewegung. „Ich wollte keinen Sampler machen, sondern eine musikalische Geschichte erzählen.“

VON DER IDEE ZUR DRAMATURGIE. Demeter lädt auf JazzPangea junge Talente wie Raphael und Felix Niederstätter ebenso ein wie Weggefährten aus der Tiroler Jazzszene – darunter Florian Bramböck, Stephan Costa, Roland Heinz oder Hannes Sprenger, der ein Stück für den vor fünf Jahren verstorbenen Martin Nitsch, einem  Mitglied seiner ersten Innsbrucker Band Counter Parts war, geschrieben hat. Die Besetzung ist so vielfältig wie die Stücke, vier Formationen wirken mit. „Ich wollte ein Projekt, das den Geist des Miteinanders trägt. Aus dieser Idee ist  ein Friedensprojekt entstanden.“

TÖNE DER VERGANGENHEIT. Tief verwoben mit dem Werk ist auch Demeters Biografie. Die Eröffnung des Albums markiert das Stück Favete Linguis 2.0 – eine musikalische Verabschiedung seiner Mutter. Schon auf seinem Album „Danke“ hatte er mit dem ersten Favete Linguis seinem Vater ein klingendes Denkmal gesetzt. Der Ausdruck stammt aus dem Lateinischen und bedeutet sinngemäß: „Haltet die Zunge“ oder „Schweigt andächtig“. In der römischen Antike riefen Priester damit zur Stille vor einem Ritual auf – zur Konzentration auf das Wesentliche. „Mein Vater war Historiker. Als er starb, ließ meine Mutter diesen Satz auf seinen Grabstein schreiben. Ich habe ihn musikalisch weitergetragen – als Öffnung und als Schweigeminute“, so Demeter. „Ich beginne das Album mit dem Abschied von meiner Mutter – und beende es mit den Stimmen der nächsten Generation. Das ist mein persönlicher Pangea-Moment.“

PERSÖNLICHER SCHLUSS. Zum Abschluss erklingt Pam Pam for Lisa 5 – eine kleine Improvisation auf den Trommeln über ein ungarisches Kinderlied. Die Geschichte dahinter ist familiär: „Als meine Tochter klein war, sagte sie oft: ‚Papa, mach Pam Pam!‘ – Das war unser Code für ´Trommeln`“, erzählt Demeter lachend. Daraus entwickelte sich ein musikalisches Ritual. Auf jedem seiner Alben spielt er ein Stück für sie. Für die fünfte Ausgabe baten er und Lisa Familienmitglieder aus Brüssel, Palermo, Zürich und Tirol, das Lied mit einzusingen. Es entstand ein weltumspannendes Vokalgeflecht – leise, intim, verbindend. „So klingt Familie für mich – über Grenzen hinweg.“

MUSIK ALS HALTUNG. Für Demeter ist JazzPangea nicht nur ein Album, sondern Haltung. „Ich habe immer versucht, durch Musik Energie aus der Vergangenheit zu holen – und sie weiterzugeben“, sagt er. Der Gedanke von Pangea – das Zusammenführen Getrennter – sei für ihn nicht nur geologisch interessant, sondern spirituell bedeutsam. „Die Erdkruste  hat sich mehrfach gespalten und wieder verbunden. Warum nicht auch wir Menschen?“ Auch in früheren Projekten arbeitete er mit Symbolik: Mit Schamanentrommeln eröffnete und schloss er Konzerte, stets im Zeichen des Übergangs zwischen Generationen.

DOKUMENT EINER SZENE. Aufgenommen wurde das Album im Ambient-Studio von Manuel Stix in Mils. Parallel entstanden die neun Videos von den Studioaufnahmen mit Originalsound und Bild, die auf Youtube zu sehen sind und ein Dokumentarfilm, unter der Regie von dem in Wien lebenden Außerferner Filmemacher Alexandro Huber: Paleocontinental Jazz. Der 19-minütige Film zeigt Studioaufnahmen, Interviews und persönliche Reflexionen. „Das ist ein wertvolles Zeitdokument – nicht wegen mir, sondern weil es einen Teil der heutigen Jazzszene festhält“, betont Demeter. Premiere für das neue Album wird im Kulturforum Breitenwang, am 15. November, sein.

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