Kaiser, Könige und Dichter zu Gast in Reutte
„Hier ist es gut sein“ – Gastwirtschaften in vergangenen Tagen
23. Feber 2026 | von
Sonja Kofelenz
Trotz des Regenwetters nutzten Einheimische die Gelegenheit, ihren Heimatort unter der kundigen Führung von Austriaguide Mag. Birgit Maier-Ihrenberger näher kennenzulernen. Foto: Kofelenz
Laut und turbulent ging es im Untermarkt beim Guetstadel zu. Fuhrwerke ratterten die ruppige Straße heran, Waren wurden auf- und abgeladen. Handwerker machten sich an Reparaturarbeiten an den Wagen, schmierten die Räder und Gastwirte standen parat, um den durstigen Reisenden einen Becher Wein zu reichen. Große Lagerhäuser und Stallungen säumten die Gassen von Reutte. So in etwa kann man sich die Zeit vor rund 300 Jahren vorstellen, als die Rodfuhrleute mit Waren, und vor allem Salz, die Straßen durch das Außerfern nutzten.
Der Welttag der Fremdenführer … richtet sich vor allem an Einheimische, erklärte Mag. Birgit Maier-Ihrenberger zu Beginn und ging auf die Ausbildung zum Fremdenführer etwas genauer ein. Mit der Frage an die Teilnehmer, wo denn der „Rote Ochsen“ wohl gewesen sei, begann sie den Rundgang beim Büro des Tourismusverbandes im Untermarkt.
Vom „Roten Ochsen zum Schwarzen Adler“. Gleich schräg gegenüber, da wo jetzt die Musikschule ist, befand sich bis ca. 1800 dieser Gasthof. Nächster Stopp: „Gasthof Mohren“. An der Kreuzung zum Untergsteig war wohl am meisten in Reutte los, war dies doch ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in vergangener Zeit. Um den Zeillerplatz herum waren mehrere Wirtschaften und das Handelszentrum für den Salzhandel. Der Name „Mohren“ wusste sie zu berichten, hat seinen Ursprung in den hl. drei Königen. Diese sind die Patrone der Reisenden und Gastwirte. Ein kurzer Abstecher zu den Rodfuhrtafeln im Museum im Grünen Haus, die das damalige Geschehen um die Warentransporte bildlich verdeutlichen, ergänzte die Führung.
Der nächste Halt bei der Post begann mit einem Exkurs über das Postwesen, das im 15. Jahrhundert von Kaiser Maximilian eingeführt wurde. Die damaligen Wechselstationen wurden später zu Post-Gasthöfen, meist mit gehobenem Standard. So logierte Dichterfürst Goethe im „Gasthof Post“, auf dem Platz, an dem heute das Europahaus steht. Weiter führte der Weg zur „Goldenen Glocke“. An diesen traditionellen Gasthof erinnern nur noch die Glocke und ein Schriftzug auf der Fassade. Aus dem Jahr 1837 stammt eine Aufzählung, in der elf Gasthöfe genannt sind. Viele dieser Wirtschaften betrieben eine eigene Brauerei.Vorbei am Kreisverkehr, an dem in früheren Zeiten Gasthäuser zu finden waren, über den Isserplatz bis zum Ende beim „Schwarzen Adler“ und der „Goldenen Krone“, wo die Führung ein Ende nahm. In der „Goldenen Krone“ nächtigte auch eine berühmte Person. Wer es wissen möchte, kann es an der Fassade als Bild und auch als Text ablesen.