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Letzter Dienstag war letzter Dienst-Tag

Das „Schlagzeug-Urgestein“ László Demeter verlässt die Bühne der LMS Reutte-Außerfern

Der Ausnahmemusiker prägte über 35 Jahre die LMS Reutte-Außerfern wie wohl kaum ein anderer. Als Schlagwerklehrer und leidenschaftlicher Jazz-Musiker bildete er mit großer Empathie, künstlerischer Tiefe und besonderem Engagement Generationen von Außerfernerinnen und Außerfernern am Schlagwerk aus.
3. März 2026 | von Bruno Dengg
Letzter Dienstag war letzter Dienst-Tag<br />
„Schlagzeug-Urgestein“ László Demeter brillierte bei seinem Abschiedskonzert nach 35-jähriger Tätigkeit an der LMS. Foto: Tobias Lämmle
Am vergangenen Dienstagabend gab László Demeter mit seinen Musikschülerinnen und -schülern ein hochklassiges Abschiedskonzert, schon zwei Tage später wurde er mit einem ebensolchen, organisiert und veranstaltet von seinen Nachfolgern, überrascht. Derzeitige und ehemalige Schülerinnen und Schüler, Kolleginnen und Kollegen, Freunde und Bekannte – sie alle kamen, um László ihre Ehre zu erweisen und um „Danke“ zu sagen. Die Besucherinnen und Besucher erlebten das einmalige Schlagwerkkonzert „Rhythmus – Klang – Puls“ im bis auf den letzten Platz gefüllten Lina-Thyll-Saal.

EINE BESONDERE MUSIKALISCHE LEBENSREISE. László, 1961 in Ungarn geboren, wuchs in einer gut bürgerlichen Familie auf, die ihm Liebe, Respekt sowie Toleranz vermittelte. Die Musik wurde ihm buchstäblich in die Wiege gelegt und so baute der kleine László mit vier Jahren seine erste Trommel, gründete mit fünf  Jahren seine erste Band und gab „Konzerte“ im Hof des Kindergartens. Im Alter von zehn Jahren lernte er Klarinette in der Musikschule, später Schlagwerk. Nach der Matura studierte er Hochbau und Pädagogik sowie klassisches Schlagwerk am Konservatorium. Seine Leidenschaft für Musik führte ihn zum Studium in diverse Konservatorien. 1990 übersiedelte er als Paukist zum Wiener Kammerorchester. Durch einen glücklichen Zufall lernte er einen Tiroler Gitarristen kennen, der über offene Musiklehrerstellen in seinem Bundesland berichtete. Kurzerhand entschloss sich László, sich mit seiner Familie ganz im Westen Tirols, in Reutte, niederzulassen. An der Gemeindemusikschule Reutte mit den Exposituren Lechtal, Tannheimer Tal und Zwischentoren fasste er Fuß und erhielt eine Vollzeitstelle. Sprachprobleme hatte László im eher rauen und „wilden Westen“ keine, denn er sah den Dialekt der Region nicht als Problem, sondern als eine zu meisternde Herausforderung.

LÁSZLÓ SCHRIEB MUSIKGESCHICHTE. Er unterrichtete sein Fach nicht nur in Reutte, sondern musste auch die einzelnen Blasmusikkapellen in den Gemeinden besuchen, um deren Schlagzeuger zu schulen. Dort traf er hervorragende Musiker an, die im Klangkörper perfekt spielen konnten, jedoch nicht alleine und auch nicht nach Noten. Deshalb erhielt er von Koch Records den externen Auftrag, Bücher für Schlagwerk zu schreiben und Videos aufzunehmen. Nebenbei produzierte László CDs, gab Konzerte in Ungarn und Österreich, etablierte in den Jahren 2012 und 2013 eine Jazzabteilung an der LMS, hielt Vorträge und verwirklichte seinen großen Traum, Eigenkompositionen zu veröffentlichen. Lebenslange Weiterbildung führte ihn u. a. nach New Orleans und Boston. László ist in Reutte kein lauter Name und doch einer, der nachhallt. Wer ihn näher kennenlernen durfte, spürt schnell, dass er ein wunderbarer Mensch ist, der Geschichten nicht nur erzählt, sondern sie lebt. Ihn zeichnet keine grelle Inszenierung, sondern Tiefe, Sensibilität, Entschlossenheit sowie Authentizität aus. Die Balance zwischen Kontrolle, Freiheit und Improvisation lassen ihn einen Meister des Schlagwerks sein.

ZUKUNFTSPLÄNE. Mit Jazz Pangea schuf László 2025 ein kraftvolles Friedensprojekt, bei dem jeder Song eine andere Besetzung trägt, jedoch ein gemeinsames Ziel verfolgt: Den Glauben an das Gute im Menschen neu zu entfachen. Dieses Projekt soll fortgesetzt werden, weitere interessante neue Ideen bestehen bereits u. a. ein Brassbandprojekt, bei dem auch seine Schülerinnen und Schüler miteinbezogen werden sollen. Zudem, und das ehrt ihn sehr, hat er seinen Schülerinnen und Schülern „lebenslangen Service“ in Sachen Schlagwerk angeboten. Er wird, so berichtete mir László, Reutte erhalten bleiben und in Ungarn Tourist sein.

HOCHKLASSIGES ABSCHIEDSKONZERT. Seine Nachfolger: Benjamin Kowollik, Clemens Coreth, Chris Norz, Stefan Heiß verabschiedeten ihren Kollegen László mit einem eigens für ihn zusammengestellten Programm und zogen alle Register, die der Bereich Schlagwerk zu bieten hat. Beim Eröffnungsstück „Scratch“ diente ein großer Luftballon als Schlagwerk und begeisterte die Zuhörerinnen und Zuhörer. Im weiteren Verlauf des Abends wurden Werke auf beliebten Schlagwerk-instrumenten wie Snare-Drum, Tomtom, Marimbaphon, einem Drumset sowie Congas gespielt. Der einmalige Abschiedsabend endete mit einer Geschenkübergabe durch Direktor Tobias Lämmle: Dieser fand nicht nur fachlich lobende Worte für Lászlós jahrzehntelanges Wirken, in denen er ihn als sehr einfühlsamen, kompetenten, bis zum Schluss motivierten Lehrer und Freund kennengelernt habe. Er betonte, dass László eine super funktionierende Klasse übergebe und ist zuversichtlich, dass die studierten Teilzeitfachkräfte in die großen Fußstapfen treten, die das „Schlagwerk-Urgestein“ hinterlässt. Standing Ovations belegten das hohe Können und Lászlós Beliebtheit.
Der Abend klang mit interessanten, persönlichen und freundschaftlichen Gesprächen bei einem Buffet in der LMS aus.
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Die Nachfolger von László Demeter treten in große Fußstapfen und übernehmen viel Verantwortung. Im Bild sitzend von links: Benjamin Kowollik, Clemens Coreth; stehend von links: Tobias Lämmle, László Demeter, Chris Norz, Stefan Heiß. Foto: Dengg

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