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Cybercrime

Die dunkle Seite der digitalen Transformation

Cyberangriffe zählen derzeit zu den größten digitalen Bedrohungen für die Wirtschaft. Unternehmen jeglicher Größenordnung geraten vermehrt ins Visier von Cyberkriminellen, die im Zuge von Angriffen IT-Systeme verschlüsseln, Daten stehlen, Lösegeldforderungen stellen oder Inhalte im Darknet veröffentlichen. Auch der Bezirk Reutte ist diesbezüglich keine Insel der Seligen mehr.
23. Feber 2026 | von Bruno Dengg
Cybercrime<br />
Die Veranstaltung „Konzepte gegen Cybercrime“ mit Vortragendem Oliver Hietz (Bildmitte) bescherte den Veranstaltern ein volles Haus. Links im Bild WK-Obmann Christian Strigl, rechts im Bild: Vorstand Raiffeisenbank, Ludwig Strauß. Foto: Dengg
Cybercrime und Ransomware stellen ein brandaktuelles Thema dar, das in unserer digitalisierten Welt vor niemandem mehr Halt macht. Vor diesem Hintergrund luden die Raiffeisenbanken des Bezirks, gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Reutte, am vergangenen Mittwochabend zu einer außergewöhnlichen Informationsveranstaltung ein, der über 280 Interessierte Folge leisteten und den großen Saal in der WK bis auf den letzten Platz füllten. Bei der vorher stattgefundenen Pressekonferenz betonte Ludwig Strauß, Vorstand der Raiffeisenbank Oberland-Reutte, deren Wichtigkeit für die Kunden, denn Transaktionen können nicht nur die Vertrauensbasis stören, sondern sogar existenzbedrohend sein. Ein Klick, so Vorstand Strauß, genüge und ein Betrag kann nicht mehr zurückgehalten werden. Es gelte deshalb, die Kunden vorab zu informieren, wie Schadensvermeidung bzw. -reduzierung möglich sei. Christian Strigl, Obmann der WK, zeigte in seinem Statement sowohl einerseits die Wichtigkeit der Digitalisierung heutzutage auf, wies aber andererseits gleichzeitig auf deren Schattenseiten, u. a. die Cyberkriminalität hin. Deshalb gelte es, den Unternehmerinnen und Unternehmern zu helfen und sie zu schützen. Wolfgang Winkler brachte das Darknet, das es durch seine komplette Anonymisierung den Tätern besonders leicht mache, ins Spiel.

OLIVER HIETZ. Zu all diesen Statements nahm der Vortragende Oliver Hietz, Geschäftsführender Gesellschafter der Agentur Cyberschutz, in seinem eineinhalbstündigen hochinteressanten Vortrag Bezug und setzte sich in seinen Ausführungen mit der Kriminalstatistik, den Tätergruppen, der Incident Response, dem Darknet sowie mit möglichen Lösungsansätzen auseinander.  Für den Vortragenden, der früher bei der Gendarmerie im Bereich der Schwerstkriminalität tätig war, ist Cyberkriminalität kein Fremdwort. Versiert und untermauert durch viele Fälle aus der Praxis arbeitete er das Thema auf.

CYBERANGRIFFSFORMEN … erfolgen laut Oliver Hietz zu 80 % auf Unternehmen, kritische Infrastruktur sowie Behörden mit Hilfe einer Ransomware, d. h. Verschlüsselung von Firmendaten mit anschließender Lösegeldforderung sowie durch DDoS-Attacken, d. h. einer Überlastung von Servern, um Geschäftsprozesse lahmzulegen. Die restlichen 20 % betreffen Privatpersonen, die Opfer von Phishing und Smishing werden. Durch betrügerische E-Mails und SMS versuchen die Täter, Bankdaten und Passwörter zu stehlen. Des Weiteren sind Cyber-Mobbing (Diffamierung und Belästigung in sozialen Medien) sowie Internetbetrug (Fake-Shops oder betrügerische Verkaufsplattformen) an der Tagesordnung.

PERSÖNLICHE DATEN ALS REALE GEFAHR. Hier gilt laut Vortragendem Oliver Hietz, besondere Vorsicht walten zu lassen. Diese Daten dienen den Kriminellen als „Währung“ für Identitätsdiebstahl, Betrug oder sogar Erpressung. Gestohlene Daten ermöglichen den Abschluss von Verträgen oder Einkäufen im Namen der Opfer. Zudem nutzen KI-gestützte Angriffe diese Informationen, um täuschend echte Phishing Nachrichten zu erstellen.

HERKUNFT DER TÄTER. Laut dem aktuellen World Cybercrime Index gilt Russland als das weltweit bedeutendste Zentrum für Cyberkriminalität, gefolgt von der Ukraine, China und den USA. Im Jahr 2025 wurde ein verstärkter Fokus russischer Akteure auf die europäische Wirtschaft registriert. Ein verlässlicher „Ehrenkodex“ existiert in der Cyberkriminalität kaum, denn das Hauptmotiv ist Profit und nicht Moral. Lösegeldforderungen sind an der Tagesordnung, Verhandlungen möglich, jedoch keine Garantie zur Datenrettung. Hier gilt es, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

WIRTSCHAFTLICHER SCHADEN IN ÖSTERREICH. Aufgrund der hohen Dunkelziffer ist kaum eine exakte Schadenssumme zu benennen. Laut Experten wurden jedoch im Jahr 2025 durchschnittlich ca. 1.600 Angriffe pro Woche auf österreichische Organisationen registriert.

SCHUTZ UND PRÄVENTION. Dazu sind technische und organisatorische Maßnahmen sowie Aufklärung und Verantwortung unerlässlich. Regelmäßige Sicherheitsupdates, Einsatz von Firewalls, Schulungen zur Sensibilisierung für digitale Risiken sowie klare Notfall- und Wiederherstellungspläne im Ernstfall minimieren den angerichteten Schaden.  Der spannende Vortrag mit abschließendem Live-Einstieg ins Darknet zeigte auf, dass Cybercrime eine reale und stetig wachsende Bedrohung mit perfiden Methoden darstellt, der man nur durch Schutz, Prävention und durch Schärfung des Bewusstseins der Gefahr begegnen kann.

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