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Die EWR informierten in Stanzach

Am 20. Oktober stellten sich die EWR direkt den Fragen der Stanzacher

Die EWR luden in Stanzach zu einer Bürgerinformation über ihr Projekt zum Ausbau der Kraftwerkskette Plansee ein. Interessierte konnten führende Mitarbeiter der EWR sowie Experten und Verfasser verschiedener Gutachten direkt befragen. Neben den EWR waren unter anderem auch Vertreter von Energie Tirol, Ökologen, Limnologen (Gewässerkundler), Anwaltskanzleien und Marketingfirmen vor Ort. Das Interesse war groß, und es kam teilweise zu heftigen Diskussionen.

Markus Arzl
27. Oktober 2026
Die EWR informierten in Stanzach
Der Namlosbach stand im Fokus des Informationsabends. Foto: Sebastian Fröhlich RS-Archiv
Der Mehrzwecksaal in Stanzach: Informationsplakate an den Wänden und auf einem Raumteiler in der Mitte des Saals. Führende Mitarbeiter der EWR empfangen die interessierte Bevölkerung am Eingang mit Handschlag. Bei den Plakaten stehen die jeweiligen Fachleute bereit, um Auskunft zu geben. Man ist offensichtlich bemüht, einen Rahmen zu schaffen, in dem Fragen möglichst unkompliziert gestellt und beantwortet werden können. Schnell füllt sich der Saal. Es wird informiert, Fragen werden gestellt. So beginnt dieser durchaus interessante Abend, der teilweise auch Überraschungen bereithält. Beispielsweise haben Untersuchungen im Rahmen des umfangreichen Einreichoperats dazu geführt, dass einige Naturräume erstmals genauer erforscht wurden. Im Liegfeisttal wurde etwa der Styx-Mohrenfalter erstmals im Lechtal nachgewiesen. Dabei handelt es sich um eine seltene und hoch spezialisierte Schmetterlingsart.

STROM UND WASSERSTOFF. Vonseiten der EWR wurde betont, dass ohne die Ableitung des Namlosbaches kein zusätzlicher Strom erzeugt werden könnte. Auch die Zahlen wurden genauer erläutert. Im Krafthaus im Liegfeisttal würden zwar nur 1 GWh pro Jahr erzeugt, doch da das Wasser später gemeinsam mit dem Wasser aus dem Rotlech-Stausee mehrmals genutzt würde, könnten daraus insgesamt bis zu 25 GWh Strom gewonnen werden. Ein Argument, das zumindest für Techniker durchaus überzeugend wirkt. Gleichzeitig war aus den Gesprächen mit den EWR zu entnehmen, dass sie große Hoffnungen in ihr Wasserstoffprojekt setzen. Sollte dieses erfolgreich sein, könnte es den Energiemarkt revolutionieren. Denn Strom wäre dadurch plötzlich mit minimalen Verlusten in praktisch beliebiger Menge als Wasserstoff speicherbar. Wie konkurrenzfähig Pumpspeicherkraftwerke in einem solchen Szenario noch sein werden, wird sich zeigen.

KRITIK AM AUSBAU. Viele Besucher wollten sich einfach direkt informieren. Von vielen anderen kam jedoch teils massive Kritik an den Ausbauplänen der EWR. So wurde darauf hingewiesen, dass wir unsere in Mitteleuropa einzigartige Wildflusslandschaft derzeit touristisch sehr erfolgreich nutzen würden. Wenn die EWR nun aber der Kernzone des Naturparks Wasser entnehmen würden, würden wir versuchen, die Kuh zweimal zu melken. Können wir weiterhin vom „letzten Wilden“ sprechen, wenn die Kraftwerke immer weiter das Lechtal hinauf gebaut werden? Was, wenn die Abflussmodelle der EWR nicht stimmen und die Bürgerinitiative doch recht behält? Manche Besucher pflichteten den EWR auch bei, dass Wasserkraft grundsätzlich eine gute Sache sei. Um den Namlosbach wäre es aber doch sehr schade, auch wenn die Schlucht selbst schwer zugänglich ist und nur wenige Menschen sie wirklich kennen. Viele Besucher fragten sich zudem, wie es sein kann, dass einerseits laufend Millionen an EU-Geldern investiert werden, um dem „Wildflusssystem Tiroler Lech“ wieder mehr von seiner natürlichen Dynamik zurückzugeben, während andererseits seinen funktionierenden Seitenarmen Wasser entzogen und ihnen dadurch ihre Natürlichkeit geraubt wird.

SORGEN UM GRUNDWASSER. Ein Besucher berichtete, dass seine Grundwasserwärmepumpe trocken stehen würde. Eine Zeit lang sei das Grundwasser jeden Tag um ganze 10 cm abgesunken. Auch einigen seiner Bekannten sei es ähnlich ergangen. Grund dafür sei ganz klar der zu trockene Sommer. Die alte Ölheizung habe er Gott sei Dank noch, aber jetzt müsse er für mehrere Tausend Euro Heizöl einkaufen. Durch die Ableitung des Namlosbaches würde für Besitzer von Grundwasserwärmepumpen zwischen Stanzach und dem Archbach die Wahrscheinlichkeit steigen, ein ähnliches Schicksal zu erleiden.

STARKE DISKUSSION. Gegen Ende der Veranstaltung wurden die Wortmeldungen durchaus heftiger. „Womit willst du denn dann dein E-Auto laden?“ „Der Namlosbach ist ein Naturjuwel, da darf man gar nichts machen.“ „Unsere Aufgabe ist die Versorgungssicherheit!“ Dass in anderen Ländern Europas bereits E-Autos genutzt werden, um durch „bidirektionales Laden“ das Stromnetz zu stabilisieren und damit auch noch Geld zu verdienen, war leider nicht Teil dieser Debatte. Die Diskussionsthemen waren also durchaus interessant. Nach etwa drei Stunden voller Informationen und Diskussionen endete der Abend, ohne dass der Diskussionsbedarf versiegt wäre. Der Informationsstand aller Anwesenden dürfte sich jedoch verbessert haben. Die Rundschau wird Sie weiterhin über das Thema auf dem Laufenden halten.

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