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Die Grünen kennen mehr Themen als den Fernpass

Die Grüne-Bezirkssprecherin Margit Dablander im RUNDSCHAU-Sommergespräch

Auch in diesem Jahr bringt die RUNDSCHAU wieder die Sommergespräche mit den Bezirksparteiobleuten des Außerferns. In der aktuellen Ausgabe stellte sich die Grüne Bezirkssprecherin Margit Dablander den Fragen der Redaktion.

4. August 2026
Die Grünen kennen mehr Themen als den Fernpass
Der Stopp des Fernpass-Pakets ist eines der Herzensthemen von Margit Dablander. Foto: Privat
RUNDSCHAU: Liebe Margit, aus aktuellem Anlass: Am Reuttener Gemeindeamt hängt das Transparent „Mensch vor Verkehr – Nein zum Fernpassbeschleunigungspaket“. Vizebürgermeisterin Daniela Rief spricht von einem „Missbrauch des hoheitlichen Anspruchs einer Gemeinde“. Wo ziehst du als Gemeinderätin die Grenze? Darf eine Gemeinde aus deiner Sicht die Botschaften einer Interessengruppe öffentlich unterstützen, auch wenn du deren Anliegen nicht teilst?
Margit Dablander: Im März 2024 hat der Gemeinderat mit Mehrheitsbeschluss den Beitritt zum „Transitforum Austria Tirol” beschlossen. Begründet wurde dieser Schritt damit, dass durch den Bau des Scheiteltunnels und die Bemautung der B 179 große Nachteile für die Stadtgemeinde Reutte entstehen würden. Somit entsprechen die Demonstrationsziele der Initiative „Gurgltal Außerfern Mieminger Plateau” den Bedenken der Stadtgemeinde Reutte. Was ist zu kritisieren, wenn die politische Ebene einer Gemeinde nach außen die mehrheitliche Haltung des Gemeinderats sichtbar macht? Parteipolitische Werbung gibt es hinsichtlich der Demo-Ankündigung nicht, politische Information natürlich schon. Ist das nicht die Aufgabe einer Gemeindeführung?

RUNDSCHAU: Angenommen, das Fernpass-Paket wird nicht umgesetzt und der Protest zeigt Wirkung: Wie soll es dann konkret weitergehen? Welche Lösungen schlagen die Grünen für die B179 und den Transitverkehr im Außerfern vor?
Margit Dablander: Sofortige Versetzung der Dosieranlage an den Grenztunnel und die weiteren Außengrenzen, tatsächliche Kontrolle des Lkw-Ziel- und -Quellverkehrs, Abfahrtsverbotskontrollen auf der B 179 in Richtung Süden und Norden, angepasst an das Verkehrsaufkommen und nicht nur samstags und sonntags, Bekämpfung der EU-rechtswidrigen Grenzkontrollen, sofortige Verbesserung der Zugverbindung Reutte-Innsbruck (Verlässlichkeit und Fahrzeit), ernsthafte Planung einer direkten Bahnverbindung ins Inntal. Eine Machbarkeitsstudie gibt es bereits. Die Fahrzeit von Reutte nach Innsbruck beträgt 1:14 Stunden.

RUNDSCHAU: Die Eigenbewirtschaftung der Jagd ist in Reutte nach wie vor ein viel diskutiertes Thema. Zwar haben die Grünen die Entscheidung im Gemeinderat mitgetragen, doch Kritiker bemängeln die hohen Kosten und die geringe Effizienz. Wie begründest du diese Haltung?
Margit Dablander: Ja, wir haben diese Entscheidung aus Verantwortung für die Zukunft des Schutzwaldes mitgetragen. Trotz jahrelanger Versprechen der Pächterfamilie hat sich der Zustand des Waldes nicht verändert. Dies ist behördlich über die regelmäßigen Erhebungen der Verjüngungsdynamik der verschiedenen Baumarten dokumentiert. Im ersten Jahr fielen für die Gemeinde hohe Kosten an, da Fahrzeuge angeschafft werden mussten. Trotzdem befürworten wir Grüne die Eigenbewirtschaftung der Jagd, denn es geht um den Schutz vor Naturgefahren durch einen intakten Wald. Fachleute sagen, dass sich der Waldzustand frühestens in fünf, eher in zehn Jahren objektiv beurteilen lässt. Eines ist mir wichtig zu sagen: Wäre die Alternative, alles so zu lassen, wie es ist? Der Schutzwald oberhalb des Zwieselbaches ist überaltert und der klimafitte Jungwald kommt aufgrund des Wildverbisses nicht auf. Könnte es nicht auch passieren, dass der Hang bei massiven Unwettern abrutscht? Könnten sich im Zwieselbach Verklausungen bilden, die wiederum das Planseewerk mit der Archbachhalle und der Archbachsiedlung gefährden? Wer möchte ein solches Szenario verantworten? Die Schadenskosten wären dann um ein Vielfaches höher als die Kosten für die Eigenbewirtschaftung. Eines muss auch gesagt werden: Eine konstruktive Zusammenarbeit aller Fraktionen trägt zum Gelingen der Eigenbewirtschaftung bei.

RUNDSCHAU: Die Grünen auf Bundesebene stehen dem geplanten Mindestalter für soziale Medien kritisch gegenüber. Was hältst du von einem solchen Gesetz? Ist es ein notwendiger Schutz von Kindern oder ein zu weitgehender Eingriff in Freiheits- und Persönlichkeitsrechte?
Margit Dablander: Es ist höchste Zeit, dass der Schutz unserer Kinder durch ein Gesetz so weit wie möglich gesichert wird, denn Kinderschutz muss das Wichtigste für uns sein. Ob eine Altersgrenze das wirksame Mittel ist, ist fraglich. Trotzdem reicht es nicht aus. Wir müssen Jugendliche dahingehend bilden, dass sie Fake News und radikale Inhalte erkennen und verstehen. Leider wissen die meisten Eltern und Großeltern nicht, welcher Dreck von Kindern angeschaut wird. Würden diese Bilder im Fernsehen gezeigt, würden die Erwachsenen das Programm sofort ausschalten, weil sie diese Bilder selbst nicht aushalten würden.

RUNDSCHAU: Der WWF hat die Kraftwerksprojekte am Namloserbach kürzlich deutlich kritisiert, die EWR haben die Vorwürfe jedoch zurückgewiesen. Wie stehen die Außerferner Grünen zu diesem Thema?
Margit Dablander: Der Namloserbach liegt innerhalb des Natura-2000-Schutzgebiets. Es gilt ein Verschlechterungsverbot nach EU-Recht und österreichischem Wasserrecht. Der Namloserbach ist ein wichtiger Zufluss des Lechs und gehört zu den letzten 14 Prozent  der ökologisch intakten Gewässer Österreichs. In der Verordnung der Tirol. Landesreg.  LGBl. Nr. 104/2014 steht, dass bereits ein Planungsansatz den Richtlinien widerspricht. Eine Ableitung des Wassers würde die Sedimentzufuhr, die Hydrologie und den Charakter der Flussdynamik verändern und sich negativ auf die Lebensräume geschützter Arten auswirken. Somit erklärt sich die Position der Grünen. Der Lechweg wird international beworben. Er ist einer der beliebtesten Weitwanderwege. Ob sich die Touristiker diesen Imageschaden zufügen lassen wollen, ist fraglich.

RUNDSCHAU: Über welches Thema wird deiner Meinung nach im Außerfern derzeit zu wenig gesprochen?
Margit Dablander: Strukturprobleme: Auch Kleinstgemeinden müssen die Infrastruktur bereitstellen und erhalten. Eine enorme finanzielle Belastung stellen beispielsweise die Finanzierung des Gesundheitssystems und die Versorgung bzw. Betreuung älterer Bürgerinnen und Bürger dar.

RUNDSCHAU: Danke für das Gespräch.

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