Artikel teilen
Artikel teilen >

Ein Bauprojekt sorgt in Biberwier für Diskussionen

Unternehmer erhebt Befangenheitsvorwürfe gegen Bürgermeister Harald Schönherr

Ein Streit um Grundstücke und eine geplante Umwidmung erhitzen in Biberwier die Gemüter: Unternehmer Josef Luttinger sieht sich durch die Vorgangsweise der Gemeinde benachteiligt und hat eine Aufsichtsbeschwerde bei der Bezirkshauptmannschaft Reutte eingebracht.
3. November 2025 | von Sabine Schretter
Ein Bauprojekt sorgt in Biberwier für Diskussionen
Die Baumaßnahmen in direkter Nachbarschaft der Luttinger GmbH wurden gestoppt. Das Umwidmungsverfahren läuft unterdessen weiter. Unternehmer Josef Luttinger ist mit der Vorgehensweise nicht einverstanden und hat eine Aufsichtsbeschwerde bei der BH Reutte eingebracht. Foto: Luttinger
In Biberwier sorgt derzeit eine geplante Umwidmung mehrerer Grundstücke für Diskussionen. Betroffen sind die Parzellen Nr. 1093, 1094 und 2098, die an das Grundstück von Josef Luttinger (Grundstück Nr. 1092/2) grenzen.

DIE VORGESCHICHTE. Das Areal im „Moos“ – einer Moorlandschaft – ist laut Bürgermeister Harald Schönherr als landwirtschaftliches Mischgebiet und Erweiterungsgebiet für landwirtschaftliche Nutzung gewidmet. Auch Schönherr selbst besitzt dort ein Grundstück. Die Hälfte davon verkaufte er an eine Interessentin, die dort einen Pferdestall errichten möchte. Die Besitzerfamilie dieses Grundstücks hatte Josef Luttinger mehrmals angeboten, ihm die Pläne für den Pferdestall zu zeigen. Laut Bgm. Schönherr fand lediglich ein Gespräch statt. „Josef Luttinger zeigte leider kein Interesse an solchen Gesprächen“, bedauert Bgm. Schönherr. Als auf dem betreffenden Grundstück erste Baumaßnahmen begannen und ein Schnurgerüst errichtet wurde, stoppte Bürgermeister Schönherr die Arbeiten umgehend. Derzeit läuft das Umwidmungsverfahren, das vom nach dem Ausscheiden der Opposition („Liste ZUG“) verkleinerten Gemeinderat einstimmig beschlossen wurde. In weiterer Folge kam es zu einer Teilung und Neukonfiguration der Grundstücke Nr. 1093 und 1094. Auf dem Grundstück Nr. 1093 befindet sich kein Gebäude, während auf Nr. 1094 ein alter Stadel steht – im Eigentum von Bürgermeister Schönherr. Für das Grundstück besteht eine Sonderflächenwidmung. „In diesem Stadel sind aktuell Alpakas eingestellt, was aus meiner Sicht dem Tiroler Raumordnungsgesetz widerspricht“, meint Luttinger. Bürgermeister Schönherr entgegnet: „Die Alpakas sind im Sommer auf dieser Koppel, der Stadel dient lediglich als Unterstand. Das Wintergehege befindet sich auf einem anderen Grundstück.“
Unternehmer Josef Luttinger, dessen Tischlerei direkt angrenzt, zeigt sich über die Vorgehensweise der Gemeinde verwundert. Er sei zu keiner Bauverhandlung eingeladen worden. Auf eine entsprechende Anfrage teilte ihm die Gemeinde mit, dass die Bauarbeiten bereits seit längerem eingestellt seien. In einer schriftlichen Stellungnahme erklärte Bürgermeister DI Harald Schönherr: „Uns liegt derzeit kein Bauansuchen vor. Aus diesem Grund gab es bisher auch noch keine Bauverhandlung. Natürlich werden bei einem Bauvorhaben alle Nachbarn mit Parteienstellung eingeladen. Sämtliche Bauaktivitäten wurden bereits vor Wochen eingestellt.“

GUTACHTEN UND KRITIK. Der Beschluss des Gemeinderates stützt sich auf ein Gutachten eines heimischen Architekturbüros, das zu dem Ergebnis kam, dass keine erheblichen Umweltauswirkungen zu erwarten seien. Aufgrund der Geringfügigkeit der geplanten Maßnahmen sei daher keine strategische Umweltprüfung erforderlich. Empfohlen wurde lediglich eine Präzisierung im Flächenwidmungsplan: Aus „Sonderfläche sonstige landwirtschaftliche Gebäude und Anlagen §47, Festlegung Gebäudearten oder Nutzungen SLG-9: Stall mit Bergehalle“ soll künftig „Stall für maximal 9 Pferde mit Bergehalle“ werden. Josef Luttingers Rechtsanwalt sieht das anders: Mangels durchgeführter strategischer Umweltprüfung sei das gesamte Verfahren nichtig und müsse wiederholt werden. Zudem würde der geplante Pferdestall eine erhebliche Beeinträchtigung der bestehenden Betriebe der Luttinger GmbH (Tischlerei, Büro- und Verkaufsflächen, Parkplätze, eine Physiotherapiepraxis sowie ein Wellness- und Gesundheitsbereich mit Betreiberwohnung)  darstellen. Das Firmenareal der Luttinger GmbH besitzt eine gewerbliche Widmung. Dass es von landwirtschaftlich genutzten Flächen umgeben ist, sei laut Bürgermeister Schönherr seit jeher bekannt. „In direkter Nähe werden Schafe und Hühner gehalten – und auch die Kläranlage befindet sich dort“, so der Ortschef.

VERFAHREN LÄUFT. In Biberwier ruhen derzeit die Bauarbeiten – nicht jedoch das Umwidmungsverfahren. „Das wird aktuell behandelt und befindet sich in Bearbeitung beim Raumordner der Gemeinde sowie beim Land Tirol“, informiert Bürgermeister Harald Schönherr auf Anfrage. Der Prozess sei noch nicht abgeschlossen. Sobald die Widmung vorliegt, beginnt die öffentliche Auflagefrist. In dieser Zeit können Bürgerinnen und Bürger Einspruch erheben. Auch nach einem allfälligen Beschluss besteht nochmals die Möglichkeit, Einwendungen einzubringen. Aktuell prüft Bürgermeister Schönherr, wann ein erforderliches Gutachten in Auftrag gegeben werden soll. Der Kontakt zu Fachfirmen wurde bereits hergestellt. Doch der Ortschef überlegt genau, wann der richtige Zeitpunkt dafür ist: „Solche Gutachten sind sehr teuer. Wenn wir jetzt eines einholen, entstehen hohe Kosten. Sollte nach dem Beschluss ein weiteres gefordert werden, müssten wir doppelt zahlen – das möchte ich vermeiden.“ Trotz der Verzögerungen zeigt sich Schönherr überzeugt, dass die Gemeinde Biberwier alles richtig macht. „Wir handeln im Einklang mit dem Raumordnungskonzept“, betont er. Die endgültige Entscheidung über das Verfahren liegt letztlich beim Land Tirol.

BESCHWERDE BEI DER BEZIRKSHAUPTMANNSCHAFT. Josef Luttinger hat inzwischen eine Aufsichtsbeschwerde bei der BH Reutte (Gemeindeaufsicht) eingebracht. Darin ersucht er um eine Überprüfung des Vorgehens von Bürgermeister DI Harald Schönherr, dem er Befangenheit vorwirft. Nach Rücksprache mit der Bezirkshauptmannschaft Reutte hat das Amt der Tiroler Landesregierung/Abteilung Öffentlichkeitsarbeit auf Anfrage der RUNDSCHAU das Einlangen der Aufsichtsbeschwerde gegen den Bürgermeister von Biberwier bestätigt. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, werden zum aktuellen Zeitpunkt keine weiteren Auskünfte erteilt.

Feedback geben

Feedback abschicken >
Nach oben
Wir verwenden Cookies, Tracking- und (Re-) Targeting-Technologien. Damit wollen wir unsere Webseite nutzerfreundlicher gestalten und fortlaufend verbessern. Wenn Sie unsere Webseite weiter nutzen, stimmen Sie dadurch der Verwendung von Cookies zu – ausgenommen sind Cookies für Google-Marketing-Produkte.
Einverstanden
Weiter ohne Google-Marketing-Produkte.
Weitere Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.