Ergebnispräsentation der Energiestudie Außerfern
Leben und wirtschaften ohne Öl und Gas?
28. April 2026 | von
Markus Arzl
Holzgaus Bürgermeister Florian Klotz (6. v. l.) übernimmt das Symbol für den digitalen Zwilling für den Planungsverband Lechtal von EWR Vorstand Sebastian Freier (5. v. l.). Foto: Arzl
Ist es möglich, dass Tirol bis 2050 energieautark wird? Dass Tirol netto ohne Importe von Energie auskommt und unabhängig von Öl, Gas und Kohle wird? Ist das auch für das Außerfern möglich? Wie viel von welchen E-nergieträgern nutzen wir aktuell überhaupt? Wann nutzen wir sie? Welche Energiequellen stehen uns zur Verfügung? Welche Möglichkeiten haben wir im Außerfern, um energieautonom zu werden? Diese Fragen und andere versuchte das EW-Reutte in Zusammenarbeit mit den Elektrizitätswerken Schattwald, den Planungsverbänden und anderen zu beantworten.
TEILS UNERWARTETE ERGEBNISSE. Vorgestellt wurde diese Studie durch den Digitalisierungsmanager des EWR, Florian Strigl, zusammen mit dem technischen Vorstand, Sebas-tian Freier. Und schon am Beginn der Veranstaltung merkten die beiden an, dass die Ergebnisse auch für sie teils unerwartet waren. Auch ließen sie damit aufhorchen, dass die neue Studie eigentlich schon wieder nicht mehr aktuell wäre.
INDUSTRIE. Ein zentrales Ergebnis dieser Studie war, dass die Außerferner Industrie schon heute sehr stark auf der Ressource Strom aufbaut. Der Wasserstoff, den unsere Anlagen aktuell noch durch Dampfreformation aus Erdgas produzieren, könnte natürlich auch durch Strom erzeugt werden. Um diesen Wasserstoff besonders energiesparend herstellen zu können, ist das EWR eine vielversprechende Partnerschaft mit einem Entwicklungspartner eingegangen.
VERKEHR. Auf den gezeigten Folien wurde offensichtlich, dass im Außerfern der Verkehr den größten Anteil an fossilen Energien verbraucht. Spannend war aber auch zu sehen, dass im Zwischentoren die Autodichte wesentlich geringer ist als beispielsweise im Lechtal. Liegt dies möglicherweise am sehr guten Angebot von Bus und Bahn in dieser Gegend? Auffallend war auch, dass im Zwischentoren, wo die Menschen weniger Autos besitzen, besonders viele elektrische angemeldet sind. Damit könnte das Zwischentoren Vorbild für das Außerfern sein. Denn bekanntlich verbrauchen E-Autos nur einen Bruchteil der Energie von Verbrenner-Fahrzeugen, und der benötigte Strom könnte außerdem lokal erzeugt werden.
WÄRME. Auch die aktuell genutzten so wie auch die nutzbaren Wärmequellen wurden betrachtet. Vorhandene Wärmenetze spielten bei diesen Betrachtungen eine wichtige Rolle.
STATUS QUO. 2024 war das Außerfern noch zu 70% von Öl, Gas und Kohle abhängig. Hauptverursacher dieser Abhängigkeit waren nicht-elektrische Autos sowie Öl- und Gas-Heizungen.
ENERGIEQUELLEN. Ein Betrieb, der aus der Wasserkraft gewachsen ist, präsentierte, dass etwa die Hälfte des Stroms im Außerfern von PV gedeckt werden könnte, das ließ viele aufhorchen. Auch Windenergie wurde erwähnt. Alleine der aktuell evaluierte Windpark im Gemeindegebiet von Weißenbach könnte möglicherweise etwa ein Drittel des aktuell im Bezirk verbrauchten Stroms produzieren. Trotzdem wurde Windkraft als Stromquelle vorsichtshalber mit null angenommen. Sogar ohne Windkraft wurde das wirtschaftlich nutzbare E-nergiepotenzial als mehr als drei Mal so hoch bewertet wie der Bedarf.
ENERGIESPEICHER. Energiespeicher gewinnen zunehmend an Bedeutung. Als eine wichtige Möglichkeit dafür wurde Wasserstoff angeführt. Bestehende Erdgasleitungen könnten für Speicherung und Transport von Wasserstoff genutzt werden, der flexibel aus überflüssigem Strom erzeugt wird – zum Beispiel bei Sonnenschein. An Langzeitspeichern für Wasserstoff wird geforscht.
DIGITALE ZWILLINGE. Ein zentrales Ergebnis dieser Studie war die Erstellung digitaler Zwillinge der Energieflüsse im Außerfern. Dies sind datenbasierte Modelle, die dazu dienen sollen, Planung und Simulation zu erleichtern, aber auch bei der Kommunikation zu unterstützen. Diese Modelle werden laufend an neueste Erkenntnisse, Trends und Möglichkeiten angepasst werden müssen, die Energiewirtschaft befindet sich aktuell im Umbruch. Wenn der Datenschutz dies nicht verhindert, wird dieses Modell auch Industrie, Gewerbe und Bürgern zugänglich gemacht werden, um auch diesen bei Planung und Kommunikation zu dienen.
ES BLEIBT SPANNEND. Wer den weltweiten Markt betrachtet, wird staunen. Die Preise für neue, erneuerbare Energiequellen befinden sich im freien Fall, neue Möglichkeiten der Energiespeicherung tun sich auf und unterbieten sich in den Kosten. Dadurch bleibt kein Stein auf dem anderen. Es ist anzunehmen, dass der digitale Zwilling bis 2050 noch mehrere Male auf den Kopf gestellt werden wird.