Erste Bauetappe am BKH Reutte abgeschlossen
125 Betten, 40 Millionen Euro, 1 Ziel: beste Versorgung
20. Oktober 2025 | von
Johannes Pirchner
Mag. Michaela Traub, BScN, Pflegedirektorin BKH Reutte, Prim. Dr. Eugen Ladner, Ärztlicher Direktor BKH Reutte, Ing. Walter Troger, MSc, Geschäftsführer VAMED, Mag. Birgit Schliernzauer, Verwaltungsdirektorin BKH Reutte sowie Obmann und Bgm. Hanspeter Wagner. Fotos: Fotostudio René
„Ich darf Euch heute im Namen aller 37 Trägergemeinden im Außerfern herzlich begrüßen“, eröffnete Hanspeter Wagner, Obmann des Gemeindeverbands, die Pressekonferenz. „Was wir heute abschließen, ist mehr als ein Bauabschnitt – es ist ein gemeinsamer Wettkampf gegen schwierige Rahmenbedingungen, den wir nur als starkes Team meistern konnten.“
ERSTER BAUABSCHNITT ABGESCHLOSSEN. Nach eineinhalb Jahren Bauzeit konnte der erste Bauabschnitt im laufenden Betrieb termingerecht abgeschlossen werden – sogar drei Tage früher als geplant. Insgesamt waren rund 90 Firmen beteiligt, davon fast die Hälfte aus dem Bezirk Reutte. „Ein Umbau während des Vollbetriebs ist eine enorme Herausforderung. Umso mehr freut es mich, dass wir mit dieser professionellen Teamleistung gemeinsam so viel erreicht haben“, betont Ing. Walter Troger, MSc, Geschäftsführer der VAMED, die mit der Umsetzung beauftragt ist. Die wichtigsten Neuerungen: Eine moderne Portierloge, eine Zentralgarderobe mit zeitgemäßen Spindsystemen, neue Räumlichkeiten für die Interne Ambulanz, Kinder- und Geburtenstation, Dialyse, Labor sowie eine Erweiterung der Augenambulanz. Die operativen Bereiche (u. a. Unfallstation und Sonderklasse) befinden sich derzeit noch in gut funktionierenden Übergangslösungen.
KINDER- & GEBURTENSTATION EIN LEUCHTTURMPROJEKT. Die neue Kinder- und Geburtenstation zählt zu den Herzstücken der ersten Bauphase. In freundlicher, moderner Umgebung stehen 18 Betten, helle Ein- und Zweibettzimmer, ein großzügiger Aufenthaltsbereich sowie diskrete Still- und Rückzugszonen zur Verfügung. „Unser Ziel war eine familienfreundliche Atmosphäre, in der sich Mütter, Babys und Angehörige wohlfühlen“, sagt Pflegedirektorin Mag. Michaela Traub, BScN. Besonders geschätzt wird das neue Frühstücksbuffet, das flexible Essenszeiten ermöglicht – im Zimmer oder gemeinsam mit anderen Müttern. Die enge räumliche Verbindung von Pflege, Geburtshilfe und Pädiatrie fördert die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Laut Traub sind die Rückmeldungen durchwegs positiv – „ein starkes Zeichen für die Bedeutung dieser Investition“.
MODERNE STRUKTUREN FÜR PATIENTEN UND PERSONAL. Mit der ersten Bauphase wurden auch medizinische Abläufe neu organisiert. In der Akutgeriatrie und Remobilisation (AGR) entstand ein großzügiger Therapiebereich für Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie und Alltagstraining. „Die neuen Raumkonzepte verbessern Abläufe und erhöhen die Patientensicherheit“, erklärt Prim. Dr. Eugen Ladner, Ärztlicher Direktor. Die Interne Ambulanz profitiert durch klar getrennte Anmeldeschalter für Notfälle und geplante Behandlungen. „Das erleichtert die Triage und ermöglicht eine gezieltere Versorgung – gerade in Spitzenzeiten“, so Ladner. Auch die Bettenstruktur wurde angepasst: Das BKH Reutte verfügt nun über 125 Betten, darunter 11 tagesklinische, die künftig noch effizienter genutzt werden sollen. „Viele Eingriffe können tagesklinisch erfolgen – das verkürzt die Verweildauer und schafft Kapazitäten in der stationären Versorgung“, erklärt Ladner. Die Kombination aus moderner Infrastruktur und flexiblen Versorgungsformen sei entscheidend für eine zukunftsfähige Medizin im ländlichen Raum.
TECHNISCHE MODERNISIERUNG UND KOMFORT. Neben der baulichen Erneuerung wurde auch die technische Infrastruktur grundlegend modernisiert. Mag. Birgit Schliernzauer, Verwaltungsdirektorin des BKH Reutte, betont: „Wir investieren nicht nur in neue Räume, sondern auch in Sicherheit, Funktionalität und Komfort – für Patienten wie Mitarbeitende.“ Alle Zimmer wurden mit modernen Monitoren ausgestattet, ein neues elektronisches Schließsystem erhöht den Datenschutz und die Zutrittssicherheit. Zudem wurden Schleusenzimmer mit separater Belüftung eingerichtet, um den Infektionsschutz nachhaltig zu verbessern. „Gerade in sensiblen Bereichen ist das ein enormer Qualitätsgewinn“, so Schliernzauer. Technisch wurde umfassend aufgerüstet: neue Lüftungsanlagen, optimierte Energieversorgung, rund 100.000 Meter verlegte Kabel. Schliernzauer: „Das ist keine kosmetische Sanierung, sondern ein Zukunftsprojekt. Wir schaffen hier die Voraussetzungen für eine qualitativ hochwertige Versorgung über Jahrzehnte.“ Auch der Aufenthaltskomfort wurde mitgedacht: helle Räume, kurze Wege, moderne Aufenthaltsbereiche. „Eine gute Umgebung unterstützt nicht nur den Heilungsprozess – sie ist ein Ausdruck von Wertschätzung“, so die Verwaltungsdirektorin.
BAUKOSTENINDEX & NEUE INVESTITIONEN. Ursprünglich war man 2016 von rund 20 Millionen Euro ausgegangen – aktuell wird mit 40 Millionen Euro gerechnet. Hauptgründe: Der stark gestiegene Baukostenindex, zusätzliche Anforderungen (z. B. neue Dialysestruktur, Triage-Systeme) und qualitative Aufwertungen. Hanspeter Wagner betonte mit Nachdruck: „Es war nie nur eine einfache Sanierung. Wir haben neue Anforderungen aufgenommen, den Eingangsbereich komplett neu strukturiert, Isolierbereiche integriert. Das alles sind keine Luxuswünsche, sondern dringend notwendige Investitionen in die Zukunft.“ Kritik, das Krankenhaus sei alleiniger Hauptverantwortlicher für die angespannten Budgets in den Gemeinden, ließ Wagner so nicht gelten. „Jede Gemeinde hat ihre Projekte. Zu behaupten, das Krankenhaus sei alleiniger Kostentreiber, greift zu kurz. Es geht hier um Daseinsvorsorge, um Gesundheitsversorgung für unsere Bevölkerung. Und das hat eben seinen Preis. Alle Gemeinden haben sich 2016 klar zum Krankenhaus bekannt – und stehen auch heute dazu. Das ist keine 'Nice-to-have'-Einrichtung, sondern ein unverzichtbarer Teil der regionalen Infrastruktur.“
KRITIK ZURÜCKGEWIESEN. Vorwürfe hinsichtlich mangelnder Barrierefreiheit beim BKH wies Wagner zurück: „Wir haben vier behindertengerechte Parkplätze, barrierefreie Zugänge und weitere Verbesserungen in Planung. Die Kritik entspricht nicht der Realität“, so Wagner.
ZUSAMMENGEFASST. Das Bezirkskrankenhaus Reutte wird bis Sommer 2027 umfassend modernisiert – bei Gesamtprojektkosten von 40 Millionen Euro. Am Bau beteiligt sind rund 90 Firmen, davon 45 Prozent aus dem Bezirk Reutte. Verbaut werden unter anderem 100.000 Meter Elektrokabel, 4.000 Meter Rohrleitungen sowie 2.000 Quadratmeter Lüftungskanäle. Die Bettenkapazität des Hauses liegt künftig bei 125, darunter sind etwa 18 Betten für Kinder und Geburt, 12 in der Akutgeriatrie und Remobilisation (AGR), 10 in der Tagesklinik und 9 in der Sonderklasse.
