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Im Mittelpunkt stehen die Menschen und die Straße

Fernpassstraße-Geschäftsführer Klaus Gspan über Tunnelprojekte, Mautpläne und die Herausforderungen auf Tirols wichtigster Nord-Süd-Verbindung

Klaus Gspan ist jemand, der sich mit internationalen Verkehrsströmen bestens auskennt. Er kann auf langjährige Erfahrung in der Entwicklung und erfolgreichen Umsetzung von Verkehrskonzepten verweisen. Kommunikation und Austausch – insbesondere über die regionalen Medien – sind ihm ein wichtiges Anliegen. Seit März 2025 ist Klaus Gspan Geschäftsführer der Fernpassstraße GmbH. Die Gesellschaft steht zu 100 Prozent im Eigentum des Landes Tirol und trägt seit dem 1. Oktober 2025 die Verantwortung für die betriebliche Erhaltung der Fernpassstraße B 179.

23. Juni 2026
Im Mittelpunkt stehen die Menschen und die Straße<br />
Klaus Gspan, Geschäftsführer der Fernpassstraße GmbH, setzt auf Kommunikation. Foto: Land Tirol
Zu den wichtigsten Projekten der Fernpassstraße GmbH zählen die Errichtung und Finanzierung der zweiten Röhre des Lermooser Tunnels, des Fernpasstunnels sowie der Mautstelle in Biberwier und der Straßenmeisterei in Musau. Für alle Arbeiten zur Straßen-
erhaltung bleibt weiterhin das Baubezirksamt zuständig. „Hier werden keine Doppelgleisigkeiten geschaffen“, betont Gspan. Die Gesellschaft finanziert sowohl den laufenden Betrieb der B 179 als auch künftige Investitionen über Darlehen. Langfristig soll die Finanzierung über die nach Fertigstellung des Scheiteltunnels eingehobene Maut gesichert werden.

Klaus Gspans Expertise spricht für sich: 19 Jahre lang war er für die Asfinag tätig. Dort verantwortete er unter anderem die Verkehrsregelung während der Sperre des Arlbergtunnels und arbeitete an der Sanierung der Luegbrücke mit. In seiner neuen Funktion setzt er gemeinsam mit vier Mitarbeitenden die Maßnahmen des Fernpass-Pakets um. „Letztendlich geht es darum, die negativen Auswirkungen einer stark befahrenen Straße auf die Bevölkerung zu reduzieren, ohne die Kapazität zu erhöhen“, erklärt Klaus Gspan. Wichtig ist ihm der Hinweis, dass die Gesellschaft für die Umsetzung der Projekte verantwortlich ist. Grundsätzliche Entscheidungen über die Projekte seien hingegen Sache der Politik.

Projekte im Interesse der Bevölkerung. Aktuell laufen bereits die Arbeiten für die zweite Röhre des Lermooser Tunnels. Sie soll sicherstellen, dass der Verkehr auch während künftiger Sanierungen weiterfließen kann. Vollständige Tunnelsperren sollen damit künftig vermieden werden, da stets eine Röhre befahrbar bleibt. Für die Kritik am Fernpass-Paket zeigt Klaus Gspan Verständnis, wenngleich nur teilweise. „Ich kann die Unsicherheit mancher Bürgerinnen und Bürger nachvollziehen. Es gilt jedoch, den Gesamtkontext nicht aus den Augen zu verlieren. An einer stark befahrenen Straße besteht laufend Sanierungsbedarf. Sicherheit und Verlässlichkeit müssen gewährleistet sein. Die Nutzerfinanzierung ermöglicht es uns, die erforderlichen Maßnahmen auch künftig umzusetzen.“

„Mautstelle bedeutet nicht automatisch Staustelle“. Die klassische Form der Nutzerfinanzierung ist die Maut – ein Thema, das die Gemüter bewegt. ‚Mautstelle gleich Staustelle‘ – dieses Argument ist vielerorts zu hören. Auch die Außerfernförderung, ein Regionalwirtschaftsprogramm für den Bezirk Reutte, wird von Kritikern mitunter als ‚Almosen‘ bezeichnet. Klaus Gspan verweist jedoch darauf, dass bei der geplanten Mautanlage in Biberwier auf Höhe des Blindsees auf einen möglichst hohen Digitalisierungsgrad sowie auf das sogenannte Free-Flow-Mautsystem gesetzt wird. „An der Mautstelle sind vier Spuren vorgesehen, eine davon als Free-Flow-Spur. An der Mautordnung wird derzeit gearbeitet, sie soll 2029 vorliegen“, erklärt Gspan. Die Maut wird bei der Überquerung des Fernpasses beziehungsweise bei der Durchfahrt durch den Fernpasstunnel eingehoben. Die Passhöhe sowie der Fernsteinsee bleiben sowohl von Norden (Reutte) als auch von Süden (Imst) aus mautfrei erreichbar. Auf der Imster Seite des Passes ist keine Mautstelle vorgesehen.Ausnahmen soll die Mautordnung unter anderem für Blaulichtorganisationen vorsehen. Auch für Menschen mit Behinderung sowie für andere Gruppen, die auf das Auto angewiesen sind und den Fernpass regelmäßig nutzen, werden mögliche Befreiungen und Erleichterungen geprüft. Die entsprechenden Bestimmungen sollen sich an vergleichbaren Regelungen anderer Passstraßen orientieren. Der Fernpass hat eine zentrale Bedeutung für die regionale Wirtschaft im Außerfern. Aufträge für Maßnahmen zur Erhaltung und Ertüchtigung der Infrastruktur sollen auch an regionale Unternehmen vergeben werden. „Die Bruttowertschöpfung wird großteils in der Region bleiben“, sagt Klaus Gspan. Zudem wird die Fernpassstraße GmbH einen Standort in Reutte betreiben und künftig auch als Akzeptanzbetrieb für das Regionalwirtschaftsprogramm „Außerfernförderung“ fungieren.

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