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Neben dem Fernpass andere Themen im Blick behalten

Die SPÖ Reutte beim RUNDSCHAU-Sommergespräch 2026, Teil IV

Was bewegt den Bezirk Reutte abseits der Fernpass-Debatte? SPÖ-Bezirksvorsitzender Gottfried Strauss spricht im vierten Teil der RUNDSCHAU-Sommergespräche 2026 über Themen, die seiner Ansicht nach derzeit zu wenig Beachtung finden – von öffentlichem Verkehr und leistbarem Wohnen bis hin zu Jugend, Klimawandel und Tourismus.

1. September 2026
Neben dem Fernpass andere Themen im Blick behalten<br />
Der SPÖ-Bezirksvorsitzende, Gottfried Strauss, war Gast der Runde 4 der RUNDSCHAU Sommergespräche 2026. Foto: SPÖ
RUNDSCHAU: Die SPÖ trägt das Fernpass-Paket in der Tiroler Landesregierung mit. Gleichzeitig protestieren viele Menschen im Außerfern dagegen. Kannst du diese Sorgen nachvollziehen? Warum steht die SPÖ aus deiner Sicht hinter dem Paket?
Gottfried Strauss: Ja, wir können die Sorgen und die Unsicherheit der Menschen im Außerfern verstehen. Wir sind laufend mit den Leuten in Kontakt und suchen das Gespräch. Ich bin mir auch sicher, dass das ressortzuständige Regierungsmitglied, LH-Stv. Geisler von der ÖVP, diese Sorgen wahrnimmt. Für uns als SPÖ ist und bleibt ein Bahntunnel das Ziel für eine umfassende Lösung der Verkehrsproblematik. Das wäre ein Generationenprojekt und zugleich ein echter Befreiungsschlag. Umso bedauerlicher ist es, dass die heutige Bundessprecherin der Grünen, Leonore Gewessler, den Bahntunnel aus dem ÖBB-Zielnetz gestrichen hat. Das kostet den Bezirk leider Jahre. Dass die Grünen nun mit Populismus von ihren eigenen Fehlern ablenken und der grüne Landessprecher Gebhard Mair vergisst, dass er in neun Jahren grüner Regierungsbeteiligung gegen die Verkehrsprobleme am Fernpass nicht die Welt bewegt hat, finde ich schon befremdlich. Nichts zu tun, ist keine Lösung. Auch bei kritischer Betrachtung erkennen wir im Fernpass-Paket jedenfalls den Willen zu Verbesserungen: Wir sehen beispielsweise die zweite Röhre des Lermooser Tunnels sehr positiv, da damit die Gemeinden des Ehrwalder Beckens entlastet werden. Zum Paket gehören außerdem Maßnahmen wie eine weitere Dosierung oder bessere Lkw-Kontrollen. Was vielfach nicht beachtet wird: Ein wichtiger Baustein des Fernpass-Pakets ist der weitere Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Bereits Ende 2023 wurde das öffentliche Verkehrsangebot in der Tiroler Zugspitz Arena verdoppelt. Seit Anfang Mai 2024 besteht auf der Regiobuslinie zwischen Reutte und Innsbruck zudem eine neue Abendverbindung an Sonn- und Feiertagen, von der insbesondere junge Menschen aus dem Außerfern profitieren. Seit Dezember 2024 steht von Montag bis Freitag darüber hinaus ein doppelt so großes Direktangebot zur Verfügung.

RUNDSCHAU: Landesrat René Zumtobel hat Verbesserungen für die Außerfernbahna angekündigt. Wie ist hier der aktuelle Stand und gibt es konkreten Verbesserungen in den nächsten Jahren?
Gottfried Strauss: Der aktuelle Stand ist, dass die Verhandlungen unseres Öffi-Landesrates René Zumtobel Früchte tragen. Die Ausfalltage der Außerfernbahn haben sich innerhalb von zwei Jahren mehr als halbiert. 2026 gab es bislang gar keinen unplanmäßigen Ausfalltag! Die Fahrgäste dürfen sich in den nächsten Jahren auf mehr und vor allem verlässliche Bahnverbindungen freuen. Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2027 wird es eine stündliche Verbindung von Innsbruck nach Garmisch geben und dann auch eine stündliche Verbindung von und nach Reutte bis Pfronten-Steinach. Heute fährt der letzte Zug von Innsbruck in Richtung Reutte um 18.38 Uhr ab. Künftig wird der letzte Zug um 21.39 Uhr abfahren und Reutte um Mitternacht erreichen. Somit gibt es im Außerfern künftig ein Angebot von 5 Uhr bis nach 23 Uhr!

RUNDSCHAU: Die SPÖ hat in der Bundesregierung das geplante Mindestalter für soziale Medien mitbeschlossen. Gleichzeitig gibt es Kritik, wonach dadurch Freiheits- und Persönlichkeitsrechte junger Menschen eingeschränkt werden könnten. Wie stehst du zu dieser Kritik? Ist das Mindestalter aus deiner Sicht der richtige Weg?
Gottfried Strauss: Ja, natürlich können wir diese Kritik nachvollziehen. Dieser Schritt ist aktuell jedoch notwendig. Gerade der kürzlich bekannt gewordene Fall eines 14-Jährigen in Tirol, der einen rechtsextremen Anschlag planen wollte, zeigt, wie gefährlich Social Media sein kann. Um die Inhalte dieser Plattformen zu reglementieren, braucht es eine Lösung auf europäischer Ebene. Solange Länder wie Irland - da sie die Steuern dieser Giganten kassieren - eine europäische Lösung blockieren, müssen sich die einzelnen Staaten auf diese Art und Weise helfen.

RUNDSCHAU: Landeshauptmann-Stellvertreter Philip Wohlgemuth hat für den Bezirk Reutte Wohnbauförderungen in Höhe von 10,1 Millionen Euro angekündigt - davon 2,4 Millionen Euro für den Neubau und 7,7 Millionen Euro für die Sanierung. Welche konkreten Projekte werden damit im Bezirk umgesetzt? Sind darüber hinaus weitere Fördermittel geplant?
Gottfried Strauss: Leistbarer Wohnraum ist für uns als SPÖ eines von drei Kernthemen, die wir als besonders wichtig erachten. Deshalb freut es mich, dass auch unser Bezirk stark von der Wohnbauförderung des Landes profitiert! Von der Wohnbauförderung profitieren im Neubau insgesamt 133 Ansuchen aus dem Bezirk und im Bereich Sanierung sogar 439 Ansuchen. Dies zeigt, wie wichtig die Wohnbauförderung ist - ebenso wie ihre Erhöhung, die unser LH-Stv. Philip Wohlgemuth erreichen konnte. Zusätzlich werden über die Objektförderung im Reuttener Talkessel mit verschiedenen gemeinnützigen Wohnbauträgern aktuell drei Bauvorhaben gefördert. In Ehenbichl entstehen zwölf neue Mietwohnungen, in Pflach 28 Mietwohnungen und in Reutte zwölf Mietwohnungen. Für diese drei Projekte stehen zusätzlich 7,3 Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung.

RUNDSCHAU: Der ehemalige Tiroler SPÖ-Landesparteivorsitzende Georg Dornauer wurde aus der SPÖ ausgeschlossen. Hat dieser Schritt auch innerhalb der Außerferner SPÖ zu Diskussionen oder unterschiedlichen Meinungen geführt? Wie hast du die Situation persönlich erlebt?
Gottfried Strauss: Bei uns in der Bezirkspartei gab es hier keine zwei Meinungen! Für mich und für uns ist mit dem Ausschluss dieses Kapitel zum Glück beendet. Wir schauen nach vorne und stehen klar hinter unserem Vorsitzenden, LH-Stv. Philip Wohlgemuth.

RUNDSCHAU: Welche Themen werden nach Ansicht der SPÖ im Bezirk Reutte zu wenig diskutiert bzw. übersehen?
Gottfried Strauss: Die Fernpassdebatte beherrscht derzeit natürlich alles, und aus unserer Sicht gehen hier leider einige Themen unter. Für uns wichtige Themen, die aktuell viel zu kurz kommen, sind beispielsweise das Sterben der Ausgehkultur und fehlende öffentliche Nachtverbindungen im Bezirk. Gerade für unsere Jugend wären dies wichtige Themen. Aber auch die Vorsorge im Hinblick auf die Folgen des Klimawandels dürfen wir im Bezirk nicht vergessen. Wir sind aufgrund unserer Lage aktuell noch nicht so stark betroffen wie Regionen im Osten Österreichs und blieben auch heuer bisher von Unwettern verschont. Doch dieser Sommer mit seiner Rekordhitze, die wir alle erlebt haben, muss eine Warnung sein. Gerade ausreichende Grünräume in den Ortszentren sind hier ein adäquates Mittel, um Hitzeinseln zu verhindern. Im Tourismus gibt es ebenfalls brennende Punkte, die man nicht übersehen darf. Der Sommertourismus und dort speziell der Radtourismus boomen. Hier müssen wir im Bezirk auch die nötige Infrastruktur zur Verfügung stellen, etwa öffentliche WCs an Radwegen. Dies ist nur eine Auswahl wichtiger Themen, die wir nicht übersehen dürfen!

RUNDSCHAU: Danke für das Gespräch.

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