Öffentlicher Bereich unter Strom
Der Spagat zwischen Klimaschutzgesetzen und echter Vorbildfunktion
Die Mission Klimaneutralität ist in aller Munde und wird vom Staat für 2040, in Tirol für 2050 ausgegeben. Um die erklärten Ziele zu erreichen bedarf es des wahrscheinlich größten Masterplans bis dato mit einer aktuellen Bestandserhebung, die u. a. ans Tageslicht bringt, ob die Politik selbst schon im Eco-Modus fährt oder noch immer teilweise auf der Bremse steht.
1. September 2026
In der Gemeinde Bach hat mit dem Trinkwasserkraftwerk bereits vor einigen Jahren der Weg zur Klimaneutralität begonnen. Keine Energiekosten im eigenen Bereich sowie zu 100 % autark.Foto: Gemeinde Bach
ZWISCHEN ANSPRUCH UND REALITÄT. Der Bund versucht, mit gutem Beispiel voranzugehen, indem eigene Gebäude thermisch saniert und auf erneuerbare Heizsysteme umgestellt werden. Die Bundesländer tragen in den Bereichen Raumordnung, öffentlicher Verkehr sowie Schul- und Verwaltungsgebäude zur Zielerreichung bei, wobei hier noch erhebliches Verbesserungspotenzial besteht. Wie so oft sind die Gemeinden als letztes Glied in der Kette enormem Druck und großem finanziellen Aufwand ausgesetzt.
WAS IST IN PLANUNG, WAS IST PLAN? Der öffentliche Bereich hat klare Zukunftsvisionen: raus aus den fossilen Brennstoffen, „Grüne Beschaffungsorganisation“ unter Beachtung des CO2-Fußabdruckes sowie die Errichtung von klimafitten Zonen. Der Staat beschließt die Gesetze und stellt bedeutende Budgets für wichtige Infrastruktur zur Verfügung. Die Bundesländer haben den Auftrag, regional zu koordinieren und zu fördern sowie die Spielregeln festzulegen. Den Kommunen obliegt es, die individuellen Projekte zur Klimaneutralität vor Ort umzusetzen.
ES BRAUCHT MEHR ALS NUR BUDGET. Doch ohne Geld und Förderungen geht gar nichts. Die Ziele können allerdings nur mit der richtigen Einstellung aller Beteiligten, insbesondere der Bevölkerung, erreicht werden. Es braucht also unter anderem Mut und Entschlossenheit der Politik, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen, sowie Entbürokratisierung und schnellere Genehmigungsverfahren.
UNSERE REGION AUF GUTEM WEG. Der Bezirk Reutte ist „außen fern und doch mitten drin“. Die 37 Gemeinden sowie 4 Planungsverbände konnten in Sachen Klimaneutralität bereits einige Leuchtturmprojekte umsetzen und arbeiten mit Hochdruck an innovativen Konzepten, um spätestens im Jahr 2050 klimaneutral zu sein.
LEUCHTTURMPROJEKTE IM AUSSERFERN „DAS GESUNDHEITSZENTRUM“. Das BKH, das Pflegeheim sowie der Campus Gesundheit sind seit Jahren vorbildlich. Aufbauend auf dem eruierten IST-Zustand und einer künftigen Bedarfsanalyse entwickelte Siemens das Energiesparprojekt 2021 – 2023 und installierte eine Grundwasserwärmepumpe, die die gesamte Heizenergie für das Pflegeheim liefert. Die bis dato umgesetzten Maßnahmen zeigen eindeutige Zahlen: 38,6 % Einsparung beim Erdgasverbrauch bis 2025, d. h. 2,7 GWh/Jahr, Vermeidung von 647 t CO2/Jahr und Reduzierung des Gaskesselverbrauchs seit 2023 um 64 %. Zudem wird ein Tiefbrunnen als Brauchwasserquelle sowie als Trinkwasser-Back-up verwendet, und eine große PV-Anlage minimiert den Einsatz fossiler Energie.
TRINKWASSERKRAFTWERK BACH. Bürgermeister Simon Larcher, seit 2010 in der Gemeindepolitik tätig, berichtete mir über das visionäre und bereits umgesetzte Nachhaltigkeitsprojekt in seiner Gemeinde Bach. Bereits 2015 wurde das 2013 beschlossene Trinkwasserkraftwerk in Betrieb genommen. Die Investitionssumme belief sich auf 1,8 Mio., da beim Bauvorhaben im gleichen Zug neue Quellen gefasst und bis zum Talboden geführt wurden. Das Kraftwerk ist im Besitz der Gemeinde und produziert mit seiner Pelton-Turbine 800.000 kWh/Jahr, davon werden 150.000 selbst verbraucht. Es versorgt nunmehr das 2019 fertiggestellte Gemeindezentrum sowie den Kindergarten und das Amtsgebäude. Zudem werden diese Gebäude über eine Grundwasserwärmepumpe beheizt. Für Bach bedeutet das im eigenen Bereich: null Energiekosten und Nachhaltigkeit seit 2019. 2022 wurde zusätzlich die Seitenwandquelle erschlossen und 2024 eine zweite Kraftwerksanlage mit 25 kW/h fertiggestellt. Beide Anlagen seien laut Bürgermeister Larcher schwarzstartfähig, das heißt, das Kraftwerk läuft auch ohne Netzstrom. Somit ist Bach die am besten vorbereitete Gemeinde im Bezirk für einen Blackout – 100 % autark und ausfallsicher.
OHNE UMWEGE ZUR KLIMANEUTRALITÄT. Florian Strigl, Projektleiter der Energiestudie Außerfern seitens der EWR AG, erklärte, dass diese auf dem Weg bis 2050 sowohl eine fundierte Datengrundlage als auch eine strategische Planungshilfe darstelle. Die Ziele der Studie waren in erster Linie Energieautonomie, Klimaschutz, Versorgungssicherheit sowie regionale Wertschöpfung. Weiters galt es, den Ist-Zustand zu erheben, eine Potenzialanalyse zu erstellen, Infrastruktur und Netze unter die Lupe zu nehmen, Zukunftsszenarien für ein klimaneutrales Außerfern 2050 zu entwickeln sowie den Gemeinden einen Maßnahmenkatalog für die Umsetzung der Energiewende zu bieten.
DETAILS ZUR STUDIE. Das Projekt „Digitaler Zwilling“ wurde 2026 beendet und präsentiert. Derzeit laufen weitere Gespräche und Abstimmungen über eine intensive Zusammenarbeit, damit sowohl die Teilziele als auch das Gesamtziel eingehalten werden.
HILFREICHE RAHMENBEDINGUNGEN. Um Klimaneutralität 2050 zu erreichen, müssen alle Beteiligten an einem Strang ziehen und ihre Beiträge dazu leisten: Verfahrensvereinfachung, Abgabe eines klaren Bekenntnisses zur Zielerreichung, Förderung von Sanierungsoffensiven, Spezialzuwendungen für finanzschwache Gemeinden sowie regelmäßige Durchführung von Monitoring, Controlling und Reporting.
AUS DER SICHT DER EWR AG,
… des größten heimischen Stromanbieters sei es notwendig, dass die Kommunalpolitik Akzente setze und Entscheidungen treffe. Die Studie dürfe nicht schubladisiert werden. Wasserkraft und PV können von der EWR AG „gestemmt“ werden. Für Sanierungsprojekte wären Bauunternehmen und für die E-Mobilität noch Autohäuser mit ins Boot zu holen. Schlussendlich muss der öffentliche Bereich durch die Überzeugung der Bevölkerung und die beharrliche Umsetzung der geplanten Projekte seinen Beitrag leisten.
WAS IST IN PLANUNG, WAS IST PLAN? Der öffentliche Bereich hat klare Zukunftsvisionen: raus aus den fossilen Brennstoffen, „Grüne Beschaffungsorganisation“ unter Beachtung des CO2-Fußabdruckes sowie die Errichtung von klimafitten Zonen. Der Staat beschließt die Gesetze und stellt bedeutende Budgets für wichtige Infrastruktur zur Verfügung. Die Bundesländer haben den Auftrag, regional zu koordinieren und zu fördern sowie die Spielregeln festzulegen. Den Kommunen obliegt es, die individuellen Projekte zur Klimaneutralität vor Ort umzusetzen.
ES BRAUCHT MEHR ALS NUR BUDGET. Doch ohne Geld und Förderungen geht gar nichts. Die Ziele können allerdings nur mit der richtigen Einstellung aller Beteiligten, insbesondere der Bevölkerung, erreicht werden. Es braucht also unter anderem Mut und Entschlossenheit der Politik, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen, sowie Entbürokratisierung und schnellere Genehmigungsverfahren.
UNSERE REGION AUF GUTEM WEG. Der Bezirk Reutte ist „außen fern und doch mitten drin“. Die 37 Gemeinden sowie 4 Planungsverbände konnten in Sachen Klimaneutralität bereits einige Leuchtturmprojekte umsetzen und arbeiten mit Hochdruck an innovativen Konzepten, um spätestens im Jahr 2050 klimaneutral zu sein.
LEUCHTTURMPROJEKTE IM AUSSERFERN „DAS GESUNDHEITSZENTRUM“. Das BKH, das Pflegeheim sowie der Campus Gesundheit sind seit Jahren vorbildlich. Aufbauend auf dem eruierten IST-Zustand und einer künftigen Bedarfsanalyse entwickelte Siemens das Energiesparprojekt 2021 – 2023 und installierte eine Grundwasserwärmepumpe, die die gesamte Heizenergie für das Pflegeheim liefert. Die bis dato umgesetzten Maßnahmen zeigen eindeutige Zahlen: 38,6 % Einsparung beim Erdgasverbrauch bis 2025, d. h. 2,7 GWh/Jahr, Vermeidung von 647 t CO2/Jahr und Reduzierung des Gaskesselverbrauchs seit 2023 um 64 %. Zudem wird ein Tiefbrunnen als Brauchwasserquelle sowie als Trinkwasser-Back-up verwendet, und eine große PV-Anlage minimiert den Einsatz fossiler Energie.
TRINKWASSERKRAFTWERK BACH. Bürgermeister Simon Larcher, seit 2010 in der Gemeindepolitik tätig, berichtete mir über das visionäre und bereits umgesetzte Nachhaltigkeitsprojekt in seiner Gemeinde Bach. Bereits 2015 wurde das 2013 beschlossene Trinkwasserkraftwerk in Betrieb genommen. Die Investitionssumme belief sich auf 1,8 Mio., da beim Bauvorhaben im gleichen Zug neue Quellen gefasst und bis zum Talboden geführt wurden. Das Kraftwerk ist im Besitz der Gemeinde und produziert mit seiner Pelton-Turbine 800.000 kWh/Jahr, davon werden 150.000 selbst verbraucht. Es versorgt nunmehr das 2019 fertiggestellte Gemeindezentrum sowie den Kindergarten und das Amtsgebäude. Zudem werden diese Gebäude über eine Grundwasserwärmepumpe beheizt. Für Bach bedeutet das im eigenen Bereich: null Energiekosten und Nachhaltigkeit seit 2019. 2022 wurde zusätzlich die Seitenwandquelle erschlossen und 2024 eine zweite Kraftwerksanlage mit 25 kW/h fertiggestellt. Beide Anlagen seien laut Bürgermeister Larcher schwarzstartfähig, das heißt, das Kraftwerk läuft auch ohne Netzstrom. Somit ist Bach die am besten vorbereitete Gemeinde im Bezirk für einen Blackout – 100 % autark und ausfallsicher.
OHNE UMWEGE ZUR KLIMANEUTRALITÄT. Florian Strigl, Projektleiter der Energiestudie Außerfern seitens der EWR AG, erklärte, dass diese auf dem Weg bis 2050 sowohl eine fundierte Datengrundlage als auch eine strategische Planungshilfe darstelle. Die Ziele der Studie waren in erster Linie Energieautonomie, Klimaschutz, Versorgungssicherheit sowie regionale Wertschöpfung. Weiters galt es, den Ist-Zustand zu erheben, eine Potenzialanalyse zu erstellen, Infrastruktur und Netze unter die Lupe zu nehmen, Zukunftsszenarien für ein klimaneutrales Außerfern 2050 zu entwickeln sowie den Gemeinden einen Maßnahmenkatalog für die Umsetzung der Energiewende zu bieten.
DETAILS ZUR STUDIE. Das Projekt „Digitaler Zwilling“ wurde 2026 beendet und präsentiert. Derzeit laufen weitere Gespräche und Abstimmungen über eine intensive Zusammenarbeit, damit sowohl die Teilziele als auch das Gesamtziel eingehalten werden.
HILFREICHE RAHMENBEDINGUNGEN. Um Klimaneutralität 2050 zu erreichen, müssen alle Beteiligten an einem Strang ziehen und ihre Beiträge dazu leisten: Verfahrensvereinfachung, Abgabe eines klaren Bekenntnisses zur Zielerreichung, Förderung von Sanierungsoffensiven, Spezialzuwendungen für finanzschwache Gemeinden sowie regelmäßige Durchführung von Monitoring, Controlling und Reporting.
AUS DER SICHT DER EWR AG,
… des größten heimischen Stromanbieters sei es notwendig, dass die Kommunalpolitik Akzente setze und Entscheidungen treffe. Die Studie dürfe nicht schubladisiert werden. Wasserkraft und PV können von der EWR AG „gestemmt“ werden. Für Sanierungsprojekte wären Bauunternehmen und für die E-Mobilität noch Autohäuser mit ins Boot zu holen. Schlussendlich muss der öffentliche Bereich durch die Überzeugung der Bevölkerung und die beharrliche Umsetzung der geplanten Projekte seinen Beitrag leisten.





