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Politik mit Handschlagqualität

Wolfram Vindl blickt auf eine bewegte politische Karriere zurück

Mit Florian Klotz aus Holzgau zog dieses Jahr wieder ein Außerferner in den Tiroler Landtag ein. Genau 40 Jahre zuvor, im Jahr 1986, begann mit dem Einzug des damals 41-jährigen Wolfram Vindl aus Wängle für die ÖVP ebenfalls ein neues Kapitel in der politischen Vertretung des Bezirks. Im Gespräch blickt der ehemalige Landtagsabgeordnete auf seine politische Laufbahn zurück, erinnert sich an wichtige Erfolge für das Außerfern und spricht über den Wandel der politischen Kultur.

13. Oktober 2026
Politik mit Handschlagqualität<br />
Wolfram Vindl (m.) sprach über sein poltisches Leben mit der RUNDSCHAU. Am Foto mit Wirtschaftskammerpräsidentin Barbara Thaler und LR Mario Gerber. Foto:WKO
Sein Weg führte ihn vom Arbeiter- und Angestelltenbund (AAB) über den Tiroler Landtag bis in den Bundesrat nach Wien. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm neben politischen Höhepunkten die vielen Menschen, denen er helfen konnte.

SCHWIERIGER BEGINN. Bereits 1972 wurde Vindl zum Obmann des AAB im Bezirk Reutte gewählt. Ausgerechnet am Tag der Wahl verstarb sein Vater, der zuvor drei Wochen im Krankenhaus gelegen war. Die angesetzte Wahl konnte nicht mehr abgesagt werden. Vindl übernahm die Funktion und blieb bis 1996 AAB-Obmann.

EINZUG IN LANDTAG. 1986 zog Vindl in den Tiroler Landtag ein. Neben Sitzungen und Ausschüssen gehörten zahlreiche Termine im Bezirk zum politischen Alltag. Ein Bericht der Außerferner Nachrichten aus dem Jahr 1993 schildert einen Sitzungstag, der frühmorgens mit der Fahrt nach Innsbruck begann und oft erst spätabends endete.

ÜBERRASCHENDER WAHLSIEG. Einen seiner schönsten politischen Momente erlebte Vindl 1987 bei der Wahl zum ÖVP-Bezirksparteiobmann. Nach rund 25 Jahren an der Spitze übergab Erich Berktold die Funktion. Mit Wolfram Vindl, Ferdinand Eberle und Siegfried Singer stellten sich drei Kandidaten der Wahl. Vindl setzte sich mit 55 Prozent der Stimmen überraschend durch. Die damaligen Zeitungen werteten das Ergebnis als Erfolg des Arbeitnehmerflügels innerhalb der Volkspartei. Nach einer Periode übernahm Ferdinand Eberle die Funktion.

KONKRETE ERFOLGE. Besonders wichtig war Vindl, den Menschen unmittelbar helfen zu können. Als Mitglied des Wohnbauförderungsbeirates des Landes Tirol unterstützte er zahlreiche Bürger bei ihren Anträgen. Noch heute begegnen ihm Menschen, die sich dafür bedanken. Auch bei seinen Sprechtagen konnte er viele Anliegen lösen, was ihn bis heute freut. Zu den großen politischen Herausforderungen zählte die bessere Erschließung der Lechtaler Seitentäler, deren Verbindungen früher teils monatelang gesperrt waren. Sonderförderungsprogramme ermöglichten zudem den Ausbau von Schulen und Gemeindeämtern. In Erinnerung blieb Vindl auch eine Geburtstagsfeier des ehemaligen Vilser Bürgermeisters Otto Erd, bei der er für den verspäteten Ferdinand Eberle spontan eine viel gelobte Rede hielt, auf die er natürlich nicht vorbereitet war. Auch die B179 war immer ein brisantes Thema. Auch hier habe die Volkspartei damals möglichst gute Lösungen gesucht. 1984 wurde etwa der Lermooser Tunnel eingeweiht.

REDE ZUM LANDESBUDGET. Ein weiterer Höhepunkt war für Vindl seine Rede zum Tiroler Landesbudget 1994. Am 14. Dezember 1993 stand er als Budgetredner der Tiroler Volkspartei rund eineinhalb Stunden am Rednerpult des Landtages. Dieser Auftritt zählt für ihn neben der Wahl zum Bezirksparteiobmann zu den besonderen Erinnerungen seiner Karriere.

ERFOLG IM BUNDESRAT. Im Dezember 1997 wechselte Vindl in den Bundesrat nach Wien. Besonders stolz ist er auf eine gesetzliche Erleichterung für Feuerwehrmitglieder. Zuvor durften Feuerwehrleute mit einem gewöhnlichen B-Führerschein größere Einsatzfahrzeuge nicht lenken. Durch eine Gesetzesänderung wurde es entsprechend geschulten Feuerwehrmitgliedern ermöglicht, solche Fahrzeuge innerhalb der Feuerwehr zu fahren. Die Bedeutung des Bundesrates werde seiner Ansicht nach oft unterschätzt. Viele politische Entscheidungen würden bereits in gemeinsamen Klubsitzungen vorbereitet. Gerade bei Gesetzen, die Interessen der Länder betreffen, könne der Bundesrat Einfluss nehmen.

RESPEKT UNTEREINANDER. Mit der heutigen politischen Kultur geht Vindl kritisch ins Gericht. Früher habe man sich mit politischen Gegnern leidenschaftlich gestritten, anschließend aber gemeinsam einen Kaffee oder ein Bier getrunken. Besonders erinnert er sich an Diskussionen und anschließend gute Gespräche mit Helmut Wiesenegg und Günther Bußjäger. Auch mit Vertretern der FPÖ habe trotz unterschiedlicher Standpunkte ein gutes persönliches Verhältnis bestanden. Natürlich sei man auch früher von Passanten gelegentlich schroff angesprochen oder als Gauner bezeichnet worden. Doch die Auseinandersetzungen seien überwiegend auf Augenhöhe geführt worden. Gegenseitige Achtung und Fairness hätten einen höheren Stellenwert gehabt.

MEDIEN IM WANDEL. Kritisch sieht Vindl die Entwicklung der sozialen Medien. Früher hätten Außerferner Nachrichten, Blickpunkt und Tiroler Tageszeitung politische Aussagen kritisch hinterfragt und fragwürdige Behauptungen von Politikern gegebenenfalls nicht veröffentlicht. Diese journalistische Kontrollfunktion erfüllen die Regionalmedien auch heute noch. Über soziale Medien und Parteikanäle hingegen könne jeder seine Botschaften ungefiltert verbreiten. Falschmeldungen, persönliche Beleidigungen und die zunehmende Polarisierung dadurch bereiten ihm Sorgen. Umso wichtiger sei es, die regionalen Medien nicht zu vernachlässigen. Gerade für die politische Arbeit im Außerfern haben die Bezirksmedien weiterhin große Bedeutung.

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