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Reutte | Politik | 7. November 2022 | Von Sabine Schretter

Großer Parkplatz stößt nicht nur auf Wohlwollen

Großer Parkplatz stößt nicht nur auf Wohlwollen
Auf der rot markierten Fläche entsteht in Seenähe ein Großparkplatz mit insgesamt 120 Stellpätzen. Dringend notwendig, sagt die Gemeindeführung, nicht nachhaltig, sagen kritische Stimmen. Foto: Claus Hock
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Reutte  Von Sabine Schretter
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In Haller entsteht in Seenähe zum Haldensee ein Großparkplatz mit 120 Stellflächen

Ein Sommer, wie der vergangene, bescherte Gästen und Einheimischen eine außergewöhnlich lange Badesaison – auch am Haldensee im Tannheimer Tal. Perfekt für eine Tourismusregion, wäre da nicht ein leidiges Problem. Denn auf der Nesselwängler Seite des Haldensees, in Haller, finden sowohl Gäste als auch Einheimische an starken Tagen kaum einen Parkplatz. Die Folge: An manchen solcher Tage parken 70 bis 80 Autos auf Feldern, die Privatpersonen gehören. Ein Großparkplatz mit insgesamt 120 Stellplätzen soll Abhilfe schaffen.
Von Sabine Schretter

Ein Projekt, das nicht nur auf Befürworter stößt. „Es ist ein akutes Probelm, für das wir eine Lösung brauchten. An Starklasttagen werden private Gründe zu Abstellflächen – und das lassen sich die Besitzer nicht länger gefallen“, erklärt Nesselwängles Bürgermeister Hubert Mark gegenüber der RUNDSCHAU die Problematik. Interimsmäßig war eine Fläche mit 18 Stellplätzen zur Verfügung gestellt worden. Was allerdings keine nachhaltige und zufriedenstellende Lösung ist. Daher wurde schon unter dem Vorgänger Hubert Marks im Gemeinderat der Beschluss für den Bau eines Großparkplatzes gefasst. Der wird jetzt errichtet und bietet zusätzlich 109 kostenpflichtige Stellplätze. „Und zwar in Seenähe parallel zur Bundesstraße gelegen und landschaftlich gut eingepflegt“, wie Bgm. Mark betont. Dieser Parkplatz, der nicht bei allen Nesselwänglern auf Wohlwollen stößt, werde Chaos beseitigen und für Ordnung sorgen. Es gehe hier weniger um die Einnahmen, die man als Gemeinde mit dem Großparkplatz lukrieren werde. „Es geht vielmehr darum, dem Parkchaos endlich ein Ende zu setzen und vor allem auch Einheimischen die Möglichkeit zu schaffen, nahe beim See zu parken. Niemand will mit einem Stand Up-Paddle oder Kindern und viel Packerei mehrer hundert Meter weit zum See laufen“, führt Mark weiter aus. Gegner des Großparkplatzes befürchten zusätzlichen Lärm und eine steigende Luftbelastung. „Man ist vor Gericht gegen die Errichtung des Parkplatzes vorgegangen, wurde aber in Wien und Innsbruck abgelehnt. Es ist alles rechtskräftig und in Ordnung. Der Parkplatz wird gebaut. Wir konnten alle Hürden stemmen, fanden auch einen Weg, die Finanzierung des Vorhabens zu sichern. Das öffentliche Interesse an diesem Parkplatz ist groß und das ist für uns maßgebend“, stellt Bgm. Mark klar.

WURDEN NICHT EINGEBUNDEN. Zwei Anrainer, Martin Rief und Peter Zotz, verstehen zum einen nicht, dass man ein kaum nachhaltiges Projekt einfach durchwinkt, zum anderen nicht, dass man nicht wissen darf, wer der Investor ist, der für die Finanzierung geradesteht. „Wo jetzt dieser Parkplatz entsteht, befinden sich drei Hotels, die ihren Gästen Ruhe verkaufen. Es ist paradox, dass ausgerechnet dort jetzt ein Großparkplatz errichtet wird .  Man hat die Bevölkerung einfach übergangen, in die Entscheidung nicht eingebunden“, ärgert sich Martin Rief im Gespräch mit der RUNDSCHAU. Das bekräftigt auch Peter Zotz: „Als Gemeindebürger hat man das Recht, informiert zu werden und zu wissen, wer der Investor ist. Nachhaltigkeit und Transparenz werden immer eingefordert. Beides wurde hier ignoriert“. Es sei richtig, dass es im vergangenen sehr schönen  Sommer 2022 eine lange Badesaison mit vielen Besuchern gegeben habe. Und, dass an vielen starken Tagen auch Parkchaos in Haller geherrscht habe. „Man kann aber so einen Ausnahmesommer nicht als Maßstab heranziehen. In normalen Sommern dauert die Badesaison bei uns 14 Tage. Im Winter ist der Parkplatz am Haldensee leer“. Peter Zotz nimmt die Gemeinderäte in die Pflicht. Sie hätten eine optimale Lösung für die Zukunft suchen müssen. „Man sollte doch auf 20 bis 30 Jahre vorausdenken und nicht nach den Erfahrungen eines Ausnahmesommers eine schnelle Lösung durchboxen“. Sollte die bereits 2011 in Aussicht gestellte Umfahrung Haller irgendwann doch kommen, würde man mit dem Parkplatz Lärm und Gestank weiter in den Ort holen. „Ein wirklicher Unsinn. Aus anderen Orten werden Lärm und Gestank verbannt, bei uns holt ma beides rein.“ Haller werde sich touristisch in den nächsten Jahren weiterentwickeln, ist sich Peter Zotz sicher. „Aber was hier geschieht ist nicht im Sinne eines nachhaltigen und mit der Landwirtschaft im Einklang befindlichen Tourismus“, bedauert er. Für Bgm. Mark indes ist es unsinnig, den Parkplatz abzuwinken, für etwas, das eventuell irgendwann in der Zukunft geschehen wird. „Das Parkchaos ist ein aktuellen Problem, das es jetzt zu lösen gilt. Wir können nicht auf Jahre vorausschauen, wissen heute nicht, wann wir die gewünschte Umfahrung bekommen. Den Parkplatz brauchen wir jetzt, darum wird er gebaut“, schließt Bgm. Mark ab.

RECHT ALS GEMEINDEBÜRGER. Das Projekt ist durch. Wirtschaftlich würde sich das aber nicht rechnen, sind sich Martin Rief und Peter Zotz einig. Für die Finanzierung des Großparkplatzes (Kostenpunkt ca. 450.000 Euro), die Nesselwängle allein nicht hätte tragen können, fand man einen Investor – den Namen wollte Bgm. Mark der RUNDSCHAU  nicht bekanntgeben. Der Beschluss für die Kooperation wurde in einer nicht öffentlichen Sitzung einstimmig gefasst. Unverständlich für Martin Rief und Peter Zotz.  „Als Gemeindebürger habe ich das Recht, zu wissen, wer dahinter steckt“, sagen beide unisono. Beiden ist klar, dass ein Parkplatz notwendig ist. „Allein schon, um behinderten Personen und Familien mit Kindern, den Weg zum See zu ermöglichen“, räumt Peter Zotz ein, „aber nicht in dieser Dimension“. Die war ursprünglich mit 320 Stellplätzen ganz anders geplant gewesen. „120 sind aber immer noch zu viel“.

FREI NUTZEN MIT JAHRESKARTE. Dass es 2023 eine einheitliche Parkbewirtschaftungslösung für das Tannheimer Tal – von Nesselwängle bis Schattwald – geben wird, wertet Bgm. Mark als Meilenstein. Für ca. 30 Euro kann jeder, der seinen Hauptwohnsitz im Tannheimer Tal gemeldet hat, eine Jahreskarte kaufen und damit ohne weitere Kosten sämtliche Liftparkplätze und den neuen Seeparkplatz nutzen. Der Pakrplatz auf der anderen Seite des Haldensees, der von der Agrargemeinschaft Haldensee betrieben wird, ist in diesem Pool nicht mit dabei. Ob das Tannheimer Tal bei einer für den gesamten Bezirk Reutte gemeinsamen und einheitlichen Parkraumbewirtschaftung mit dabei sein wird, ist noch in der Schwebe. „Wir sind froh, dass wir für 2023 ein gemeinsames Konzept für das Tal gefunden haben“, sagt Hubert Mark dazu.
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