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Reutte | Politik | 15. November 2022 | Von Sabine Schretter

„Was früher normal war, ist es heute nicht mehr!“

„Was früher normal war, ist es heute nicht mehr!“
Sie luden zur Herbstkonferenz des Bezirksbauernbundes: Bauernbund-Obmann-Stv. Markus Rid, LH-Stv. und Obmann des Tiroler Bauernbundes Josef Geisler und Bezirksobmann Christian Angerer (v.l.). RS-Foto: Schretter
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Reutte  Von Sabine Schretter
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Herbstkonferenz des Bauernbundes Bezirk Reutte

Im Vorfeld der ersten Herbstkonferenz des Bezirksbauernbundes Reutte nach Konstituierung der neuen Landesregierung informierten Bezirksobmann Christian Angerer, Obmann-Stv. Markus Rid und LH-Stv. Josef Geisler, Obmann des Tiroler Bauernbundes, bei einem Pressegespräch über vielfältige Herausforderungen für den Bauernbund.
Von Sabine Schretter

Bezirksobmann Christian Angerer dankte seinem Stellvertreter Markus Rid, der im Außerfern die vergangene Landtagswahl souverän für den Bauernbund begleitet hatte, und der Landjugend/Jungbauernschaft Bezirk Reutte für die Organisation des Erntedankfestes am 16. Oktober.Den Klimawandel sowie die Verfügbarkeit von Grund und Boden nannte Angerer als wichtige Themen, die den Bauernbund im Außerfern beschäftigen. Seit der Ukrainekrise erlangte die Produktion von Lebensmitteln einen noch höheren Stellenwert. Grund und Boden sind begehrt. „Um jeden Quadratmeter reißen sich mehrere Interessensgruppen. Es gilt, ausreichend gute Flächen für die Lebensmittelproduktion verfügbar zu haben.“ LH-Stv. Josef Geisler ergänzt dazu: „Freiflächen sollen der landwirtschaftlichen Produktion vorbehalten sein. Dachflächen, Brachen, Flächen entlang von Autobahnen hingegen sollten künftig vermehrt für Photovoltaikanlagen genutzt werden.“ Landwirtschaftliche Produkte, wie Heu, Milch und Fleisch sind gefragt. „Das zeigt bei uns im Bezirk auch, dass es nach der Biedermann-Betriebsauflassung so viele Interessenten für das Unternehmen gab“, sagte Christian Angerer. Das Rennen machten die Käserebellen, die den Betrieb weiterführen. Da sich die Produktionspreise von Fleisch und Milch kontinuierlich mitentwickelten, konnten Preissteigerungen bis jetzt relativ gut abgefedert werden. Auch die Steigerungen bei Strom und Gas entwickeln sich für die Landwirtschaft im Außerfern vergleichsweise moderat. Maschinengemeinschaften und ein enges Zusammenrücken helfen zudem, die Teuerungen im Griff zu behalten. Auch Brennholz, das eine wahre „Preisrenaissance erlebt, mit der die Kosten besser abgedeckt werden können, ist aktuell sehr gefragt. Allerdings besteht in Tirol ein Brennholzengpass. Brennholz beziehen wir meist aus Südtirol“, erklärte Angerer dazu.

GEMEINSAME EUROPÄISCHE AGRARPOLITIK. Entscheidende Monate für die Landwirtschaft werden November und Dezember sein. „Denn da entscheiden sich die Landwirte, ob sie weiter dem System der gemeinsamen Agrarpolitik angehören“, führte Angerer aus. Im Bezirk Reutte hat es dazu fünf Infoabende gegeben, bei denen ca. 500 Bauern informiert und begleitet wurden. „70 Beratungen zu Investitionen und Betriebsgründungen zeigen, dass bei uns im Außerfern der Generationswechsel permanent läuft“, freut sich der Bezirksobmann. Josef Geisler stimmt den Ausführungen zu. Bezirkskonferenzen zeichneten auch immer ein Stimmungsbild. „Zu wissen, wie es der Basis geht, ist auch wichtig für die Landespolitik. Gerade jetzt, wo man mit der gemeinsamen Agrarpolitik in eine neue Periode geht.“ Zum einen ist die Produktion von leistbaren Lebensmitteln gefragter denn je. Zum anderen muss sichergestellt sein, dass das, was nicht abgedeckt werden kann, entsprechend abgegolten wird. „Und hier ist es wichtig, dass das System für alle Betriebe zugänglich ist und alle Betriebe ihre Ansprüche geltend machen können“, führte Josef Geisler aus.

UNTER DRUCK DURCH WOLF UND BÄR. „Das Auftreten großer Beutegreifer bringt uns auch im Außerfern sehr unter Druck.“ Im September hatte ein Bär in Häselgehr mehr als 30 Schafe gerissen (die RUNDSCHAU berichtete). Schäden, die durch Großraubtiere verursacht werden, sind ein Problem, das den gesamten Alpenraum betrifft. Ein Spezifikum ist, dass in kaum einer anderen Alpenregion eine so dichte Besiedelung mit aktiver Almwirtschaft wie in Tirol besteht. Mit dem neuen Koalitionspartner wird in Tirol das Jagdgesetz angepasst, die Verordnungsermächtigung der Landesregierung im Jagdgesetz verankert. „So wird ein rasches Eingreifen ermöglicht“, sagt Josef Geisler. In Zonen, die nicht schützbar sind – etwa Almen – kann nach einem Riss die sofortige Entnahme des Beutegreifers erfolgen. „Das war mit den grünen Freunden eher schwer.“ Entnommen werden dürfen sowohl Schadwölfe, die in nicht schützbaren Bereichen töten oder einen vorhandenen Herdenschutz (z. B. Herdenschutzzäune) überwinden, als auch Risikowölfe, die sich in besiedelten Bereichen aufhalten. Almschutzgebiete werden durch genaue Parameter festgelegt. Die Alpenländer sind sich einig, dass der Schutzstatus des Wolfes gesenkt werden muss. „Das sagen mittlerweile auch die Tierschützer. Weltweit ist die Wolfspopulation stark angewachsen. Im Alpenraum werden mehr als 1.000 Wölfe gezählt. Rechnet man Italien dazu, sind es 3.000 Tiere. Das geht nicht mehr mit Selbstregulation“, untermauert Geisler, dass Regularien jetzt dringend einzuführen sind. Bis zur nächsten Almsaison sollen diese unter Dach und Fach sein. Mit der Jägerschaft sei man in gutem Austausch, bestätigt Christian Angerer. „Ein gutes und konstruktives Miteinander von Landwirtschaft und Jägerschaft wird immer wichtiger.“ „Grundsätzlich läuft es rund im Bezirk“, schloss Bezirksbauernbund-Obmann Christian Angerer ab.
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