Traum vom Profifußball
Vom Außerfern ins Nachwuchszentrum nach St. Pölten
Die RUNDSCHAU traf Jona Walch zum Gespräch. Im Fokus standen seine sportliche Entwicklung, der Alltag im Leistungssport und sein großer Traum vom Profifußball.
2. Oktober 2026
Jona Walch gab der RUNDSCHAU ein Interview. Fotos: Walch
RUNDSCHAU: Vor knapp vier Jahren haben wir uns bereits über deine Fußballkarriere unterhalten. Damals warst du gerade einmal zehn Jahre alt und hattest große Träume. Wenn du heute zurückblickst: Wie hat sich dein Weg seither entwickelt und was hat sich für dich persönlich verändert?
Jona Walch: In den vergangenen vier Jahren hat sich bei mir sehr viel verändert. Mit zehn Jahren habe ich noch beim SV Reutte gespielt und davon geträumt, einmal Profifußballer zu werden. Danach durfte ich bei verschiedenen Stationen Erfahrungen sammeln und bereits als damaliger Vor-LAZ-Spieler mit der Tirol-Auswahl, Jahrgang 2012, bei Turnieren und Leistungsvergleichen spielen. Auch Vereine wie der SSV Ulm, 1860 München oder der 1. FC Heidenheim haben mich damals schon immer wieder als Gastspieler und zu Probetrainings eingeladen.Mit elf Jahren bekam ich dann die Möglichkeit, über ein Fußballstipendium für hochtalentierte Nachwuchskicker ans Deutsche Fußball Internat DFI nach Bad Aibling zu wechseln. Hier konnte ich Fußball, Schule und Internatsleben miteinander verbinden und mich sportlich, aber auch persönlich weiterentwickeln. Da am Deutschen Fußball Internat Nachwuchstalente aus aller Welt sind (Amerika, Afrika, Asien, Australien und natürlich Europa), habe ich viele neue Freunde gefunden, gegen sehr starke Mannschaften in der Liga gespielt sowie gelernt, was es bedeutet, sich wirklich jeden Tag auf Fußball zu konzentrieren und daran zu arbeiten. Heute bin ich 14 Jahre alt und merke, dass Fußball für mich noch viel ernster geworden ist, jedoch immer noch riesigen Spaß macht. Ich weiß inzwischen, dass Talent allein nicht reicht. Man muss sehr viel arbeiten, geduldig sein, auf vieles verzichten und auch mit Rückschlägen umgehen können.
RUNDSCHAU: Du sagst, du hast damals davon geträumt, einmal Profifußballer zu werden. Bist du diesem Ziel in den vergangenen Jahren nähergekommen? Und wie realistisch schätzt du diesen Traum heute ein?
Jona Walch: Ja, ich glaube schon, dass ich meinem Traum ein Stück nähergekommen bin. Durch das DFI, die vielen Turniere im In- und Ausland sowie Leistungsvergleiche und die Einladungen zu namhaften Bundesligavereinen in Deutschland und Österreich konnte ich Erfahrungen auf einem Niveau sammeln, das ich mir mit zehn Jahren noch gar nicht vorstellen konnte. Natürlich ist der Weg zum Profifußball noch sehr weit. Ich weiß auch, dass es keine Garantie gibt. Aber genau das motiviert mich. Ich möchte jeden Tag besser werden, mich entwickeln und schauen, wie weit ich kommen kann. Mein großes Ziel ist weiterhin, alles für den großen Traum zu geben. Wie realistisch es am Ende wird, hängt von sehr vielen Dingen ab – von meiner Entwicklung, meiner Arbeit, meiner Disziplin und Einstellung, aber auch von Verletzungen sowie vielen anderen Faktoren.
RUNDSCHAU: Deine ersten Schritte im Fußball hast du mit 5 Jahren bei der SPG Lechtal gemacht. Danach folgten Stationen in Reutte, Vils, beim FC Kempten und beim Vor-LAZ sowie der Tirol-Auswahl, dem DFI und dem TSV 1860 Rosenheim. Für welche Mannschaft spielst du aktuell und wie kam es zu diesem Wechsel?
Jona Walch: Aktuell bin ich seit Anfang September im Internat sowie in der Bundessportschule des Sportleistungszentrums für Nachwuchsleistungssportler in St. Pölten und spiele dort im Team des ÖFB-Nachwuchszentrums des Bundesligisten SKN St. Pölten. Ich hatte das große Glück, nach Probetrainings und starken Leistungen bei diversen Leistungsvergleichen dort einen der wenigen Internats- und Schulplätze zu bekommen. Nach drei Jahren am DFI in Bayern wollte ich den nächsten Schritt machen und mich anderswo weiterentwickeln. Jetzt bin ich im SLZ (= Sportleistungszentrum). Dort kann ich Leistungssport und Schule in einem tollen Umfeld miteinander verbinden und mich unter professionellen Bedingungen im Sportleistungszentrum weiterentwickeln.
RUNDSCHAU: Auf welcher Position spielst du derzeit? Hat sich deine Rolle auf dem Platz im Vergleich zu früher verändert?
Jona Walch: Ich spiele hauptsächlich offensiv, kann aber auf verschiedenen Positionen eingesetzt werden. Je nach System spiele ich zum Beispiel im offensiven Mittelfeld oder auf den Außenpositionen. Meine Rolle hat sich schon verändert. Früher ging es teilweise mehr darum, Tore zu schießen und Aktionen nach vorne zu machen. Heute wird viel mehr Wert darauf gelegt, dass ich auch gegen den Ball arbeite, taktisch mitdenke und der Mannschaft insgesamt helfe. Ich glaube, dass ich dadurch ein „kompletterer“ Spieler geworden bin.
RUNDSCHAU: Welche Stärken zeichnen dich als Fußballer besonders aus und an welchen Bereichen arbeitest du aktuell noch?
Jona Walch: Ich denke, meine Stärken liegen vor allem in meiner Technik, meinem Ehrgeiz, meiner Spielintelligenz sowie meiner Übersicht und darin, dass ich gerne ins Eins-gegen-Eins gehe. Ich habe auch einen guten Torabschluss sowie eine gute Schusstechnik und versuche, mit meiner Spielweise immer wieder gefährliche Situationen zu schaffen und für meine Mitspieler und mein Team da zu sein. Verbessern möchte ich mich eigentlich in allen Bereichen. Besonders bei der Physis, beim Defensivverhalten und bei taktischen Dingen kann ich noch viel lernen. Auch meine Entscheidungsfindung muss noch besser werden. Je höher das Niveau wird, desto weniger Zeit hast du, um eine Entscheidung zu treffen.
RUNDSCHAU: Wie sieht eine typische Woche in deinem Leben heute aus – von Schule und Training bis hin zu Freizeit und Regeneration?
Jona Walch: Schule und Fußball bestimmen den größten Teil meines Tages. Nach der Schule geht es meistens direkt zum Training. Dazu kommen je nach Tag Mannschaftstrainings, Individualtrainings (vormittags neben der Schule), Einheiten im Gym, Athletiktraining sowie Laufeinheiten und Übungen mit unserer Physioabteilung.Daneben ist Regeneration sehr wichtig. Ich versuche, genug zu schlafen und auf meinen Körper zu hören. Viel Freizeit bleibt unter der Woche nicht. Wenn ich Zeit habe, treffe ich Freunde oder verbringe, wenn ich einmal nach Hause komme, Zeit mit meiner Familie. Am Wochenende stehen meistens Spiele quer durch Österreich an.
RUNDSCHAU: Wie viele Stunden pro Woche investierst du mittlerweile in den Fußball und hat sich der Trainingsaufwand in den vergangenen Jahren stark verändert?
Jona Walch: Der Aufwand ist in den letzten Jahren deutlich größer geworden. Am DFI hatte ich teilweise bis zu acht Fußballeinheiten – 4 Einheiten am Vormittag mit Individualtraining sowie 4-mal Mannschaftstraining – pro Woche neben der Schule, die täglich bis 16:15 Uhr dauert. Dazu kamen Spiele und Turniere, teilweise auch Fahrten quer durch Bayern oder ins Ausland.Heute ist der Fußball praktisch jeden Tag ein Thema. Wenn man alles zusammenrechnet – Mannschaftstraining, Individualtraining, Spiele, Regeneration und zusätzliche Arbeit –, kommt schon eine große Anzahl an Stunden zusammen. Aber für mich fühlt es sich nicht wie Arbeit an, weil ich Fußball einfach liebe und gerne spiele. Ich freue mich daher jedes Mal, wenn ich auf dem Platz stehe und mit dem Ball und dem Team arbeiten kann.
RUNDSCHAU: Was ist für dich aktuell die größte Herausforderung, wenn es darum geht, sportliche Ziele und Schule bzw. Privatleben miteinander zu vereinbaren?
Jona Walch: Die größte Herausforderung ist wahrscheinlich die Zeit. Man kann nicht überall gleichzeitig sein. Wenn Training, Schule und Spiele zusammenkommen, bleibt für Freunde oder andere Dinge manchmal nicht viel Zeit. Ich muss auch auf sehr vieles verzichten. Man muss lernen, damit umzugehen und seine Zeit gut einzuteilen. Wichtig ist für mich, dass ich trotz des Leistungssports nicht vergesse, Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden zu verbringen.
RUNDSCHAU: Was motiviert dich heute, täglich an dir zu arbeiten und weiter Fußball zu spielen – gerade an Tagen, an denen es einmal nicht so gut läuft?
Jona Walch: Ich glaube, dass ich einfach wirklich Fußball spielen möchte. Ich bin verrückt danach. Ich kann mir schwer vorstellen, einen Tag komplett ohne Fußball zu haben – gehört natürlich auch dazu. Außerdem habe ich noch sehr große Ziele und weiß, dass ich diese nur erreichen kann, wenn ich hart arbeite und immer alles dafür gebe.Wenn es einmal nicht läuft, versuche ich, nicht zu lange darüber nachzudenken. Man kann nicht jedes Spiel gut spielen. Wichtig ist, daraus zu lernen und beim nächsten Training sowie Match wieder Vollgas zu geben.
Die Vollversion des Interviews finden sie auf unserer Homepage.
RUNDSCHAU: Gab es in den vergangenen Jahren einen Moment oder ein Erlebnis, das dich sportlich besonders geprägt hat und dich eventuell sogar an deiner geplanten Karriere zweifeln ließ?
Jona Walch: Ein schwieriger Moment war sicher meine Verletzung im ersten Jahr am DFI. Ich hatte eine Verletzung an der Wachstumsfuge und konnte die komplette Herbstsaison nicht Fußball spielen. Gerade wenn man neu in einem Fußballinternat ist und eigentlich zeigen möchte, was man kann, ist es natürlich schwierig, plötzlich nur zuschauen zu können. Der Weg zurück war nicht einfach, aber die Verletzung hat mich eigentlich noch stärker gemacht. Ich habe gelernt, geduldig zu sein und weiterzuarbeiten, auch wenn es einmal nicht so läuft. Im Frühjahr konnte ich dann wieder an meine alten Leistungen anschließen. Ein besonderes Highlight waren dagegen sicher die zahlreichen Spiele gegen Topklubs sowie unter anderem die Umag Trophy in Kroatien. Dort mit dem LASK, bei dem ich zwei Jahre lang immer wieder als Gastspieler dabei war, gegen Mannschaften wie Juventus Turin, Dynamo Zagreb, Roter Stern Belgrad, AC Mailand und mehr zu spielen und von 64 Teams aus Topligen Europas bis ins Halbfinale zu kommen, war ein unglaubliches Erlebnis. Das Halbfinale wurde sogar live im Fernsehen übertragen.
RUNDSCHAU: Wie wichtig sind für dich deine Trainer, deine Familie und dein Umfeld auf deinem bisherigen Weg? Welche Rolle spielen sie bei deiner Entwicklung?
Jona Walch: Sie sind extrem wichtig. Ohne meine Familie wäre dieser Weg gar nicht möglich. Gerade mein Bruder Laurin und meine Eltern haben mich immer unterstützt und waren auch in schwierigen Zeiten für mich da. Auch meine Trainer haben einen großen Anteil an meiner Entwicklung. In den letzten Jahren durfte ich mit vielen verschiedenen Trainern arbeiten und von jedem etwas lernen. Aktuell habe ich beim Bundesliga-Nachwuchszentrum St. Pölten den ehemaligen Trainer von David Alaba sowie Alexander Dragovic. Dazu kommen meine Mitspieler und das gesamte Umfeld. Man entwickelt sich nicht alleine weiter. Jeder, mit dem man trainiert oder spielt, trägt irgendwie dazu bei.
RUNDSCHAU: Wo möchtest du fußballerisch in den nächsten zwei bis drei Jahren stehen? Gibt es ein konkretes Ziel oder einen Verein, für den du besonders gerne einmal spielen würdest?
Jona Walch: In den nächsten zwei bis drei Jahren möchte ich mich körperlich und fußballerisch so stark weiterentwickeln, dass ich im Nachwuchsbereich den nächsten Schritt machen und mich auf höchstem Niveau durchsetzen kann. Mein Ziel ist natürlich, möglichst weit nach oben zu kommen und irgendwann den Sprung zu schaffen. Einen bestimmten Verein möchte ich dabei gar nicht unbedingt nennen. Natürlich gibt es große Vereine, bei denen es für jeden Nachwuchsspieler ein Traum wäre, einmal zu spielen. Aber momentan konzentriere ich mich lieber auf meine Entwicklung und möchte Schritt für Schritt weiterkommen.
RUNDSCHAU: Wenn du deinem zehnjährigen Ich, mit dem wir vor vier Jahren gesprochen haben, heute eine Nachricht geben könntest: Was würdest du ihm über seinen bisherigen Weg und seine großen Fußballträume sagen? Welche Ratschläge würdest du ihm geben?
Jona Walch: Ich würde ihm sagen: Glaub an dich und glaub weiter an deinen Traum, aber denk nicht, dass alles immer einfach sein wird. Es wird schöne Momente geben, aber auch Verletzungen, Rückschläge und Spiele, in denen nichts funktioniert. Davon darfst du dich nicht unterkriegen lassen. Arbeite weiter, hör auf deine Trainer und bleib trotzdem du selbst. Ich würde meinem zehnjährigen Ich auch sagen, dass es jeden Moment genießen soll. Als ich zehn Jahre alt war, hätte ich nie gedacht, dass ich einmal in einem Fußballinternat in Bayern leben, gegen zahlreiche Topmannschaften aus Europa spielen, bei internationalen Turnieren dabei sein und einen Platz im Sportleistungszentrum für Nachwuchsleistungssportler erhalten würde. Und vor allem würde ich ihm sagen: Hab Spaß am Fußball. Denn genau deswegen hast du überhaupt angefangen – weil du Fußball liebst.
Jona Walch: In den vergangenen vier Jahren hat sich bei mir sehr viel verändert. Mit zehn Jahren habe ich noch beim SV Reutte gespielt und davon geträumt, einmal Profifußballer zu werden. Danach durfte ich bei verschiedenen Stationen Erfahrungen sammeln und bereits als damaliger Vor-LAZ-Spieler mit der Tirol-Auswahl, Jahrgang 2012, bei Turnieren und Leistungsvergleichen spielen. Auch Vereine wie der SSV Ulm, 1860 München oder der 1. FC Heidenheim haben mich damals schon immer wieder als Gastspieler und zu Probetrainings eingeladen.Mit elf Jahren bekam ich dann die Möglichkeit, über ein Fußballstipendium für hochtalentierte Nachwuchskicker ans Deutsche Fußball Internat DFI nach Bad Aibling zu wechseln. Hier konnte ich Fußball, Schule und Internatsleben miteinander verbinden und mich sportlich, aber auch persönlich weiterentwickeln. Da am Deutschen Fußball Internat Nachwuchstalente aus aller Welt sind (Amerika, Afrika, Asien, Australien und natürlich Europa), habe ich viele neue Freunde gefunden, gegen sehr starke Mannschaften in der Liga gespielt sowie gelernt, was es bedeutet, sich wirklich jeden Tag auf Fußball zu konzentrieren und daran zu arbeiten. Heute bin ich 14 Jahre alt und merke, dass Fußball für mich noch viel ernster geworden ist, jedoch immer noch riesigen Spaß macht. Ich weiß inzwischen, dass Talent allein nicht reicht. Man muss sehr viel arbeiten, geduldig sein, auf vieles verzichten und auch mit Rückschlägen umgehen können.
RUNDSCHAU: Du sagst, du hast damals davon geträumt, einmal Profifußballer zu werden. Bist du diesem Ziel in den vergangenen Jahren nähergekommen? Und wie realistisch schätzt du diesen Traum heute ein?
Jona Walch: Ja, ich glaube schon, dass ich meinem Traum ein Stück nähergekommen bin. Durch das DFI, die vielen Turniere im In- und Ausland sowie Leistungsvergleiche und die Einladungen zu namhaften Bundesligavereinen in Deutschland und Österreich konnte ich Erfahrungen auf einem Niveau sammeln, das ich mir mit zehn Jahren noch gar nicht vorstellen konnte. Natürlich ist der Weg zum Profifußball noch sehr weit. Ich weiß auch, dass es keine Garantie gibt. Aber genau das motiviert mich. Ich möchte jeden Tag besser werden, mich entwickeln und schauen, wie weit ich kommen kann. Mein großes Ziel ist weiterhin, alles für den großen Traum zu geben. Wie realistisch es am Ende wird, hängt von sehr vielen Dingen ab – von meiner Entwicklung, meiner Arbeit, meiner Disziplin und Einstellung, aber auch von Verletzungen sowie vielen anderen Faktoren.
RUNDSCHAU: Deine ersten Schritte im Fußball hast du mit 5 Jahren bei der SPG Lechtal gemacht. Danach folgten Stationen in Reutte, Vils, beim FC Kempten und beim Vor-LAZ sowie der Tirol-Auswahl, dem DFI und dem TSV 1860 Rosenheim. Für welche Mannschaft spielst du aktuell und wie kam es zu diesem Wechsel?
Jona Walch: Aktuell bin ich seit Anfang September im Internat sowie in der Bundessportschule des Sportleistungszentrums für Nachwuchsleistungssportler in St. Pölten und spiele dort im Team des ÖFB-Nachwuchszentrums des Bundesligisten SKN St. Pölten. Ich hatte das große Glück, nach Probetrainings und starken Leistungen bei diversen Leistungsvergleichen dort einen der wenigen Internats- und Schulplätze zu bekommen. Nach drei Jahren am DFI in Bayern wollte ich den nächsten Schritt machen und mich anderswo weiterentwickeln. Jetzt bin ich im SLZ (= Sportleistungszentrum). Dort kann ich Leistungssport und Schule in einem tollen Umfeld miteinander verbinden und mich unter professionellen Bedingungen im Sportleistungszentrum weiterentwickeln.
RUNDSCHAU: Auf welcher Position spielst du derzeit? Hat sich deine Rolle auf dem Platz im Vergleich zu früher verändert?
Jona Walch: Ich spiele hauptsächlich offensiv, kann aber auf verschiedenen Positionen eingesetzt werden. Je nach System spiele ich zum Beispiel im offensiven Mittelfeld oder auf den Außenpositionen. Meine Rolle hat sich schon verändert. Früher ging es teilweise mehr darum, Tore zu schießen und Aktionen nach vorne zu machen. Heute wird viel mehr Wert darauf gelegt, dass ich auch gegen den Ball arbeite, taktisch mitdenke und der Mannschaft insgesamt helfe. Ich glaube, dass ich dadurch ein „kompletterer“ Spieler geworden bin.
RUNDSCHAU: Welche Stärken zeichnen dich als Fußballer besonders aus und an welchen Bereichen arbeitest du aktuell noch?
Jona Walch: Ich denke, meine Stärken liegen vor allem in meiner Technik, meinem Ehrgeiz, meiner Spielintelligenz sowie meiner Übersicht und darin, dass ich gerne ins Eins-gegen-Eins gehe. Ich habe auch einen guten Torabschluss sowie eine gute Schusstechnik und versuche, mit meiner Spielweise immer wieder gefährliche Situationen zu schaffen und für meine Mitspieler und mein Team da zu sein. Verbessern möchte ich mich eigentlich in allen Bereichen. Besonders bei der Physis, beim Defensivverhalten und bei taktischen Dingen kann ich noch viel lernen. Auch meine Entscheidungsfindung muss noch besser werden. Je höher das Niveau wird, desto weniger Zeit hast du, um eine Entscheidung zu treffen.
RUNDSCHAU: Wie sieht eine typische Woche in deinem Leben heute aus – von Schule und Training bis hin zu Freizeit und Regeneration?
Jona Walch: Schule und Fußball bestimmen den größten Teil meines Tages. Nach der Schule geht es meistens direkt zum Training. Dazu kommen je nach Tag Mannschaftstrainings, Individualtrainings (vormittags neben der Schule), Einheiten im Gym, Athletiktraining sowie Laufeinheiten und Übungen mit unserer Physioabteilung.Daneben ist Regeneration sehr wichtig. Ich versuche, genug zu schlafen und auf meinen Körper zu hören. Viel Freizeit bleibt unter der Woche nicht. Wenn ich Zeit habe, treffe ich Freunde oder verbringe, wenn ich einmal nach Hause komme, Zeit mit meiner Familie. Am Wochenende stehen meistens Spiele quer durch Österreich an.
RUNDSCHAU: Wie viele Stunden pro Woche investierst du mittlerweile in den Fußball und hat sich der Trainingsaufwand in den vergangenen Jahren stark verändert?
Jona Walch: Der Aufwand ist in den letzten Jahren deutlich größer geworden. Am DFI hatte ich teilweise bis zu acht Fußballeinheiten – 4 Einheiten am Vormittag mit Individualtraining sowie 4-mal Mannschaftstraining – pro Woche neben der Schule, die täglich bis 16:15 Uhr dauert. Dazu kamen Spiele und Turniere, teilweise auch Fahrten quer durch Bayern oder ins Ausland.Heute ist der Fußball praktisch jeden Tag ein Thema. Wenn man alles zusammenrechnet – Mannschaftstraining, Individualtraining, Spiele, Regeneration und zusätzliche Arbeit –, kommt schon eine große Anzahl an Stunden zusammen. Aber für mich fühlt es sich nicht wie Arbeit an, weil ich Fußball einfach liebe und gerne spiele. Ich freue mich daher jedes Mal, wenn ich auf dem Platz stehe und mit dem Ball und dem Team arbeiten kann.
RUNDSCHAU: Was ist für dich aktuell die größte Herausforderung, wenn es darum geht, sportliche Ziele und Schule bzw. Privatleben miteinander zu vereinbaren?
Jona Walch: Die größte Herausforderung ist wahrscheinlich die Zeit. Man kann nicht überall gleichzeitig sein. Wenn Training, Schule und Spiele zusammenkommen, bleibt für Freunde oder andere Dinge manchmal nicht viel Zeit. Ich muss auch auf sehr vieles verzichten. Man muss lernen, damit umzugehen und seine Zeit gut einzuteilen. Wichtig ist für mich, dass ich trotz des Leistungssports nicht vergesse, Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden zu verbringen.
RUNDSCHAU: Was motiviert dich heute, täglich an dir zu arbeiten und weiter Fußball zu spielen – gerade an Tagen, an denen es einmal nicht so gut läuft?
Jona Walch: Ich glaube, dass ich einfach wirklich Fußball spielen möchte. Ich bin verrückt danach. Ich kann mir schwer vorstellen, einen Tag komplett ohne Fußball zu haben – gehört natürlich auch dazu. Außerdem habe ich noch sehr große Ziele und weiß, dass ich diese nur erreichen kann, wenn ich hart arbeite und immer alles dafür gebe.Wenn es einmal nicht läuft, versuche ich, nicht zu lange darüber nachzudenken. Man kann nicht jedes Spiel gut spielen. Wichtig ist, daraus zu lernen und beim nächsten Training sowie Match wieder Vollgas zu geben.
Die Vollversion des Interviews finden sie auf unserer Homepage.
RUNDSCHAU: Gab es in den vergangenen Jahren einen Moment oder ein Erlebnis, das dich sportlich besonders geprägt hat und dich eventuell sogar an deiner geplanten Karriere zweifeln ließ?
Jona Walch: Ein schwieriger Moment war sicher meine Verletzung im ersten Jahr am DFI. Ich hatte eine Verletzung an der Wachstumsfuge und konnte die komplette Herbstsaison nicht Fußball spielen. Gerade wenn man neu in einem Fußballinternat ist und eigentlich zeigen möchte, was man kann, ist es natürlich schwierig, plötzlich nur zuschauen zu können. Der Weg zurück war nicht einfach, aber die Verletzung hat mich eigentlich noch stärker gemacht. Ich habe gelernt, geduldig zu sein und weiterzuarbeiten, auch wenn es einmal nicht so läuft. Im Frühjahr konnte ich dann wieder an meine alten Leistungen anschließen. Ein besonderes Highlight waren dagegen sicher die zahlreichen Spiele gegen Topklubs sowie unter anderem die Umag Trophy in Kroatien. Dort mit dem LASK, bei dem ich zwei Jahre lang immer wieder als Gastspieler dabei war, gegen Mannschaften wie Juventus Turin, Dynamo Zagreb, Roter Stern Belgrad, AC Mailand und mehr zu spielen und von 64 Teams aus Topligen Europas bis ins Halbfinale zu kommen, war ein unglaubliches Erlebnis. Das Halbfinale wurde sogar live im Fernsehen übertragen.
RUNDSCHAU: Wie wichtig sind für dich deine Trainer, deine Familie und dein Umfeld auf deinem bisherigen Weg? Welche Rolle spielen sie bei deiner Entwicklung?
Jona Walch: Sie sind extrem wichtig. Ohne meine Familie wäre dieser Weg gar nicht möglich. Gerade mein Bruder Laurin und meine Eltern haben mich immer unterstützt und waren auch in schwierigen Zeiten für mich da. Auch meine Trainer haben einen großen Anteil an meiner Entwicklung. In den letzten Jahren durfte ich mit vielen verschiedenen Trainern arbeiten und von jedem etwas lernen. Aktuell habe ich beim Bundesliga-Nachwuchszentrum St. Pölten den ehemaligen Trainer von David Alaba sowie Alexander Dragovic. Dazu kommen meine Mitspieler und das gesamte Umfeld. Man entwickelt sich nicht alleine weiter. Jeder, mit dem man trainiert oder spielt, trägt irgendwie dazu bei.
RUNDSCHAU: Wo möchtest du fußballerisch in den nächsten zwei bis drei Jahren stehen? Gibt es ein konkretes Ziel oder einen Verein, für den du besonders gerne einmal spielen würdest?
Jona Walch: In den nächsten zwei bis drei Jahren möchte ich mich körperlich und fußballerisch so stark weiterentwickeln, dass ich im Nachwuchsbereich den nächsten Schritt machen und mich auf höchstem Niveau durchsetzen kann. Mein Ziel ist natürlich, möglichst weit nach oben zu kommen und irgendwann den Sprung zu schaffen. Einen bestimmten Verein möchte ich dabei gar nicht unbedingt nennen. Natürlich gibt es große Vereine, bei denen es für jeden Nachwuchsspieler ein Traum wäre, einmal zu spielen. Aber momentan konzentriere ich mich lieber auf meine Entwicklung und möchte Schritt für Schritt weiterkommen.
RUNDSCHAU: Wenn du deinem zehnjährigen Ich, mit dem wir vor vier Jahren gesprochen haben, heute eine Nachricht geben könntest: Was würdest du ihm über seinen bisherigen Weg und seine großen Fußballträume sagen? Welche Ratschläge würdest du ihm geben?
Jona Walch: Ich würde ihm sagen: Glaub an dich und glaub weiter an deinen Traum, aber denk nicht, dass alles immer einfach sein wird. Es wird schöne Momente geben, aber auch Verletzungen, Rückschläge und Spiele, in denen nichts funktioniert. Davon darfst du dich nicht unterkriegen lassen. Arbeite weiter, hör auf deine Trainer und bleib trotzdem du selbst. Ich würde meinem zehnjährigen Ich auch sagen, dass es jeden Moment genießen soll. Als ich zehn Jahre alt war, hätte ich nie gedacht, dass ich einmal in einem Fußballinternat in Bayern leben, gegen zahlreiche Topmannschaften aus Europa spielen, bei internationalen Turnieren dabei sein und einen Platz im Sportleistungszentrum für Nachwuchsleistungssportler erhalten würde. Und vor allem würde ich ihm sagen: Hab Spaß am Fußball. Denn genau deswegen hast du überhaupt angefangen – weil du Fußball liebst.






