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Telfs | Chronik | 31. Mai 2021 | Gebi G. Schnöll

Bangen vor Wolf und Bär fängt nun wieder an

Bangen vor Wolf und Bär fängt nun wieder an<br />
Werner Leitner betreut gemeinsam mit Hündin „Lora“ die Tiere auf der Inzinger Alm. Den Sommer 2019 wird er in schlechter Erinnerung behalten. Ein Wolf hat damals 18 Zuchtschafe gerissen, die meisten Tiere gehörten ihm. RS-Foto: Schnöll
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2019 wurden auf der Inzinger Alm 18 Schafe gerissen – RUNDSCHAU sprach mit dem Almhirten über die „Wolfsnacht“

Der Almsommer steht unmittelbar bevor. Mit dem Viehauftrieb beginnt vor allem bei den Schafbauern das große Bangen vor den Beutegreifern Wolf, Bär & CO. In den vergangenen Jahren wurden landesweit hunderte Schafe gerissen. Alleine 2020 waren es 163 Schafsrisse, 118 Tiere sind als abgängig gemeldet. Werner Leitner bewirtschaftet die Inzinger Alm, vor zwei Jahren hat er über Nacht 18 Zuchtschafe verloren. Bestialisch zerfetzt von einem Wolf. Der RUNDSCHAU gegenüber spricht er Klartext: „Wenn der Wolf weiterhin ungehindert seinen Tötungstrieb ausleben kann, wird es bald keine Almwirtschaft mehr geben. Das wird uns als Tourismusland arg treffen!“
Von Gebi G. Schnöll

„Rund um Tirol gibt es Wolfspopulationen. Aufgrund des Vermehrungs- und Wanderungspotenzials und des hohen EU-Schutzstatus für große Beutegreifer werden wir es auf unseren Almen weiterhin mit großen Raubtieren zu tun haben. Damit wir den Almbewirtschaftern so gut wie möglich zur Seite stehen können, müssen wir uns in den befassten Landesabteilungen stärker aufstellen“, erklärte LH-Stv. Josef Geisler im Frühjahr in einer Presseaussendung. Mit fünf zusätzlichen Stellen in drei verschiedenen Abteilungen wolle man den Anforderungen Rechnung tragen. Um die Weidetiere auf den Almen vor Wolfsangriffen zu schützen, stellt das Land Tirol insgesamt eine Million Euro für Herdenschutzmaßnahmen zur Verfügung. Die ersten Projekte auf Schafalmen starten mit der heurigen Almsaison und werden seitens des Landes bei der Planung der Schutzmaßnahmen, der veterinärmedizinischen Betreuung der aufgetriebenen Tiere, bei der Schaffung der notwendigen infrastrukturellen Voraussetzungen sowie in organisatorischen und rechtlichen Fragen unterstützt. Um diese umfassenden Leistungen bieten zu können, wird eine Planstelle für die Koordination von Herdenschutzpilotprojekten geschaffen und das Team der Amtstierärzte, das auch das Monitoring und Rissbegutachtungen durchführten, aufgestockt. Weiter verstärkt wird auch die Zusammenarbeit mit der lokalen Jägerschaft. Eine jagdfachlich sachverständige Person sowie ein Wildbiologe sollen unter anderem allfällige Besenderungs- oder Vergrämungsversuche koordinieren und begleiten sowie Informations- und Schulungsarbeit leisten.

„Herdenschutz wird nicht funktionieren!“ „Der Herdenschutz wird nicht funktionieren. Schafe bewegen sich im Sommer im hochalpinen und felsdurchsetzten Gelände bis auf eine Höhe von mehr als 3.000 Metern hinauf. Da ist es unmöglich, Herdenschutzzäune und andere Wolfabwehrsysteme zu errichten“, kritisiert Werner Leitner, der das Problem mit dem Wolf ganz genau kennt. Der Oberperfer bewirtschaftet seit drei Jahren die Inzinger Alm, im Sommer 2019 zerfetzte ein Wolf im Almgebiet über Nacht 18 Schafe, der Großteil davon waren Zuchtschafe, die er und sein Bruder Markus mit viel Liebe aufgezüchtet haben. Ein Schaf und ein Lamm lebten noch, als sie von Werner Leitner gefunden. Beide Tiere waren durch die Wolfbisse derart schwer verletzt, dass nur eine Notschlachtung übrig blieb. Drei Schafe und acht Lämmer überlebten die Wolfattacke.

„Mit einem Schlag war alles kaputt!“ Rund 15.000 Euro betrug der materielle Schaden, der zum Teil vom Land Tirol abgegolten wurde. „Weit höher wiegt der ideelle Schaden. Wenn wir nicht noch einige Zuchtlämmer gehabt hätten, wäre eine Weiterführung der Schafzucht unmöglich gewesen. Die sogenannten Wolfschützer sollten einmal genau hinsehen, sie sollen sich die Bilder der Qual vor Augen führen, die Tiere erleiden müssen, wenn sie von einem Wolf bestialisch gerissen werden. Bei drei Schafen wurden die Wirbelsäulen abgebissen, die Knochen sind durch die enorme Beißkraft regelrecht zermalmt worden. Ein Schaf ist in der verhängnisvollen Nacht vor dem Wolf geflüchtet und einhundert Meter in den Tod gestürzt, auf der benachbarten Flaurlinger Alm hat der Wolf damals bei lebendigem Leib sechs Lämmer aufgerissen und die Herzen herausgefressen“, erinnert sich der Hirte an die schlimme Zeit zurück. Auf die Frage, was er fühlte, als er die bestialisch zugerichteten Schafe aufgefunden hat, erklärt Leitner, dass er am liebsten von allem davongelaufen wäre. „Mit einem Schlag war all das kaputt, was man mit viel Liebe und Elan aufgezüchtet hat!“ Er selbst stellt sich öfters die Frage, was kommt, wenn wegen ständiger Wolfsangriffe die Schafe auf den Alm- und Bergweiden weniger werden oder von dort ganz verschwinden? Seine Antwort: „Es wird keine Almwirtschaft und damit auch keine gepflegten Almen mehr geben. Politik und Tierschutz müssen erkennen, dass Wolf, Schakal, Bär und Luchs bei uns keinen Lebensraum vorfinden. Es wird nicht mehr lange dauern, dann werden die Wölfe in Rudeln auftreten, damit sind dann Angriffe auf Menschen vorprogrammiert. Schreibt bitte die Wahrheit, die viele nicht lesen wollen: Beutegreifer, die durch Tirol streifen und aus reinem Trieb Nutz- und Wildtiere bestialisch töten, müssen entnommen werden“, appelliert Werner Leitner. Kommenden Samstag ist Almauftrieb. Gemeinsam mit seiner Hündin „Lora“ wird der Hirte in den nächsten drei Monaten im Inzinger Almgebiet neben den Rindviechern auch rund 300 Schafe betreuen. Die Schafherden wird Leitner mit einer App überwachen. „Die Schafe sind auf den Bergweiden in Gruppen unterwegs. Bei drei, vier Schafen werde ich einen Sender anbringen. Über die Handy-App kann ich dann ausmachen, wo sich die Tiere bewegen. Wenn es hektisch wird, muss sofort reagiert werden. Es könnte wieder ein Beutegreifer unterwegs sein!“ 
 
Bangen vor Wolf und Bär fängt nun wieder an<br />
Eines der Schafe, das im Sommer 2019 im Gebiet der Inzinger Alm von einem Wolf angegriffen und bestialisch zerfleischt wurde. Foto: Gemeinde Inzing
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