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Die eigene „Krise“ ist nicht schnurzpiepegal

Abwegig-realistische Szenen und schwarzhumorig-gesellschaftskritische Darstellungen begeisterten das Publikum

Die Betthälfte neben ihm ist leer, als Victor (Stefan Jakubitzka) morgens aufwacht. Seine Frau Marie hat ihn verlassen. Gleich soll ihn ein zweiter Schicksalsschlag ereilen, die Kündigung. Was kann der Protagonist des Theaterstückes „Die Krise“ tun? Sich die Haare raufen, einfach aufgeben oder sich mit der eigenen prekären Situation beschäftigen? Die lebensnahe Komödie von Erfolgsautorin Coline Serreau ist heuer das Highlight im Theatersommer am Reasnhof. Die Premiere am Sonntag wartete mit skurrilen Begegnungen, kultigen Dialogen und französischem Witz auf. Fast dreißig Rollen stemmten die elf Darsteller.
17. Juni 2025 | von Christina Hötzel
Frau weg – die Kinder haben den Abschiedszettel auf dem Küchentisch gefunden – interessieren sich aber mehr für ihren Winterurlaub. RS-Foto: Hötzel
RS-Foto: Hötzel
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Victor, der privilegierte Schnösel, und Michou, der Proll, Wutbürger und Vielleicht-Rassist, sitzen plötzlich im gleichen Boot: ohne Job, ohne Frau. Ihre recht ruppige Odyssee beginnt, nachdem Victor für seine Firma zu teuer geworden ist, obwohl er einen wichtigen Prozess gewonnen hat. Michou kämpft mit seiner Wohnungslosigkeit, da er sein Zimmer der todkranken Schwägerin überlassen hat. Ziel- und planlos lebt er nach dem Motto: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.“ Aber ist er wirklich der Wutbürger und Rassist oder die personifizierte „Gelbweste“, die er vorgibt zu sein? Die zwei gegensätzlichen Protagonisten kommen nicht zur Ruhe, ob bei den Eltern, der Schwester oder den Vorgesetzten: Ein sicherer Hafen scheint nirgends in Sicht. Bis die geniale Idee zündet, dass man einander ja vielleicht helfen könnte, dauert es. Doch die Lust stirbt nie, auch das ist ganz klar Thema des Stücks. Victors Mutter ist da das beste Beispiel. Sie hat sich den zwanzig Jahre jüngeren Yogi aus der Nachbarschaft geschnappt und verlässt ihre Familie, und auch für Michou könnte ein spontanes Tête-à-tête vielleicht sogar den Ausweg aus seiner verfahrenen Situation bringen.

ALSO DOCH EINE CHANCE, DIESE KRISE? Das Publikum in Oberhofen bejubelte den ungebrochenen Spieltrieb der elf Darsteller Stefan Jakubitzka, Rom Hoffmann, Maria Kucera-Totschnig, Marcus Freiler, Andrea Breit, Richie Stöckel, Anna Gapp, Dieter Seelos, Tamara Baumann, Petra Hofer und Karl Fender. Unter der Regie von Luka Oberhammer kam wie gewohnt theatrale Vielfalt zum Einsatz. Die Handschrift ihrer Inszenierung gestaltet auch heuer wieder eine eigene Welt in den Reasnhof. Johannes Schlack konnte ebenso wieder für das Bühnendesign gewonnen werden, der es immer wieder aufs Neue versteht, den Reasnhof für Atmosphäre und Erzählfähigkeit auszustatten. Tickets und weitere Termine unter: www.theatergruppe-oberhofen.at
Die eigene „Krise“ ist nicht schnurzpiepegal
Michou und Victor stolpern von einer Krise in die nächste. Hier lernen sie gerade den zwanzig Jahre jüngeren Liebhaber von Victors Mutter kennen. RS-Foto: Hötzel
Die eigene „Krise“ ist nicht schnurzpiepegal
Eine makrobiotische Ernährung scheint auch nicht die Lösung zu sein. Schreikrampf, weil die Kinder den guten Wein und die „Foie gras“ weggeschmissen haben. RS-Foto: Hötzel
Die eigene „Krise“ ist nicht schnurzpiepegal
Maries Freundin weiß auch nicht, wo die Verschwundene ist, beklagt aber ihre kaputte Geige. RS-Foto: Hötzel

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