Umjubelte Premiere im Rathaussaal Telfs
Eine kurze Geschichte der Tiroler Menschheit in acht Bildern und einem Gral
8. Juli 2025 | von
Friederike Hirsch
Thomas Gassners neues Volksbühnenprojekt „Eine kurze Geschichte der Tiroler Menschheit in acht Bildern und einem Gral“ schaut mit viel Witz, Situationskomik und einem charmanten Augenzwinkern hinter die Geheimnisse unserer Landesgeschichte. Thomas Gassner zufolge begann die Geschichte der Menschheit nämlich in Tirol. Die Premierengäste erlebten eine manchmal wahnwitzige Reise mit viel Tiefgang durch die mehr oder weniger ruhmreiche Geschichte des „Heiligen Landes“ Tirol. Ob wir am Hauslabjoch das Schicksal eines Neolithen verfolgten, dem wir später den eigenartigen Namen „Ötzi“ gaben und der eigentlich Arcani hieß, wir dem Greindler Quirin seiner aufschneiderischen Kreuzzuggeschichte lauschten, wir der Polit-PR-Aktion des Kaisers Max in der Martinswand beiwohnten, uns die Berta Fischer aus Tux bei ihrer Generalprobe zur großen Freiheitsrede 1809 mitriss, wir zwei Kaiserjäger beim Wechseln ihrer letzten, berührenden Worte am Pasubio belauschten, wir dabei waren, wie drei Clowns und ein Affe aus dem Pustertal einen italienischen Zirkus sprengten und sich dabei einen Witz erzählten und schlussendlich, wie wir Zeugen wurden, wie der Gral mitten in einer aus dem Ufer geratenen Passionsspielprobe einer Tiroler Volksbühne landete – davon erzählt diese Geschichte.
8 EPISODEN UND 9 BÜHHNEN. Neun Volksbühnen, rund 50 Theaterbegeisterte aus dem ganzen Land, sind in Telfs zusammengekommen, um gemeinsam die Geschichte des im Heiligen Land verborgenen Grals zu erzählen. Seit das erste Wesen mit aufrechtem Gang vor 250 Millionen Jahren Tiroler Boden betreten hatte und von den damals einheimischen wirbellosen Wesen mit einem landesüblichen Empfang begrüßt worden war, beheimatet unser Land einen Gegenstand, der als „Gral“ in die Geschichte einging. Die Geschichte der Tiroler Menschheit ist eng mit eben dieser Entdeckung des Grals verbunden. Neun Bühnen entwickeln dazu unter der Gesamtleitung von Thomas Gassner nicht nur acht unterschiedlichste Episoden aus der Landesgeschichte, sondern schaffen es, einen roten Faden durch das Gewirr der Geschichte zu ziehen. Es lässt vergessen, dass es unterschiedliche Bühnen mit unterschiedlichen Regisseuren sind, die in beeindruckend homogener Spielweise, ohne die Stärken der einzelnen Bühnen zu vergessen, einen unvergesslichen Premierenabend auf die Bühne zauberten.
SZENENFOLGE. Die bühne.oberperfuss brachte „Das Mädchen“ oder „das Wesen“, wie es in der ersten Szene genannt wird, auf die Bühne. „Das Mädchen“ ist über das gesamte Stück hinweg präsent und trägt symbolisch den Gral von Zeitalter zu Zeitalter, bis er letztlich bei einer Passionsspielprobe entdeckt und seine Bedeutung (vielleicht) erkannt wird. Mit dem „Landesüblicher Empfang“ startete die Volksbühne Telfs souverän in die erste Episode. Schlag auf Schlag ging es dann bei „Gletscherkalbung“ (Stadtbühne Wörgl), zu „Kreuzzug ins Grumserlochtal“ (Theater im Team) bis zu „Wenn sie nur Kematen!“ mit der Kanzingbühne Flaurling. Mit der „Generalprobe zur Großen Freiheitsrede“, gezeigt von der Volksbühne Tux/Lanersbach, über „Keine Rose ohne Dornen“ (Theaterverein Thaur) zur Theaterwerkstatt Dölsach mit „Ein Affe und drei Clowns“ bis hin zur Schlussszene „Lass diesen Kelch an mir vorübergehen“ (Theaterbühne Arzl im Pitztal) zeigten die Bühnen, wie groß das Potenzial der unterschiedlichsten Dorf- und Volksbühnen ist. Rohdiamanten, die mit viel Witz, Liebe zum Spiel und einer gehörigen Portion Leidenschaft gemeinsam ein Stück zeigen, das in keiner Sekunde kippt. Unterstützt durch ein zauberhaft einfaches Bühnenbild, perfekte Lichtspiele und detailgetreue Kostüme war es ein Theaterabend, der noch lange im Gedächtnis bleiben wird.
Aufrecht gehen und Rückgrat haben, das wollen die einheimischen wirbellosen Wesen mit einem „Landesüblichen Empfang“ (Volksbühne Telfs) erreichen. Foto: Hirsch
Beim „Kreuzzug ins Grumserlochtal“ (Theater im Team) läuft nicht alles so wie geplant. Der edle Ritter schlägt nicht die Ungläubigen, sondern die Heiligen Drei Könige in die Flucht. Foto: Hirsch




















