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„Feuernacht“ und Festspielhaus

Die Tiroler Volksschauspiele haben nicht nur für die aktuelle Spielzeit viel vor und überschreiten Grenzen

Eine bombastische Spielsaison versprachen die Tiroler Volksschauspiele. Neben der Hauptproduktion „Feuernacht“, der gut etablierten Marathonlesung sowie dem feierlichen Eröffnungsakt im Rahmen des Telfer Dorffests rückt dabei auch die Zukunft des Festivals verstärkt in den Fokus. „Die Volksschauspiele brauchen ein Heimathaus“, verkündete der künstlerische Leiter Gregor Bloéb. Idealerweise läge dies im Zentrum von Telfs, man sei aber noch in der Ideenphase.
2. Juni 2026 | von Christina Hötzel
„Feuernacht“ und Festspielhaus
Künstlerischer Leiter Gregor Bloéb, Dramaturg Florian Hirsch und Regisseur
Thomas Gassner. Foto: Hötzel
Die Karten für die diesjährige Hauptproduktion „Feuernacht“ sind bereits ausverkauft. „Wir waren quasi im Dezember mit 20.000 Menschen ausverkauft. Wir hätten 40.000 Karten verkaufen können – 50.000“, betonte Bloéb. „Es ist einfach Wahnsinn, was da jetzt entstanden ist.“ Bei dem Stück führt Thomas Gassner Regie und Herbert Pixner komponiert eigens für die Produktion. „Feuernacht“ beschäftigt sich mit den Geschichten und Schicksalen der Menschen in Südtirol zwischen den späten 1930er und den 1960er Jahren. Ein explosiver, mitreißender Theaterabend über Courage und Zweifel, Verantwortung und Konsequenz, Flucht und Heimat, Freiheit und Identität. „Also, wenn man das Stück vom Felix hernimmt, dann ist es natürlich ein Sammelsurium an Niederschmetterheiten. Da wird ja gestorben ohne Ende. Und es zeichnet natürlich dieses Bild der Katastrophensituation wieder. Und es ist auch unheimlich emotional, weil man eben hineinschaut in die Konstellationen der Menschen und wie sie miteinander gelebt und getan haben. Da haben wir viel herumgebastelt“, beschrieb Regisseur Thomas Gassner. „Vielleicht erwarten die Menschen, dass wir irgendwelche Strommasten sprengen. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber es warten einige Überraschungen.“ Er wolle die Zuschauer spielerisch in einen Tunnel hineinlenken, in dem irgendwo Licht ist. „Alles, was der Zuschauer nicht live sieht, wird er durch die Augen von Kameras sehen. Wir werden ein Originalauto haben von 1961, einen Lancia Flavia, der über den Brenner fährt. Wir werden im Auto sein. Es gibt intimste Einblicke in diese Figuren und in ihre Art und Weise.“ Und Gregor Bloéb ergänzte: „Es wird mit Sicherheit ein großes Spektakel. Wir haben über 35 Darsteller auf der Bühne, dazu Musiker und Leute aus den Laienspielgruppen. Da geht es um Dynamik, es geht um Rhythmus, um Spannungsaufbau.“ Um dann den Faden weiterzuspinnen: „Es ist einfach eine sehr, sehr schöne Energie, die entsteht. Und jetzt stellt sich natürlich auch die Frage: Wie geht es weiter? Das Problem, das wir haben, ist: Wir haben ein großes Potenzial von Zuschauern und Zuschauerinnen, aber es wird einfach mittlerweile absurd. Gleichzeitig sind die Herstellungskosten pro Produktion unglaublich hoch. Jedes Jahr eine Bühne auf die grüne Wiese zu bauen, verschlingt ordentlich Geld“, erklärte der künstlerische Leiter, bevor er seine Idee für ein Festspielhaus anbrachte. Diese könne die langfristigere Planung erleichtern und einen Repertoirebetrieb ermöglichen.

CHRISTOPH FRANCESCHINI HÄLT DIE ERÖFFNUNGSREDE. In gewohnter Manier werden die Tiroler Volksschauspiele auch heuer im Rahmen des Telfer Dorffests (am 4. Juli, ab 16 Uhr) eröffnet. Als Festredner im Telfer Rathaussaal konnte der Investigativ-Journalist Christoph Franceschini gewonnen werden. „Es wird zum ersten Mal ein journalistischer Festredner sein, ein Kämpfer der Meinungsfreiheit, und er hat auch Dokumentarfilme über die Bombenjahre und auch über Herbert Pixner gemacht“, so Bloéb.

GRENZEN ÜBERSCHREITEN AUCH IN DER MARATHONLESUNG.  In diesem Jahr wird das Format in einer grenzüberschreitenden Kooperation mit den Vereinigten Bühnen Bozen neu aufgelegt. Ein Nord- und Südtiroler All-Star-Ensemble wird unter dem Titel „Flucht ohne Ende“ zweimal ausgewählte Texte von Joseph Roth lesen. Für die Lesung konnte erneut eine hochkarätige Besetzung gewonnen werden, darunter Tobias Moretti, Gerti Drassl, Anna Unterberger, Max Simonischek, Branko Samarovski und Christoph Luser. „Die Marathonlesung ist zu einem Fixpunkt der Volksschauspiele geworden. Ein echter Publikumsliebling. Wahrscheinlich ist genau das die Sehnsucht von heute — einmal nur dasitzen und große Geschichten hören. Wann hat man schon einmal die Möglichkeit, so vielen Ausnahmeschauspielerinnen und -schauspielern zu lauschen?“, meinte der Dramaturg Florian Hirsch. „Es freut uns natürlich immer, dass wir solche Granaten herbringen können oder dass es mittlerweile einfach so ist, dass sich die Granaten auch bei uns melden, ob sie nicht auch einmal dabei sein können“, freute sich Bloéb. Die Lesung findet am 19. Juli ab 11 Uhr im Großen Rathaussaal in Telfs statt.

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