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„Heimwärts“ – Erinnerung und Zukunft

Lesefestival „fabula rasa“ bringt „Erlesenes“ ins Oberland

Von 16. bis 18. September fand das Telfer Literaturfestival „fabula rasa“ bereits seine fünfte Auflage. Das spricht für das Engagement des Bücherei- und Spielothek-Teams unter Leitung von Nadja Fenneberg. Unter dem diesjährigen Motto „Heimwärts“ widmete sich die Veranstaltungsreihe zeitlosen Themen wie Erinnerung, Rückkehr und Neubeginn, fragte nach Herkunft und Zukunft, nach dem Vertrauten und dem Fremden. Und nach der Kraft der Worte, die all das verbindet.

22. September 2026
„Heimwärts“ – Erinnerung und Zukunft
Mit der Lesung aus Norbert Gstreins neuem Roman „Im ersten Licht“ eröffnete Telfs das Literaturfestival „fabula rasa“. V. l.: Norbert Gstrein, Nadja Fenneberg, Therese Schromm, Maria Waldhart und Klaus Zeyringer. Foto: Bundschuh
„Mit ‚fabula rasa‘ überschreiten wir bewusst Genregrenzen und schaffen Raum für unterschiedliche literarische Zugänge. Das zentrale Anliegen bleibt dabei unverändert: Menschen für Geschichten zu begeistern und gerade im ländlichen Raum hochwertige Lesungen sowie inspirierende Begegnungen mit Literaturschaffenden zu ermöglichen. Wir wollen eine Veranstaltungsreihe für alle, die Literatur nicht nur lesen, sondern erleben möchten – nahbar, aktuell und voller Leidenschaft“, erklärte Nadja Fenneberg.

Drei Tage der Literatur. „fabula rasa“ bietet höchst unterschiedliche literarische Genres und will Publikum jeden Alters ansprechen. Dabei geht es nicht nur darum, zuzuhören, sondern die Bücherei & Spielothek Telfs lud darüber hinaus zur Begegnung mit Autorinnen und Autoren ein. Den Auftakt machte dabei der aus dem Tiroler Oberland stammende Schriftsteller Norbert Gstrein, der seinen neuen Roman „Im ersten Licht“ vorstellte. Die Moderation des Eröffnungsabends oblag Klaus Zeyringer, Professor für Germanistik und Literaturkritiker, der dem Auditorium mit großem Geschick Einblick in das „Uhrwerk“ des Romans gab. Am zweiten Abend war die vielfach ausgezeichnete österreichische Autorin Renate Welsh als Gast geladen. In „Ich fall mir selbst ins Wort“ setzte sie sich literarisch mit Erinnerung, Kindheit und den Spuren des eigenen Lebens auseinander. Im Gespräch mit Verleger Benedikt Föger ging es an diesem Abend auch um das Lebenswerk der Autorin. Auch an das junge Publikum wendete sich fabula rasa: Der deutsche Schreibende und Spieleerfinder Jens Schumacher hielt Schullesungen rund um seine „black stories“. Gefragt sind dabei Teamgeist, Spürsinn und Freude am Rätseln. Am vergangenen Freitag gab es dann einen „Ohrenschmaus“ für Krimifans, zubereitet von Bernhard Aichner. Für die Premierenlesung von „Totenfrau – Die Rückkehr“ war fabula rasa in den Rathaussaal übersiedelt. Die Rückkehr der Bestatterin Brünhilde Blum wurde von „den Köhlern“ musikalisch begleitet.

Im ersten Licht. „Im Ersten Weltkrieg haben die Angriffe in der Regel im ersten Licht des Morgens begonnen, sind die jungen Männer aus den Schützengräben herausgekommen. Diese Erschießungen, wenn Juden aus den Häusern geholt wurden, sind auch häufig im Morgengrauen geschehen und im dritten Teil gibt es einen englischen Soldaten, der wegen Feigheit vor dem Feind hingerichtet wird. Auch diese Hinrichtungen haben im Morgengrauen stattgefunden, sodass dieser sehr helle, sehr positive Titel, wenn man den Roman gelesen hat, eine Metapher für die schlimmsten Augenblicke in Kriegen ist“ (nach Norbert Gstrein). Der frisch mit dem Siegfried-Lenz-Preis ausgezeichnete Tiroler Autor Norbert Gstrein gehört zu den bedeutendsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Gstrein eröffnete das Literaturfestival mit seinem aktuellen Roman „Im ersten Licht“ – einem eindringlichen Buch über Krieg, Erinnerung, Schuld und menschliche Verantwortung. Mit präziser Sprache und moralischer Tiefenschärfe erkundet er Geschichte, Erinnerung und Verantwortung. Erzählt wird eindringlich von den langen Schatten des Krieges und den Grauzonen menschlichen Handelns.

Zwischen Geborgenheit und Propaganda. Ergänzt wurde das Festivalprogramm durch die Präsentation „Heimat zwischen Geborgenheit und Propaganda“ der Telfer Ortschronistin Lea Burgstaller. Beleuchtet werden der Begriff Heimat und dessen Instrumentalisierungen in Kriegszeiten. Im Fokus stehen dabei Feldpostbriefe und die Sehnsucht nach einer sicheren Rückkehr.
„Heimwärts“ – Erinnerung und Zukunft
Der aus dem Ötztal stammende Autor zählt zu den bedeutendsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Foto: Bundschuh

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