Hommage an (fast) vergessene Künstlerin
Ausstellung „Mir ist die Martinswand ins Gesicht geschrieben“ von Renate Krauss in Kematen
16. September 2025 | von
Friederike Hirsch
LH Anton Mattle und Kuratorin Annemarie Schermer in angeregtem Gespräch, ob es sich bei den gemalten Personen um Männer oder Frauen handelt. Foto: Hirsch
Zahlreiche Interessierte waren zum feierlichen Auftakt der Ausstellung „Mir ist die Martinswand ins Gesicht geschrieben“ am Dorfplatz gekommen. In der illustren Gästeschar aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kunst konnte der Bürgermeister Klaus Gritsch unter anderem Dekan Dariusz Hrynyszyn, Landeshauptmann Toni Mattle, Landeshauptmann a. D. Herwig van Staa, Präsident des European Forum Alpbach Othmar Karas und Kathrin Eberle, Bezirkshauptfrau Innsbruck, in Kematen willkommen heißen. Musikalisch begleitet von den Jungmusikanten der Musikkapelle Kematen und kulinarisch getoppt von den Ortsbäuerinnen erhielten die Gäste einen ersten Eindruck in das Werk der Künstlerin Renate Krauss und in den Inhalt der Ausstellung. Alte Dorfansichten in frühen Zeichnungen von Krauss sind im Kornkasten am Dorfplatz zu sehen, und die enorme Vielfalt im Lebenswerk von Renate Krauss von der Studienzeit an bis zu den späten Jahren wird in der Südtiroler Siedlung gezeigt. Die Kemater Künstlerin hat selbst viele Jahre in der Siedlung gewohnt und in der Familienwohnung gearbeitet, nachdem sie vom Kunststudium in Wien in ihren Kindheitsort zurückgekehrt war.
RENATE KRAUSS. Manchen als Faktotum in Erinnerung und vielen anderen vielleicht gar nicht bekannt, war sie eine hervorragende Malerin und Zeichnerin und Verfasserin von Texten mit erstaunlich poetischer Kraft. „Viele von uns haben sie gekannt, oft mit einem Liedchen trällernd auf ihrem Fahrrad durch das Dorf brausend. Hinten hat sie einen Korb gehabt, mit ihrem Einkauf oder ihren Malerutensilien, und den Strohhut auf“, erinnert sich Bürgermeister Klaus Gritsch in seinen einleitenden Worten. Will man sie mit weiteren Attributen beschreiben, so wären es wohl die Adjektive „launisch, manchmal nachtragend und stur“. Bei denen, die sie persönlich kannten, wird sie als Naturliebhaberin und als besondere, außergewöhnliche Künstlerin mit einem großen Herz für die Kinder und die Schwächsten in der Gesellschaft beschrieben. Ihr lebenslanger Unterstützer Herwig van Staa: „Sie war nicht wirklich lebenstüchtig, sie hatte es schwer mit vielen harten Zeiten, aber sie war eine ganz besondere Künstlerin.“ Unzweifelhaft eine Künstlerin, die abseits damals anerkannter Frauenrollen ein Leben ganz für die Kunst lebte. Annemarie Schermer (Kuratorin des Renate-Krauss-Nachlasses): „Wer sie persönlich kannte, kann bunte Geschichten erzählen von der Krauss Renate, der Malerin im Dorf.“ Und weiter: „Für ein Verständnis ihrer Arbeit hat sie nie geworben.“
DIE AUSSTELLUNG. Die nun eröffnete erste Ausstellung aus dem Nachlass gibt Einblick in das Lebenswerk der Künstlerin. Das unendliche Themenfeld Natur, das sie ein Leben lang beschäftigte, wird in der Südtiroler Siedlung eindrucksvoll in Szene gesetzt. Kuratorin Annemarie Schermer hat mit viel Bedacht, Einfühlungsvermögen und Herzblut eine Ausstellung in den alten Wohnräumen der Künstlerin gestaltet, die nicht nur Einblicke in das Lebenswerk der Künstlerin, sondern auch in ihre Seelenlage bietet. Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken aus allen Schaffensperioden sind nicht nur sorgfältig und bis in das letzte Detail, sondern auch liebe- und verständnisvoll zusammengestellt und rücken die außergewöhnliche Frau und Künstlerin Renate Krauss ins verdiente Licht. Die Ausstellung zeigt eine Künstlerin, die ihr Leben der Kunst gewidmet hat und deren Werk tief in der Landschaft und den Menschen ihres Heimatortes verwurzelt und dennoch weit über Österreichs Grenzen hinaus bedeutsam ist. Ein loses Rahmenprogramm umspannt die Ausstellung, die noch bis 12. Oktober zu sehen ist. Dazu wird es unter anderem eine Lesung aus dem literarischen Nachlass der Künstlerin geben.
Kunstmäzen und Unterstützer der Künstlerin Herwig van Staa mit Othmar Karas (Forum Alpbach) Foto: Hirsch

