Lebendigkeit sichtbar machen
Woche der Tiroler Literatur macht in Telfs halt
25. März 2026 | von
Peter Bundschuh
Robert Prosser wandelte die Lesung aus seinem Roman „Das geplünderte Nest“ zur Performance, wobei Text und Rhythmus miteinander verschmolzen. Foto: Peter Bundschuh
Mit der Woche der Literatur initiierte die „IG Autorinnen Autoren Tirol“ erstmals eine landesweite Schwerpunktwoche, die die Vielfalt, Stärke und Lebendigkeit der Tiroler Literaturszene ins Zentrum rückt. Ziel war es, Literatur aus Tirol in ihrer ganzen Pluralität sichtbar zu machen – einem bunten Fächer gleich: von Lyrik bis Kriminalliteratur, von Slam Poetry bis Schauspiel, von etablierten Autorinnen und Autoren bis hin zu neuen Stimmen. Bibliotheksleiterin Nadja Fenneberg begrüßt: „Herzlich willkommen zu diesem besonderen Leseabend in der ,Woche der Tiroler Literatur‘ mit dem Autor Robert Prosser und dem Schlagzeuger und Komponisten Lan Sticker.“ Gemeinsam mit Lan Sticker präsentierte Prosser eine literarisch-musikalische Performance zu seinem Roman „Das geplünderte Nest“. Die Performance als Gesamtkunstwerk ging weit über eine herkömmliche Lesung hinaus, denn in der Performance-Lesung wurde der Text durch das Schlagzeugspiel rhythmisch und klanglich erweitert. Sprache und Musik traten in einen intensiven Dialog und machten Literatur als sinnlich-körperliches Erlebnis erfahrbar.
VON TEXT UND RHYTHMUS. Der Tiroler Robert Prosser, geboren 1983, studierte Komparatistik und Kultur- und Sozialanthropologie in Innsbruck und Wien. Er arbeitet als Autor, Essayist und Performancekünstler. Seine bekanntesten Romane sind „Phantome“ und „Verschwinden in Lawinen“. Prossers Schreiben ist von Recherche und Beobachtung geprägt, auch spielt der Klang der Sprache eine wichtige Rolle in seinem künstlerischen Schaffen. Gemeinsam mit Prosser gestaltete der im zweisprachigen Teil Kärntens aufgewachsene Lan Sticker als Musiker den Leseabend. Sticker studierte Jazz-Schlagzeug in Linz und arbeitet in verschiedenen Projekten. Stilistisch ist er zwischen Jazz, improvisierter Musik und interdisziplinären Bühnenformaten angesiedelt. Gemeinsam entwickelten Robert Prosser und Lan Sticker literarisch–musikalische Performances, in denen Text und Rhythmus miteinander verschmelzen. Die Sprache wird dabei zu Klang, die Musik zu einem Resonanzraum für die Erzählung.
„DAS GEPLÜNDERTE NEST“. Was im Libanon der Gegenwart seinen Ausgang nimmt, führt zurück in ein Tiroler Bergdorf am Ende des Dritten Reichs: Aus einer Reportage über die Kunstszene in Beirut wird eine Reise durch die dunkle Vergangenheit der eigenen Familie. Eine Geschichte über Mitläufer und Deserteure, über Widerstand und die Frage, was uns helfen kann, Mensch zu bleiben.
EIN ROMAN VON STILLER WUCHT. „Durch die Zweige glimmen die erhellten Fenster eines Hauses weit weg. Der Wind greift in das Astwerk und die Lichter tanzen, der Frühling lässt sich schon erraten. Flo steht über das Schloss der Kellertür gebeugt, ich passe auf, dass uns niemand entdeckt. Richtung Westen öffnen sich die Berge zum Inntal hin, ein breiter Einschnitt im Felsmassiv. Früher, wenn ich spätnachts auf den dunklen Talschluss zuging, zuwankte, mit jedem Schritt tiefer im Schwarz und näher daheim, drehte ich mich manchmal um und glaubte beim Blick auf diese Lücke im Gebirge, dass ich da hindurch einmal verschwinden würde, in die Welt hinaus.“ An anderer Stelle: „Rami und er: der Sprayer in einer Stadt im Abseits und Lenz, aus dem Krieg in das Abseits des Dorfes geraten. Die klaren Linien von Ramis Graffitis, das Irrlichtern von Lenz. Der eine brachte mich zurück zum anderen …“

