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Long way home 2023

Thomas Widerin radelte von Alaska nach Österreich

Der sportliche Tiroler Thomas Widerin ist bei seiner Soloreise mit dem Gravelbike und Zelt über vier Kontinente, 35 Länder, 32.250 Kilometer – davon 137.450 Höhenmeter bergauf – in 429 Tagen und Nächten tief eingetaucht in die Welt eines Radabenteurers. Über die Faszination ferner Länder, außergewöhnlicher Menschen, die geheimnisvolle Welt der (Raub-)Tiere, aber auch körperliche und psychische Grenzen, abgesehen von praktischen Reisetipps, berichtet er am vergangenen Samstag im Kulturhaus Ganghofermuseum in Leutasch. Die Zuhörer waren gebannt von seiner packenden Multimedia-Schau mit ausschließlich selbst gemachten Fotos und Videos mittels Handy, Kamera und Drohne.
12. Jänner 2026 | von Friederike Bundschuh
Long way home 2023
Thomas Widerin entführte die zahlreichen Besucher im Leutascher Kulturhaus Ganghofermuseum auf eine Weltreise der besonderen Art. Foto: Bundschuh
Thomas Widerin war 36 Jahre lang Polizeibeamter, wurde Weltmeister im Polizei-Achtkampf und flog mehr als 3.000 Rettungseinsätze als Flugretter in einem ÖAMTC-Notarzthubschrauber. So weit, so sportlich. Aber warum radeln? „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass auch ich einmal ‚süchtig‘ werden würde. Aber leider ist es passiert – ich wurde angesteckt und möchte nicht geheilt werden von dieser Sucht“, so Widerin. Im Jahr 2006 begann die erste Radreise in den USA, von New York bis zur Golden Gate Bridge. Nach diesen zwei Monaten hatte es ihn voll erwischt, weitere Radabenteuer folgten, bis die bislang längste Reise begann.

VON ALASKA BIS ÖSTERREICH. „Warum von Alaska losradeln?“, fragte die RUNDSCHAU. „Ich wollte einfach vom entlegensten Punkt aus starten, außerdem bin ich einmal dort gescheitert, das war auch ein Ansporn, dort noch einmal zu beginnen.“ Zunächst geht es den Alaska Highway entlang, begleitet von den dort lebenden Wildtieren, der schlechten Versorgungslage und natürlich der täglichen Suche nach einem geeigneten Zeltplatz. Denn man beachte: „Ich musste dort jeden Tag, nachdem ich mein Essen gekocht hatte, noch rund eine Stunde radeln, weil die wilden Tiere, wie zum Beispiel Schwarzbären, nichts erschnüffeln dürfen. Auch im Zelt darf nichts liegen, auch keine verschwitzte Kleidung. Also alles gut verpackt im Umkreis aufhängen und das Zelt nie am Waldrand aufstellen, immer auf einem freien Feld.“ Weiter ging es nach Nordamerika, dort von Port Angeles über Astoria, Pacific City, San Francisco und Los Angeles, bis Las Vegas und Phoenix.

ZENTRAL-, SÜDAMERIKA, AFRIKA, EUROPA. Thomas nimmt einen Flug nach Cancún und beginnt, den mittel- und südamerikanischen Kontinent zu erobern. Mit im rund 40 Kilo Gepäck ohne Getränke sind 200 spanische Vokabeln, die ihm im Alltag weiterhelfen. Er radelt durch Belize, Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua, Costa Rica bis Panama, fliegt nach Lima und startet später in Chile die wohl bisher schwerste Aufgabe der Reise, nämlich die Überquerung der Anden. Nachdem auch das geschafft ist, geht’s weiter über Paraguay, Argentinien bis nach Rio de Janeiro in Brasilien. Von dort fliegt Thomas nach Südafrika, radelt über Botswana, Simbabwe, Sambia und Tansania nach Kenia und nimmt in Nairobi einen Flug nach Marokko. Denn: „Durch die Sahara radle ich nicht.“ Von Marokko geht’s hinüber nach Spanien, von Santander mit der Fähre nach England. Er besucht unter anderem Stonehenge und London, nimmt eine Fähre weiter nach Rotterdam in den Niederlanden, radelt durch Deutschland und schließt den Kreis an der österreichischen Grenze nahe Ried im Innkreis, um an seinem Ziel Salzburg anzukommen. Thomas meistert auf dieser Reise Unvorhergesehenes, insbesondere Begegnungen mit einer Bärenfamilie oder Elefanten, übersteht einen Lkw-Crash, kämpft gegen diverse Insekten, übersteht einen Sandsturm und Dauerregen und lernt trotz bester Vorbereitung vieles für sein weiteres Leben.

ORGANISATION. Die gesamte Vorbereitung nahm zwei bis drei Jahre in Anspruch. „Die körperliche Konstitution steht nicht so sehr im Fokus, das kann jeder durchschnittlich trainierte Hobbysportler mit einem stabilen Grundlevel schaffen. Die Ausdauerleistung kommt von selber nach ein paar Wochen. Das Problem bei so einer Reise ist die psychische Belastung. Man ist immer allein und muss sich allein zu helfen wissen. Das Anstrengendste auf der Reise ist das ganze Drumherum. Weil man jeden Tag bewältigen muss. Weiters gibt es viele Punkte zu beachten, wie den medizinischen Check bis hin zu den Zähnen oder Impfungen. Notfallkontakte müssen eingerichtet werden. Die Route muss geplant werden. Ich hatte von allen Ländern Straßenkarten mit. Man braucht Topmaterial, das Rad muss gut sein, die Taschen wasserdicht, Alljahresbekleidung, Zelt, Matte, Schlafsack, Kocher, Ersatzmaterial plus Werkzeug fürs Gravel-Bike, denn ich musste alles zum Leben und Wohnen mitnehmen. In der hinteren linken Tasche war das Radlzeug mit Bekleidung, in der rechten Tasche war Freizeit. Oben drüber Leben und Zelt. Vorne rechts war alles, was mit Ersatz, Medikamenten, Erster Hilfe, Werkzeug etc. zu tun hat, und links die Fotoausrüstung bis hin zu Stativ und Drohne. Während der Reise geht es dann täglich um die weitere Strecke, die Infrastruktur, die richtige Landkarte muss griffbereit sein.“ Und viele weitere praktische Tipps und Tricks, die Thomas Widerin in seinem faszinierenden Reisebericht weitergibt. Der Autor von vier Büchern bedankt sich sehr bei seiner Lebensgefährtin Silvia. „Ohne ihre Unterstützung wäre diese Reise mit großer Wahrscheinlichkeit nicht möglich gewesen.“ Und auch Sponsoren haben ihren Beitrag geleistet. Widerin: „Ich bin dankbar, dass ich ein derartiges Abenteuer machen durfte und gesund nach Hause gekommen bin. Und noch etwas spüre ich in mir: Demut.“ Weitere Informationen zu seinen Radreisen und Terminen siehe www.thomas-widerin.at
Long way home 2023
Das Gravelbike ist mit rund 40 Kilo ohne Getränke bepackt. Es muss alles zum Leben, Wohnen, Kochen, Reparieren oder Dokumentieren mit. Ganz abgesehen von Medikamenten, Erste-Hilfe-Equipment, Straßenkarten etc. Foto: Bundschuh

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