Artikel teilen
Artikel teilen >

Vom Maltisch zum Schreibtisch und zurück

Autor Bernhard Aichner begeisterte mit seiner Vernissage „Linien“ in den Raiffeisengalerien Telfs

Der renommierte Tiroler Autor und bildende Künstler Bernhard Aichner präsentiert in den Raiffeisengalerien Telfs seine neuesten Kalligrafien. Vorstandsvorsitzender Andreas Wolf eröffnete die Ausstellung „Linien“ mit den Worten: „Ein besonderer Abend mit einem besonderen Künstler.“ Der Künstler selbst begeisterte die zahlreichen Kunstinteressierten mit seiner lebensfrohen, authentischen Art. Eine Vernissage voller Sätze, Wörter, Buchstaben und Emotionen.
3. Feber 2026 | von Friederike Hirsch
Vom Maltisch zum Schreibtisch und zurück<br />
Vorstandsvorsitzender Andreas Wolf, Irene Heisz, Künstler Bernhard Aichner und Vorstandsvorsitzender-Stellvertreter Hubert Kuprian (v. l.) waren bei der Vernissage von den Kunstwerken begeistert. Foto: Hirsch

Seit mehr als 40 Jahren sind die Raiffeisengalerien in Telfs Treffpunkt renommierter Künstler aus ganz Österreich und auch Plattform für junge, regionale Kunstschaffende. An die 80 unterschiedlichste Ausstellungen lockten in den letzten Jahrzehnten Interessierte in den ersten Stock der Raiffeisenbank. Mit einem Hauch von Wehmut eröffnete am vergangenen Donnerstag Vorstandsvorsitzender Andreas Wolf die Vernissage zur letzten Ausstellung im alten Gebäude. Es war ein würdiger Abschied mit einem besonderen Künstler.

DER KÜNSTLER. Der Tiroler Bernhard Aichner (1972) schrieb mehrere Hörspiele und Romane, bis er 2014 mit seinem Thriller „Totenfrau“ den internationalen Durchbruch als Autor feierte. Seine Bücher wurden in 16 Sprachen übersetzt, die „Totenfrau“-Trilogie von Netflix und dem ORF verfilmt. Mit einer Million verkauften Exemplaren zählt Aichner mittlerweile zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Thrillerautoren. Er hat zahlreiche Preise und Stipendien erhalten. Über die Literatur hinaus ist er seit Jahren auch als bildender Künstler erfolgreich.

SPRACHE UND SCHRIFT. Aichner pflegt einen außergewöhnlichen Zugang zu Sprache und Schrift. Seine rasante, bildhafte Erzählweise entwickelt einen Sog, der die Leser unaufhaltsam in ihren Bann zieht und intensiv mitfühlen lässt. Seine Protagonisten kämpfen unbeirrt ums Überleben, authentisch, emotional und mitreißend. Literarisch hat er, um es mit Kriminologen-Sprache zu sagen, seine Signatur gefunden. Aber nicht nur sein unverwechselbarer Ton, mit dem er seine Geschichten erzählt, ist zum Markenzeichen geworden. Bis heute schreibt der Autor von Hand und skizziert jede Szene zunächst auf Papier. Durch diese bedächtige Arbeitsweise schafft er eine besondere Nähe zu seinen Figuren. Seine Handschrift ist Ursprung, Werkzeug und Ausdruck zugleich.

KALLIGRAFIEN. In seiner bildnerischen Arbeit widmet sich Aichner der Kalligrafie und rückt wiederum Schrift ins Zentrum seiner Arbeiten. Auch hier bestimmt seine eigene Signatur seine Werke. „Ich male mit meiner eigenen Schrift“, so Aichner im Künstlergespräch mit Irene Heisz. Um bei der Terminologie der Kriminalisten zu bleiben: Seine Handschrift ist sein Fingerabdruck. „Meistens steht ein Satz oder stehen Sätze aus meinen Büchern am Anfang meiner bildnerischen Arbeiten“, so Aichner weiter. Er zerlegt Sätze, Wörter, Buchstaben in Einzelteile, setzt sie neu zusammen, spielt mit Form, Untergrund und Farbe. Abgehoben vom Zwang der Deutbarkeit experimentiert Aichner mit existierenden Schriftsystemen, erschafft aber auch sein individuelles Alphabet aus Zeichen. Ganz im Gegensatz zu seinen literarischen Werken entzieht er den Sätzen konsequent ihre Lesbarkeit. Gerade dadurch wird man in seine Kalligrafien ebenso unaufhörlich hineingezogen wie in seine Bücher. Wie seine Bücher offenbaren und verbergen seine Kalligrafien zugleich. Es scheint fast so, als ob das eine ohne das andere nicht vollständig wäre. Es sind Lieblingssätze aus Aichners Romanen, die da auf der Leinwand stehen. „Es ist mein literarisches Herzblut, mit dem ich auf Papier male“, sagt Aichner. Die Ausstellung ist bis 30. April geöffnet.
Vom Maltisch zum Schreibtisch und zurück<br />
Anja Moschen (Gesang) und Johannes Trieb (Klavier) lieferten die stimmungsvolle musikalische Umrahmung. Foto: Hirsch
Vom Maltisch zum Schreibtisch und zurück<br />
Bernhard Aichners Kalligrafien erinnern an archaische Systeme wie Hieroglyphen. Transportieren Emotionen statt Informationen. Foto: Hirsch
Vom Maltisch zum Schreibtisch und zurück<br />
Die Vernissage „Linien“ von Bernhard Aichner stieß auf reges Interesse. Eine Vernissage voller Sätze, Wörter, Buchstaben und Emotionen. Foto: Hirsch

Feedback geben

Feedback abschicken >
Nach oben
Wir verwenden Cookies, Tracking- und (Re-) Targeting-Technologien. Damit wollen wir unsere Webseite nutzerfreundlicher gestalten und fortlaufend verbessern. Wenn Sie unsere Webseite weiter nutzen, stimmen Sie dadurch der Verwendung von Cookies zu – ausgenommen sind Cookies für Google-Marketing-Produkte.
Einverstanden
Weiter ohne Google-Marketing-Produkte.
Weitere Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.