„Winterschlaf“ von Mario Petuzzi
Telfer Autor stellt seinen Debütroman in der Bücherei & Spielothek Telfs vor
Dass literaturinteressiertes Publikum seinen Weg in die Bücherei & Spielothek Telfs findet ist bekannt, am vergangenen Freitag wurde aber wohl der Besucherrekord gebrochen. Dabei waren nicht nur erklärte „Bücherwürmer“ und „Leseratten“ anwesend, sondern auch Menschen, die dem Telfer Mario Petuzzi zu seinem Erstlingsroman „Winterschlaf“ (im Verlagshaus Diogenes erschienenen) gratulieren wollten. Und außerdem wurde die Bücherei & Spielothek als „Bücherei des Jahres 2026“ mit dem Österreichischen Büchereipreis ausgezeichnet. Das weist schon auf die abwechslungsreiche Gestaltung der Leseabende mit Gespräch, Buchauszügen und Musik hin. Denn: „Nur lesen kann jeder dahoam a“, meint Büchereileiterin Nadja Fenneberg, und Gitarrist Frajo Köhle begleitete die Literaturveranstaltung mit einem höchst originellen Gitarrenprogramm.
7. Oktober 2026
Nicht nur Büchereileiterin Nadja Fenneberg, sondern auch das zahlreich erschienene Publikum möchte von Autor Mario Petuzzi Einiges zu seinem Buch ganz genau wissen. Foto: Bundschuh
In einem abgelegenen Hof in den Alpen lebt eine Mutter mit ihren Zwillingskindern und deren Großvater. Von Frühling bis Herbst besteht der Erwerb der Familie in den Traum-Weissage-Sitzungen der Mutter. An diesen besteht großes Interesse, das vom Großvater geschickt vermarktet wird. Voraussetzung ihrer Hellsichtigkeit ist, dass die Mutter den gesamten Winter hindurch schläft, also einen nur von minimalen Wachphasen zur Nahrungsaufnahme unterbrochenen Winterschlaf, ähnlich dem von Tieren, hält. Für diesen Ausnahmezustand zieht sie sich in den Keller zurück und überdauert die Monate träumend. Erwachen im Frühjahr, Erstarken während des Sommers, Herbstmüdigkeit und wieder Schlaf. So vergehen die Jahre in dieser befremdlichen aber doch sehr konkret beschriebenen und im Heute angesiedelten Welt. Dann in einem Sommer, die Kinder sind zehn Jahre alt, ändert sich alles.
Magisch, märchenhaft, schauerlich. Eigentlich ein recht schlichter Plot in einem mehr oder minder vier Personen Stück, plus eines Deutschen, alles vor sich kaum wechselnder Kulisse auf 233 Seiten. Nicht so aufregend, oder doch? Der Autor nimmt sein Publikum mit in eine Zwischenwelt, ein schauderhaft schillerndes Märchen tut sich auf und Bilder entstehen, die gekommen sind, um hartnäckig im Kopf zu verweilen, ob man es nun will oder nicht. Dazu gelingt es Petuzzi einen „roten Faden“ durch abwechselnd fantastische, dann wieder realitätsnahe Abläufe zu ziehen, die einer absolut schrägen Geschichte ein Gerüst geben, der Absurdität Klarheit vermitteln und dadurch der Leserschaft entgegenkommen. In „Winterschlaf“ bestimmt der Erzählfluss die Erzählweise. Auch wer einen kurz strukturierten nicht verschachtelten Satzaufbau ganz ohne „Firlefanz“ mag wird den ersten Petuzzi-Roman in seiner kompakten sprachlichen Dichte mit Freude lesen. Erzählperspektive und Sichtweise der Hauptfiguren werden ohne „ausfransende“ Umwege beibehalten. Geschrieben ist „Winterschlaf“ aus einer „Wir-Perspektive“ des namenlosen, immer zu zweit agierenden Zwillingspaares, der „einen“ und des „anderen“. Der Bub und das Mädchen bilden ein in sich geschlossenes Doppelwesen, wobei alles außerhalb dieser Zweisamkeit fremd bleibt. Nicht nur zwischen den Protagonisten, sondern auch den „Nebenrollen“ des Romans und dem Leser steht eine gläserne Wand, keine der Figuren kommt näher, alles verweilt in dieser halbdurchlässigen Fiktion zwischen Sein und Schein. Passend zur Gesamtstimmung gibt es keinen wirklichen Sympathieträger in dieser Geschichte, ein durchaus gelungener, beunruhigender „Schachzug“. Also ist „Winterschlaf“ ein Märchenthriller, aber dieses literarische Genre gibt es eigentlich nicht, da muss man sich halt was Neues einfallen lassen. Und dankbar darf man für die Lücken und Unklarheiten sein, die uns Mario Petuzzi zugesteht, denn die lassen Spielraum für die Interaktion zwischen Text und Leser.
Mario, ein Bub aus Telfs. Mario Petuzzi, geboren 1989, ist in Telfs aufgewachsen und hat in Innsbruck und São Paulo Wirtschaft, Management und Vergleichende Literaturwissenschaft studiert. Vielen Telferinnen und Telfern ist er vom Bankschalter, vom Fußballplatz oder vom Telfer Schleicherlaufen her bekannt. Weniger bekannt in seiner Heimatgemeinde sind womöglich seine Aktivitäten beim Klagenfurter Literaturkurs und der Prosawerkstatt des Literarischen Colloquiums in Berlin. Das alles führte schlussendlich dazu, dass sein kürzlich erschienener Debütroman „Winterschlaf“ in der Bücherei & Spielothek Telfs an einem durch und durch gelungenen Leseabend vorgestellt werden konnte.
Magisch, märchenhaft, schauerlich. Eigentlich ein recht schlichter Plot in einem mehr oder minder vier Personen Stück, plus eines Deutschen, alles vor sich kaum wechselnder Kulisse auf 233 Seiten. Nicht so aufregend, oder doch? Der Autor nimmt sein Publikum mit in eine Zwischenwelt, ein schauderhaft schillerndes Märchen tut sich auf und Bilder entstehen, die gekommen sind, um hartnäckig im Kopf zu verweilen, ob man es nun will oder nicht. Dazu gelingt es Petuzzi einen „roten Faden“ durch abwechselnd fantastische, dann wieder realitätsnahe Abläufe zu ziehen, die einer absolut schrägen Geschichte ein Gerüst geben, der Absurdität Klarheit vermitteln und dadurch der Leserschaft entgegenkommen. In „Winterschlaf“ bestimmt der Erzählfluss die Erzählweise. Auch wer einen kurz strukturierten nicht verschachtelten Satzaufbau ganz ohne „Firlefanz“ mag wird den ersten Petuzzi-Roman in seiner kompakten sprachlichen Dichte mit Freude lesen. Erzählperspektive und Sichtweise der Hauptfiguren werden ohne „ausfransende“ Umwege beibehalten. Geschrieben ist „Winterschlaf“ aus einer „Wir-Perspektive“ des namenlosen, immer zu zweit agierenden Zwillingspaares, der „einen“ und des „anderen“. Der Bub und das Mädchen bilden ein in sich geschlossenes Doppelwesen, wobei alles außerhalb dieser Zweisamkeit fremd bleibt. Nicht nur zwischen den Protagonisten, sondern auch den „Nebenrollen“ des Romans und dem Leser steht eine gläserne Wand, keine der Figuren kommt näher, alles verweilt in dieser halbdurchlässigen Fiktion zwischen Sein und Schein. Passend zur Gesamtstimmung gibt es keinen wirklichen Sympathieträger in dieser Geschichte, ein durchaus gelungener, beunruhigender „Schachzug“. Also ist „Winterschlaf“ ein Märchenthriller, aber dieses literarische Genre gibt es eigentlich nicht, da muss man sich halt was Neues einfallen lassen. Und dankbar darf man für die Lücken und Unklarheiten sein, die uns Mario Petuzzi zugesteht, denn die lassen Spielraum für die Interaktion zwischen Text und Leser.
Mario, ein Bub aus Telfs. Mario Petuzzi, geboren 1989, ist in Telfs aufgewachsen und hat in Innsbruck und São Paulo Wirtschaft, Management und Vergleichende Literaturwissenschaft studiert. Vielen Telferinnen und Telfern ist er vom Bankschalter, vom Fußballplatz oder vom Telfer Schleicherlaufen her bekannt. Weniger bekannt in seiner Heimatgemeinde sind womöglich seine Aktivitäten beim Klagenfurter Literaturkurs und der Prosawerkstatt des Literarischen Colloquiums in Berlin. Das alles führte schlussendlich dazu, dass sein kürzlich erschienener Debütroman „Winterschlaf“ in der Bücherei & Spielothek Telfs an einem durch und durch gelungenen Leseabend vorgestellt werden konnte.







