Wortwettstreit im Kulturstadl Oberhofen
Acht Poeten wortwitzelten sich in die Herzen des Publikums
9. September 2025 | von
Friederike Hirsch
Ulli Wegscheider (vorne l., Obfrau Verein Kulturgröstl) mit den acht Poetry-Slammern, die moderiert von „Die Bacher“ (vorne r.) den Kulturstadl in Oberhofen zum poetischen Beben brachten. Foto: Hirsch
Seit der Kulturstadl in Oberhofen 2023 eröffnet wurde, füllt der Verein „Kulturgröstl Oberhofen“ den Stadl mit allerlei Kunst und Kultur. Die Aussicht auf die Eröffnung eines Kulturstadels neben dem neuen Gemeindehaus am Rimml-Areal weckte das Interesse einiger kulturbegeisterter Oberhofer und so schloss man sich zu einem Verein zusammen. Der Verein erhielt den Namen „Kulturgröstl Oberhofen“, weil ein Gröstl – eine köstliche Tiroler Speise – aus Erdäpfeln und anderen geschmacklich überzeugenden Zutaten besteht und Oberhofen weitum für seine Erdäpfel bekannt ist. Kürzlich wurde ganz Oberhofen mit den Kulturtagen wieder zur Bühne. Die Oberhofer Kulturtage leben vom Mitmachen, Mitdenken und Miterleben im Stadel, im Rimml-Garten oder am Spielplatz. Organisiert vom Verein Kulturgröstl Oberhofen in Zusammenarbeit mit dem Kulturausschuss der Gemeinde, den Vereinen und Institutionen präsentiert sich Oberhofen heuer zwischen Poetry-Slam und Erdäpfelfest, zwischen Blasmusik und Spaziertheater für Groß und Klein, bunt, vielfältig und vor allem voll Kultur in all ihren Facetten. Zum Auftakt der zweiten Oberhofer Kulturtage konnte man kürzlich die poetry-geslammte Kulturgröstl Variante genießen. Es war ein atmosphärischer Start, der die Bühne des Kulturstadls für die abwechslungsreichen Kulturtage eröffnete.
POETRY-SLAM. Im Gegensatz zu einem Offenen Mikro, einer Offenen Bühne oder einer traditionellen Lesung stehen die einzelnen Teilnehmer eines Poetry-Slams untereinander im Wettbewerb. Dieser Aspekt dient vor allem dazu, das Publikum zum Mitfiebern und genauen Zuhören einzuladen, da die Zuschauer am Ende der Veranstaltung den Sieger küren. 1986 fing es in Chicago mit dem Dichter-Wettstreit an. Poetry-Slam begeistert seit den 90ern weltweit als Ausdrucksform einer Generation von jungen, ambitionierten Künstlern. Es ist ein Format, welches das ganze inhaltliche Spektrum der Literatur in einzigartiger Weise abbildet, und vor allem zum Mitmachen, Mitdenken und Miterleben, ganz im Sinne der Oberhofer Kulturtage, einlädt.
POETISCHER AUFTAKT. Kulturgröstl-Obfrau Ulli Wegscheider konnte es kaum fassen, wie rasch sich der Kulturstadl zum Auftakt der Oberhofer Kulturtage füllte. Zusätzliche Stühle und Bierbänke mussten aufgestellt werden, um den knapp 200 Besuchern einen Sitzplatz bieten zu können. Acht Poetry-Slammer waren gekommen, um sich mit Wortwitz und feiner Lyrik in die Herzen des Publikums zu slammen. Fünf Minuten Zeit, nur selbst geschriebene Texte, keine Verkleidung und kein Gesang – das sind die Grundregeln des Poetry-Slam. Bewertet wird die Performance direkt und ungeschönt durch das Publikum. Ins Finale kommen diejenigen, die von sechs zufällig gewählten Jury-Mitgliedern aus dem Publikum die meisten Punkte erhalten. Ein Zusatzpunkt ist auf Zurufen immer möglich. Der amerikanische Literaturveranstalter Bob Holman erläuterte dazu einmal plastisch: „Eine Null für ein Gedicht, das nie hätte geschrieben werden dürfen, eine Zehn für ein Gedicht, das einen kollektiven Orgasmus im Publikum auslöst.“ Moderatorin „Die Bacher“ fungierte als Schiedsrichterin und Punktezählerin und sorgte humorvoll und voller Energie für einen reibungslosen Ablauf.
QUER BEET. Jeder der acht Wort-Akrobaten auf der Kulturstadl-Bühne folgte gekonnt und zielsicher seiner eigenen Poetik, inhaltliche oder formale Vorgaben gibt es beim Slammen nicht. So will sich Katrin ohne h erst dann wieder etwas gönnen, wenn das Hirn wieder hungrig ist. Martin liebt und hasst das Familienspiel „Stadt, Land, Stop“, ebenso wie das „A“ und das „Y“. Während für Michaela haar nicht nur einfach Haare sind, sind Sternzeichen und rückläufiger Merkur für Alex Maier weder logisch noch nachvollziehbar und schon gar nicht relevant. Tamara Stocker rappt sich in ihrem Ü30-Drama von Spritzschnute zu Überlebenswillen und Maxime sucht zwischen Unter-Leben und Über-Leben das Leben in der Schatzkiste am Meeresgrund. Migrationstirolerin Thalia K. bewirbt sich gefangen zwischen Eiche rustikal und einem überdimensionierten Kammerpräsidenten für eine Stelle, und Nik König slammt über Poetry-Slam und fragt sich, was Kunst machen soll. Sucht nach Spuren von sinnvollem Inhalt, Reimen und Rhythmus. Für keinen der Slammer gab es nur einen „Ein-Punkt-Applaus“, sondern (fast) immer den „Größten aller Appläuse“. Ob frei dargeboten oder vom Blatt oder Handy abgelesen, ob rhythmisiert, schreiend, flüsternd oder keuchend, die Wortjongleure begeisterten. Allen gemein die Kunst des Wort-Werfens in die Luft, aneckend an der Kulturstadl Decke oder liegen gelassen am Stadlboden, so lange bis ein Thema im Raum steht und es dort, manchmal aber nicht immer, stehen gelassen wird. Ein Abend zwischen Poesie und Musik von Magda und Vince, die mit ihren Sing- and Songwriter Liedern die Slammer nicht übertönten, sondern bravourös unterstützten, ohne als Hintergrundmusik zu verblassen. Ein Abend mit voller Punktezahl und einem Zusatzpunkt.
POETRY-SLAM. Im Gegensatz zu einem Offenen Mikro, einer Offenen Bühne oder einer traditionellen Lesung stehen die einzelnen Teilnehmer eines Poetry-Slams untereinander im Wettbewerb. Dieser Aspekt dient vor allem dazu, das Publikum zum Mitfiebern und genauen Zuhören einzuladen, da die Zuschauer am Ende der Veranstaltung den Sieger küren. 1986 fing es in Chicago mit dem Dichter-Wettstreit an. Poetry-Slam begeistert seit den 90ern weltweit als Ausdrucksform einer Generation von jungen, ambitionierten Künstlern. Es ist ein Format, welches das ganze inhaltliche Spektrum der Literatur in einzigartiger Weise abbildet, und vor allem zum Mitmachen, Mitdenken und Miterleben, ganz im Sinne der Oberhofer Kulturtage, einlädt.
POETISCHER AUFTAKT. Kulturgröstl-Obfrau Ulli Wegscheider konnte es kaum fassen, wie rasch sich der Kulturstadl zum Auftakt der Oberhofer Kulturtage füllte. Zusätzliche Stühle und Bierbänke mussten aufgestellt werden, um den knapp 200 Besuchern einen Sitzplatz bieten zu können. Acht Poetry-Slammer waren gekommen, um sich mit Wortwitz und feiner Lyrik in die Herzen des Publikums zu slammen. Fünf Minuten Zeit, nur selbst geschriebene Texte, keine Verkleidung und kein Gesang – das sind die Grundregeln des Poetry-Slam. Bewertet wird die Performance direkt und ungeschönt durch das Publikum. Ins Finale kommen diejenigen, die von sechs zufällig gewählten Jury-Mitgliedern aus dem Publikum die meisten Punkte erhalten. Ein Zusatzpunkt ist auf Zurufen immer möglich. Der amerikanische Literaturveranstalter Bob Holman erläuterte dazu einmal plastisch: „Eine Null für ein Gedicht, das nie hätte geschrieben werden dürfen, eine Zehn für ein Gedicht, das einen kollektiven Orgasmus im Publikum auslöst.“ Moderatorin „Die Bacher“ fungierte als Schiedsrichterin und Punktezählerin und sorgte humorvoll und voller Energie für einen reibungslosen Ablauf.
QUER BEET. Jeder der acht Wort-Akrobaten auf der Kulturstadl-Bühne folgte gekonnt und zielsicher seiner eigenen Poetik, inhaltliche oder formale Vorgaben gibt es beim Slammen nicht. So will sich Katrin ohne h erst dann wieder etwas gönnen, wenn das Hirn wieder hungrig ist. Martin liebt und hasst das Familienspiel „Stadt, Land, Stop“, ebenso wie das „A“ und das „Y“. Während für Michaela haar nicht nur einfach Haare sind, sind Sternzeichen und rückläufiger Merkur für Alex Maier weder logisch noch nachvollziehbar und schon gar nicht relevant. Tamara Stocker rappt sich in ihrem Ü30-Drama von Spritzschnute zu Überlebenswillen und Maxime sucht zwischen Unter-Leben und Über-Leben das Leben in der Schatzkiste am Meeresgrund. Migrationstirolerin Thalia K. bewirbt sich gefangen zwischen Eiche rustikal und einem überdimensionierten Kammerpräsidenten für eine Stelle, und Nik König slammt über Poetry-Slam und fragt sich, was Kunst machen soll. Sucht nach Spuren von sinnvollem Inhalt, Reimen und Rhythmus. Für keinen der Slammer gab es nur einen „Ein-Punkt-Applaus“, sondern (fast) immer den „Größten aller Appläuse“. Ob frei dargeboten oder vom Blatt oder Handy abgelesen, ob rhythmisiert, schreiend, flüsternd oder keuchend, die Wortjongleure begeisterten. Allen gemein die Kunst des Wort-Werfens in die Luft, aneckend an der Kulturstadl Decke oder liegen gelassen am Stadlboden, so lange bis ein Thema im Raum steht und es dort, manchmal aber nicht immer, stehen gelassen wird. Ein Abend zwischen Poesie und Musik von Magda und Vince, die mit ihren Sing- and Songwriter Liedern die Slammer nicht übertönten, sondern bravourös unterstützten, ohne als Hintergrundmusik zu verblassen. Ein Abend mit voller Punktezahl und einem Zusatzpunkt.

