„Das Private ist politisch“
SPÖ-Frauen luden zum Care-Gipfel ins Noaflhaus
Bei der Podiumsdiskussion in Telfs diskutierten auf Einladung der SPÖ-Frauen vier Expertinnen über die unterschiedlichen Aspekte von Care-Arbeit. Welche Nachteile Frauen aus der unbezahlten Betreuungsarbeit erwachsen und ob sie die Mehrfachbelastung unter einen Hut bekommen können, waren auch Fragestellungen der späteren Diskussion mit dem Publikum.
5. Oktober 2026
Auf dem Podium hatten Politikwissenschaftlerin Alexandra Weiss, ÖGB-Landesvorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied, Claudia Gföller von der Meno-Academy und Angelika Bader vom Frauengesundheitszentrum Platz genommen. Foto: Dorn
Nach den bisherigen Care-Gipfeln in Innsbruck, Jenbach und Kitzbühel veranstalteten die SPÖ-Frauen Tirol gemeinsam mit den Bezirksfrauen der SPÖ Innsbruck-Land und der FSG Tirol auch in Telfs einen Care-Gipfel, der auf großes Interesse stieß. Dass die Betreuung von pflegebedürftigen Angehörigen, die Kindererziehung und der Haushalt immer noch überwiegend von Frauen geleistet werden, ist hinlänglich bekannt. Dass sich dadurch auch finanzielle und berufliche Nachteile für die Frauen ergeben, ebenso. Trotzdem ändern sich die Rahmenbedingungen nur schleichend oder sind zum Teil sogar rückläufig, wie Moderatorin Alexandra Weiss in ihrem Impulsvortrag zu Beginn des Care-Gipfels in Telfs aufzeigen konnte. So zeigen auch die blanken Zahlen das ökonomische Ungleichgewicht, das den Frauen durch die unbezahlte Arbeit daheim entsteht: Im Bezirk Innsbruck-Land liegt das Durchschnittseinkommen der Männer bei rund 45.000 Euro jährlich, das der Frauen bei knapp 28.000. Das hat sowohl mit der immer noch ungleichen Bezahlung der Frauen für dieselben Tätigkeiten zu tun, aber auch damit, dass 55 Prozent der Frauen „nur“ Teilzeit arbeiten, Männer dagegen zu 11 Prozent.
FOLGEN DER MEHRFACHBELASTUNG. „Die unbezahlte Care-Arbeit, die Frauen leisten, wird nicht einmal als Arbeit anerkannt, obwohl sie die Grundlage unserer Ökonomie ist“, erklärt Weiss, Politikwissenschaftlerin und Gleichstellungsexpertin, eine der Schieflagen, die durch die Geschlechterrollen entstehen. Die ungerechte Aufgabenverteilung hat noch andere Aspekte, wie die Leiterin des Frauengesundheitszentrums, Angelika Bader, erklärt: „Frauen wollen niemandem zur Last fallen“, weiß die Ärztin aus ihrer jahrzehntelangen Arbeit mit Frauen. Zudem würden Krankheitssymptome bei Frauen oft anders in Erscheinung treten als bei Männern und häufig als „atypisch“ klassifiziert werden, obwohl sie die Mehrheit der Bevölkerung ausmachen würden. Auch die Armut habe bei Frauen stärker zugenommen als bei Männern, zählt Bader weitere Nachteile der Geschlechterdifferenz auf. Und gerade Prävention im Gesundheitsbereich sei oft eine finanzielle Frage, ergänzt dazu Podiumsteilnehmerin Claudia Gföller. „Die Mehrfachbelastung der Frauen wird nicht hinterfragt. Die Prävention in den 40ern ist auch eine finanzielle Frage“, sieht die Gründerin der Meno Academy Frauen in den Wechseljahren mit ihren Problemen oft alleingelassen.
POLITISCHE MÖGLICHKEITEN? Und welche Lösungen würde es geben, um die Frauen politisch zu unterstützen? „Die Gesellschaft hat die Verantwortung für Kinderbetreuung und Pflege“, gibt ÖGB-Landesvorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied die Richtung vor. Außerdem brauche es mehr Frauen in den Betriebsräten der Firmen, da Männer geschlechterspezifische Probleme oft nicht sehen würden. Dass sich besonders die Wirtschaft gegen die Umsetzung der neuen Lohntransparenzrichtlinien der EU wehrt, stößt der SPÖ-Telfs-Vorsitzenden sauer auf. Und Landesrätin Eva Pawlata, die von ihrer neunjährigen Nichte und deren ambitionierten Berufswünschen erzählt, stellt eine Frage, die sich wohl mehr Entscheidungsträger stellen sollten: „Wann geht jungen Frauen eigentlich dieses positive Bild einer geschlechtergerechten Welt verloren?“ Im Anschluss an die Podiumsdiskussion folgten noch einige Beiträge aus dem Publikum, das auch danach noch rege weiterdiskutierte.
FOLGEN DER MEHRFACHBELASTUNG. „Die unbezahlte Care-Arbeit, die Frauen leisten, wird nicht einmal als Arbeit anerkannt, obwohl sie die Grundlage unserer Ökonomie ist“, erklärt Weiss, Politikwissenschaftlerin und Gleichstellungsexpertin, eine der Schieflagen, die durch die Geschlechterrollen entstehen. Die ungerechte Aufgabenverteilung hat noch andere Aspekte, wie die Leiterin des Frauengesundheitszentrums, Angelika Bader, erklärt: „Frauen wollen niemandem zur Last fallen“, weiß die Ärztin aus ihrer jahrzehntelangen Arbeit mit Frauen. Zudem würden Krankheitssymptome bei Frauen oft anders in Erscheinung treten als bei Männern und häufig als „atypisch“ klassifiziert werden, obwohl sie die Mehrheit der Bevölkerung ausmachen würden. Auch die Armut habe bei Frauen stärker zugenommen als bei Männern, zählt Bader weitere Nachteile der Geschlechterdifferenz auf. Und gerade Prävention im Gesundheitsbereich sei oft eine finanzielle Frage, ergänzt dazu Podiumsteilnehmerin Claudia Gföller. „Die Mehrfachbelastung der Frauen wird nicht hinterfragt. Die Prävention in den 40ern ist auch eine finanzielle Frage“, sieht die Gründerin der Meno Academy Frauen in den Wechseljahren mit ihren Problemen oft alleingelassen.
POLITISCHE MÖGLICHKEITEN? Und welche Lösungen würde es geben, um die Frauen politisch zu unterstützen? „Die Gesellschaft hat die Verantwortung für Kinderbetreuung und Pflege“, gibt ÖGB-Landesvorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied die Richtung vor. Außerdem brauche es mehr Frauen in den Betriebsräten der Firmen, da Männer geschlechterspezifische Probleme oft nicht sehen würden. Dass sich besonders die Wirtschaft gegen die Umsetzung der neuen Lohntransparenzrichtlinien der EU wehrt, stößt der SPÖ-Telfs-Vorsitzenden sauer auf. Und Landesrätin Eva Pawlata, die von ihrer neunjährigen Nichte und deren ambitionierten Berufswünschen erzählt, stellt eine Frage, die sich wohl mehr Entscheidungsträger stellen sollten: „Wann geht jungen Frauen eigentlich dieses positive Bild einer geschlechtergerechten Welt verloren?“ Im Anschluss an die Podiumsdiskussion folgten noch einige Beiträge aus dem Publikum, das auch danach noch rege weiterdiskutierte.






