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Gemeinden sind wichtige Partner

Landesrätin Cornelia Hagele über die aktuelle Situation bei Bildung, Pflege und Gesundheit

Im Interview mit der OBERLÄNDER RUNDSCHAU spricht die Landesrätin für Gesundheit, Pflege, Bildung, Wissenschaft und Forschung über die Zusammenarbeit mit den Kommunen, finanzielle Grenzen und aktuelle Projekte in Tirol und speziell im Oberland.

23. Dezember 2025
Gemeinden sind wichtige Partner<br />
Landesrätin Cornelia Hagele setzt weiter auf den Ausbau der Pflegeausbildung und versucht, die Gemeinden auch in Fragen der Bildung zu unterstützen. Foto: Dorn
Die Gemeinden werden in vielen Bereichen immer mehr gefordert: Ob in der Kinderbetreuung, die auf immer jüngere Kinder und immer mehr Stunden ausgeweitet wird, in der Pflege, für die die Kommunen immer höhere finanzielle Beiträge zu zahlen haben, oder bei der Gesundheit, wo gerade die ländlichen Regionen oft Schwierigkeiten haben, Kassen- und Sprengelärztinnen und -ärzte anzulocken. Zudem sind diese Bereiche genau jene, die wenig einbringen, aber enorm viele Kosten verursachen. Nicht unbedingt ein leichter Job, den Landesrätin Cornelia Hagele zu erfüllen hat.

GEMEINDEN ALS PARTNER. Die studierte Juristin und Betriebswirtin hat sich seit ihrem Amtsantritt vor drei Jahren ein Bild der Situation machen können und ist seitdem im ständigen Austausch mit den Bürgermeistern, um diesen gezielt helfen zu können. „Die Gemeinden sind für uns unverzichtbare Partner: Sie kennen die regionalen Bedürfnisse am besten und tragen dazu bei, Versorgung, Betreuung und Bildung nachhaltig zu stärken. Dieses enge Miteinander ist die Basis für die hohe Lebensqualität im Tiroler Oberland“, erklärt Hagele. So hat die Landesrätin im August alle Gemeindeverbände des Landes besucht, um sie mit der neuen digitalen Plattform „Frida“ vertraut zu machen, mittels derer den Erziehungsberechtigten bei der Vermittlung eines Kinderbildungs- oder Kinderbetreuungsplatzes geholfen wird. Die Planungsverbände Tannheimertal, Reuttener Talkessel und Zwischentoren nahmen im Vorfeld als eine der vier Pilotregionen eine besondere Stellung ein. Bisher konnte die Plattform bereits 3.500 Anmeldungen verzeichnen. Und auch für die Kommunen selbst ist Frida ein Zugewinn, da so eine übergeordnete Instanz geschaffen wurde, die gerade auch bei fehlender Kapazität an Betreuungsplätzen in Wohnortnähe die Suche abnimmt.

EFFIZIENZ UND VERBESSERUNG. Auch wenn viele Gemeinden ihre Gebäude bereits erweitert haben, wird es für andere Kommunen finanziell schwierig, das Raumangebot dem immer größeren Bedarf anzupassen. Und die Vorgaben an Mindeststandards sind hoch, wie Hagele weiß. „Wir müssen die Dinge auf den Boden bringen, damit sie umsetzbar sind“, zeigt sich die Landesrätin kompromissbereit. So gebe es durchaus die Möglichkeit, Räumlichkeiten entsprechend zu adaptieren, ohne strikt die Vorgaben einhalten zu müssen. „Vieles ist nicht umsetzbar. Wir müssen den Leuten das mitgeben, was realistisch ist. Man kann auch einsparen, ohne massive Qualitätsverluste“, zeigt sich Hagele überzeugt. So seien Kleinstschulen oft nicht sinnvoll, und auch wenn es bei deren Schließungen Widerstand aus der Bevölkerung gebe, dürfe man die Vorteile für die Kinder nicht vergessen, die gerade im Klassenverband wertvolle Erfahrungen sammeln. Auch im Kindergarten und in der Kinderkrippe gehe es oft um Ressourceneffizienz, also darum, Plätze so gut wie möglich zu nutzen. Das könne dann halt auch bedeuten, dass Kinder in der Nachbargemeinde in die Krippe gehen müssen. Auch in der Verwaltung sei es sinnvoll, zu optimieren und sich bei Pensionierungen genau anzuschauen, ob Stellen nachbesetzt werden müssen. Die Künstliche Intelligenz könne hier kostensenkend eingesetzt werden. Denn laut Hagele sei klar: „In der Pflege wird nicht gespart.“

AUSBAU VON GESUNDHEITSVERSORGUNG UND PFLEGE: Gerade im Gesundheitsbereich, dessen Zukunft vielen Menschen Sorgen bereitet, wird auch viel investiert, wie die Politikerin betont. So wird im Rahmen des regionalen Strukturplans Gesundheit gezielt auf den Ausbau tagesklinischer und ambulanter Angebote gesetzt und neue medizinische Schwerpunkte in Angriff genommen. So ist beispielsweise ein stationärer Aufbau in der Fachrichtung Neurologie am Krankenhaus Zams mit insgesamt 26 Betten vorgesehen. Weiters sind fünf tagesambulante Betreuungsplätze als neues dezentrales Angebot in der Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie zwölf statt bisher sechs tagesambulante Betreuungsplätze im Bereich Psychiatrie geplant. Außerdem ist in Zams der Bau einer Schwerpunktpflege mit 24 Betten sowie einer qualifizierten Kurzzeitpflege mit 20 Betten geplant. Der Baubeginn ist für das zweite Quartal 2026 angesetzt, für die Fertigstellung ist Ende 2027 anvisiert, wie Hagele ankündigt. Die Inbetriebnahme der beiden Pflegeangebote soll daraufhin 2028 erfolgen. Dazu gibt es einen Grundsatzbeschluss des Landes Tirol zur Förderung des Ausbaues, des Aufbaues und der Sicherung von Pflege- und Betreuungseinrichtungen für dieses Vorhaben in Höhe von insgesamt rund 4,7 Millionen Euro. In Reutte stehen derzeit 231 Langzeit- und Kurzzeitpflegeplätze zur Verfügung, bis 2033 sollen fast 100 neue teilstationäre Pflegeplätze hinzukommen, im Bezirk Landeck weitere 58. In Imst sollen zu den bereits bestehenden rund 500 Pflegeplätzen weitere 121 neue teilstationäre Plätze dazukommen.

SCHWERPUNKT PFLEGEAUSBILDUNG: Im Bereich der Ausbildung hat das Land eine Personaloffensive gestartet, dank derer derzeit über 120 Personen eine Pflegelehre absolvieren, davon 17 in Imst und sieben im Bezirk Landeck. „Die Pflegelehre ist ein zentraler Baustein gegen den Fachkräftemangel – und Tirol ist hier österreichischer Spitzenreiter. Aktuell haben wir mehr Pflegelehrlinge in Tirol als alle anderen Bundesländer zusammen. Besonders freut mich, dass auch im Oberland immer mehr junge Menschen diesen Weg einschlagen“, zeigt sich Hagele begeistert. Zusätzlich zur Lehre wird die Einrichtung von Pflegezweigen in den Schulen forciert, und eine Ausbildung zur operationstechnischen Assistenz am AZW hat bereits die ersten 20 Absolventen in die Berufswelt entlassen.

MASSNAHMEN GEGEN ÄRZTEMANGEL. Das Problem des Ärztemangels sei ihr durchaus vertraut, so Hagele, aber sie sei keine Kassenverhandlerin und könne die Gemeinden nur unterstützen, beispielsweise durch Infoveranstaltungen für Ärzte zu den neuen Primärversorgungszentren. Aber auch hier müssten sich eben Mediziner finden, die sich zu einer Einheit (PVE) zusammenschließen wollen. In Telfs ist das nun gelungen, und seit diesem Monat stehen drei Fachärzte für Allgemein- und Familienmedizin gemeinsam mit einem interdisziplinären Team bereit. Auch bei der Suche nach Sprengelärzten versucht das Land, den Gemeinden beratend zur Seite zu stehen. Bis 2030 werden zudem tirolweit 30 zusätzliche Kassenstellen in den unterschiedlichsten Bereichen geschaffen. „Unser Gesundheitsfahrplan ist ein Versprechen an die Menschen in Tirol. Er stellt sicher, dass sich die medizinische Versorgung im Tiroler Oberland auch in Zukunft an der Lebensrealität der Menschen ausrichtet“, verspricht die Landesrätin zum Abschluss des Interviews.

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