Gute Schneid, halbe Arbeit
RUNDSCHAU-Besuch im Messerschleifereibetrieb und Museum Rief am Hattingerberg
Es geht um die perfekt geschärfte Klinge: Ein Funkenflug erhellt die Werkstatt, das Summen der Schleifscheibe liegt in der Luft. Durch Meisterhand geführt, schneidet das Küchenmesser jetzt wieder. Am Hattingerberg betreibt das Ehepaar Helmut und Waltraud Rief das Traditionshandwerk der Messerschleiferei und hat auf über 300 Quadratmetern ein privates Technikmuseum aufgebaut. Ein Bericht aus einer faszinierenden Welt aus Stahl, Präzision und Leidenschaft.
Georg Newesely
9. Juni 2026
Technikmuseum am Hattingerberg: Auf über 300 Quadratmetern wird die Entwicklung des Handwerks durch voll funktionstüchtige historische Maschinen und originale Werkstätten – von der Schusterei bis zur Schmiede – wieder lebendig. Foto: Georg Newesely
Die Geschichte dieses außergewöhnlichen Tiroler Traditionsbetriebs liest sich wie ein Drehbuch. Alles begann im Jahr 1982. Helmut Rief gründete damals gemeinsam mit seiner Frau Waltraud das Unternehmen. Ihr Konzept war so einfach wie genial: Wenn die Kunden wegen ihrer stumpfen Messer nicht in die Werkstatt kommen können, kommt die Werkstatt eben zu den Kunden. Mit einem topausgestatteten Schleif-Werkstatt-LKW steuerte das Ehepaar Rief jahrzehntelang im Dauereinsatz jede noch so entlegene Ecke Tirols an. Ob Gastronomiebetriebe, Traditionsmetzgereien oder Großküchen – wo immer Küchen- und Besteckmesser stumpf wurden, waren die Riefs zur Stelle, um die Schneid zu schärfen. Der Erfolg war groß, und das stationäre Fachgeschäft in Wattens und später in Volders konnte oft nur noch an einem einzigen Tag in der Woche geöffnet werden. Die restliche Zeit war das Ehepaar Rief unermüdlich unterwegs. Für diesen jahrzehntelangen unternehmerischen Einsatz wurden sie von der Wirtschaftskammer Tirol mit der Ehrenurkunde für 40 Jahre unterbrechungsfreie Betriebsführung ausgezeichnet.
EXPERTE UND MEISTER. Das Schleifen von Werkzeugen ist ein hochkomplexes Handwerk. Das Ehepaar Rief hat über die Jahrzehnte sein Wissen und seine Fertigkeiten in ganz Mitteleuropa zusammengetragen. Helmut Rief hat dann die Meisterprüfung in Wien abgelegt. Die Form bestimmt die Funktion: Ein spitzer Schliff dringt mühelos in weiches Material ein, während ein bauchiger Schliff dem Messer extreme Stabilität für harte Arbeiten verleiht. Handhaltung, Winkel, Druck und die Wahl der richtigen Körnung des Schleifmittels bestimmen dabei, ob die Klinge in Form gebracht oder rasiermesserscharf poliert wird. Besonders anspruchsvoll wird es bei Spezialformen: Ein Wellenschliff erfordert millimetergenaue Arbeit in den Zahnzwischenräumen, und auch der Scherenschliff verzeiht nicht den geringsten Fehler. Cutter-Messer von Fleischereimaschinen und Industriemesser sind eine eigene Wissenschaft für sich. Die größte Gefahr dabei ist stets die Hitze: Entstehen beim Schleifen zu hohe Temperaturen, glüht der Stahl unbemerkt aus und verliert seine Härte.
HAUS UND WERKSTATT AM HATTINGERBERG. Schließlich kaufte das Ehepaar Rief im Alp-bachtal ein historisches Haus, trug es ab und baute es auf dem Hattingerberg wieder auf. Nach dem Eintritt in die Pension schloss das Ehepaar Rief die Werkstatt in Volders, Ruhe kehrte aber keine ein. Denn ein echter Meister legt die Klingen nicht so einfach aus der Hand. Heute bringen Kunden aus dem ganzen Land ihre stumpfen Klingen in die neue Werkstatt am Hattingerberg. Erst jüngst wurde eine neue Schleifmaschine in Betrieb genommen – ans Aufhören denkt man offenbar noch lange nicht.
ZEITREISE IM TECHNIKMUSEUM. Ein besonderes Herzensprojekt befindet sich gleich neben der Werkstatt: Ein atemberaubendes, privates „Historisches Museum rund um die Schneid“. Seit 2011 hat das Ehepaar Rief mit detektivischem Spürsinn historische Originalgeräte gesammelt und penibel restauriert. Auf einer komplett ebenen, barrierefreien Ausstellungsfläche von über 300 Quadratmetern wird Technikgeschichte plötzlich lebendig und anfassbar. Die Besucher geraten ins Staunen, wenn die alten Antriebe demonstriert werden: Vom Kurbeln mit reiner Muskelkraft über monumentale Transmissionsantriebe bis hin zu knatternden Einzylinder-Benzinmotoren wird der abenteuerliche Weg vom händischen Betrieb zur Automatisierung spürbar. Die Maschinen sind alle noch (oder wieder) betriebsbereit. Es geht nicht nur um Messer: Eine originalgetreue Schusterwerkstatt, eine historische Arbeiterküche sowie Einblicke in die alte Schmiede, die Metzgerei und den Werkzeugbau lassen die Arbeitswelt früherer Zeiten hautnah miterleben.
MUSEUMSBESUCH NACH VORANMELDUNG. Wer das Museum besuchen möchte, muss sich telefonisch anmelden (0664/9758970). Der Eintritt ist frei, eine freiwillige Spende für den Erhalt dieser Schätze ist erbeten. Ein Besuch beim Ehepaar Rief ist jedenfalls kein bloßer Ausflug, sondern eine Liebeserklärung an das Handwerk. Der Hattingerberg reiht sich künftig neben Solingen (D), Thiers (F) und Maniago (IT) in die Riege der großen europäischen Schleif-Traditionen ein. Link: www.rief-dieschleiferei.at
EXPERTE UND MEISTER. Das Schleifen von Werkzeugen ist ein hochkomplexes Handwerk. Das Ehepaar Rief hat über die Jahrzehnte sein Wissen und seine Fertigkeiten in ganz Mitteleuropa zusammengetragen. Helmut Rief hat dann die Meisterprüfung in Wien abgelegt. Die Form bestimmt die Funktion: Ein spitzer Schliff dringt mühelos in weiches Material ein, während ein bauchiger Schliff dem Messer extreme Stabilität für harte Arbeiten verleiht. Handhaltung, Winkel, Druck und die Wahl der richtigen Körnung des Schleifmittels bestimmen dabei, ob die Klinge in Form gebracht oder rasiermesserscharf poliert wird. Besonders anspruchsvoll wird es bei Spezialformen: Ein Wellenschliff erfordert millimetergenaue Arbeit in den Zahnzwischenräumen, und auch der Scherenschliff verzeiht nicht den geringsten Fehler. Cutter-Messer von Fleischereimaschinen und Industriemesser sind eine eigene Wissenschaft für sich. Die größte Gefahr dabei ist stets die Hitze: Entstehen beim Schleifen zu hohe Temperaturen, glüht der Stahl unbemerkt aus und verliert seine Härte.
HAUS UND WERKSTATT AM HATTINGERBERG. Schließlich kaufte das Ehepaar Rief im Alp-bachtal ein historisches Haus, trug es ab und baute es auf dem Hattingerberg wieder auf. Nach dem Eintritt in die Pension schloss das Ehepaar Rief die Werkstatt in Volders, Ruhe kehrte aber keine ein. Denn ein echter Meister legt die Klingen nicht so einfach aus der Hand. Heute bringen Kunden aus dem ganzen Land ihre stumpfen Klingen in die neue Werkstatt am Hattingerberg. Erst jüngst wurde eine neue Schleifmaschine in Betrieb genommen – ans Aufhören denkt man offenbar noch lange nicht.
ZEITREISE IM TECHNIKMUSEUM. Ein besonderes Herzensprojekt befindet sich gleich neben der Werkstatt: Ein atemberaubendes, privates „Historisches Museum rund um die Schneid“. Seit 2011 hat das Ehepaar Rief mit detektivischem Spürsinn historische Originalgeräte gesammelt und penibel restauriert. Auf einer komplett ebenen, barrierefreien Ausstellungsfläche von über 300 Quadratmetern wird Technikgeschichte plötzlich lebendig und anfassbar. Die Besucher geraten ins Staunen, wenn die alten Antriebe demonstriert werden: Vom Kurbeln mit reiner Muskelkraft über monumentale Transmissionsantriebe bis hin zu knatternden Einzylinder-Benzinmotoren wird der abenteuerliche Weg vom händischen Betrieb zur Automatisierung spürbar. Die Maschinen sind alle noch (oder wieder) betriebsbereit. Es geht nicht nur um Messer: Eine originalgetreue Schusterwerkstatt, eine historische Arbeiterküche sowie Einblicke in die alte Schmiede, die Metzgerei und den Werkzeugbau lassen die Arbeitswelt früherer Zeiten hautnah miterleben.
MUSEUMSBESUCH NACH VORANMELDUNG. Wer das Museum besuchen möchte, muss sich telefonisch anmelden (0664/9758970). Der Eintritt ist frei, eine freiwillige Spende für den Erhalt dieser Schätze ist erbeten. Ein Besuch beim Ehepaar Rief ist jedenfalls kein bloßer Ausflug, sondern eine Liebeserklärung an das Handwerk. Der Hattingerberg reiht sich künftig neben Solingen (D), Thiers (F) und Maniago (IT) in die Riege der großen europäischen Schleif-Traditionen ein. Link: www.rief-dieschleiferei.at







