„Herausforderungen motivieren mich!“
RUNDSCHAU-Interview mit Landesrat René Zumtobel zu den Themen Umwelt, Verkehr und erneuerbare Energie
17. März 2026 | von
Gebi G. Schnöll
LR René Zumtobel (r.) im Gespräch mit Redakteur Gebi G. Schnöll über Themen, die vor allem das Oberland und das Außerfern betreffen. Foto: ÖVP/Knabl
RS: Sehr geehrter Herr Zumtobel! Sie sind seit Herbst 2022 SPÖ-Landesrat für Verkehr, Umwelt und Naturschutz. Haben Sie es bisher jemals bereut, den Job bei den ÖBB als Regionalmanager für den Personenverkehr in Tirol wegen der Politik sozusagen an den Nagel gehängt zu haben?
LR Zumtobel: Nein, noch keine Sekunde, wiewohl die Aufgabe und die Verantwortung in der Landesregierung eine sehr große ist. Ich habe mich mit viel Elan in diese neue Aufgabe gestürzt und es motiviert mich, dass ich mit meinen Erfahrungen aus den früheren beruflichen Stationen und einem starken Team Veränderungen anstoßen, konkrete Vorhaben umsetzen und damit spürbare Verbesserungen für alle ermöglichen kann. Zudem habe ich mit Verkehr, Mobilität, Umwelt- und Klimaschutz meine Wunschressorts.
RS: Eine intakte Umwelt war Ihnen schon immer ein Anliegen. Man sagt Ihnen nach, dass Sie ein Roter mit grünen Streifen sind, ist das so?
LR Zumtobel: Auch wenn nicht alle Menschen die SPÖ in erster Linie mit Natur- bzw. Umweltschutz in Verbindung bringen, bin ich persönlich fest davon überzeugt, dass diese Themen für unseren besonderen Lebensraum und die nachfolgenden Generationen enorm wichtig sind.
RS: Nun ein Blick ins Oberland und Außerfern: Ein großes Thema ist derzeit das Fernpasspaket. Wie stehen Sie zum Pro und Kontra?
LR Zumtobel: Es gibt mancherorts Skepsis gegenüber dem Fernpass-Paket, insbesondere was die Bemautung der Strecke betrifft, aber ohne Maut können die Infrastrukturprojekte zur Erhöhung der Verkehrssicherheit und des Lärmschutzes schlichtweg nicht finanziert werden. Das EU-Recht gibt vor, dass es bei der Maut keine Ungleichbehandlung zwischen Einheimischen und Gästen geben darf. Davon profitieren wir ehrlicherweise auch in anderen Ländern. Tatsache ist, dass von deutscher Seite eine Hochleistungsautobahn gebaut wurde, die an der Grenze abrupt endet. Für mich ist klar, dass wir in Tirol keinen Kapazitätsausbau und schon gar nicht noch mehr Verkehr haben wollen. Wir versuchen daher alles, um den Durchzugsverkehr entlang des Fernpasses so gut wie möglich auf der Landesstraße B 179 zu halten. Dafür setzen wir jedes Jahr erhebliche finanzielle Mittel ein, um etwa die Ausweichfahrverbote durch Personal zu kontrollieren. Zudem gibt es das wichtige Fahrverbot für Lkw über 7,5 Tonnen und die täglichen Schwerverkehrskontrollen.
RS: Der Tschirganttunnel ist seit Jahrzehnten ein großes und breit diskutiertes Thema. Wäre es nicht endlich an der Zeit, mit der Realisierung des Tunnels auch das verkehrsgeplagte Gurgltal zu entlasten?
LR Zumtobel: Der Tschirganttunnel würde eine direkte Hochleistungsstraße bis ins Inntal darstellen. Das Gurgltal hätte wohl eine Entlastung, aber für die gesamte Region würde es mehr Verkehr anziehen. Das gilt es unbedingt zu vermeiden. Zudem gibt es kein aktuelles Vorhaben dazu im ASFINAG-Bauprogramm. Wofür ich stehe, ist die Idee, einen Fernpass-Bahntunnel auf die nächste Planungsebene zu heben. Das würde die öffentliche Mobilität bzw. die Anbindung aus dem Außerfern enorm verbessern. Es braucht hier auch klare Ausbauten und Elektrifizierungen der Bahnstrecken im Allgäu, weil ein Bahntunnel allein und ohne Anschluss keine Wirkung zeigen würde. Ich werde mich auf Bundesebene weiter dafür einsetzen, dieses Großprojekt gesamthaft und grenzüberschreitend auf eine nächste Ebene zu heben.
RS: Die Vorgangsweise der ÖBB rund um den geplanten zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke im Oberland sorgt in den betroffenen Gemeinden Imsterberg, Mils und Schönwies für massive Kritik. Wie könnte der zweigleisige Ausbau auf Schiene gebracht werden?
LR Zumtobel: Dass die Planungen für den zweigleisigen Streckenabschnitt bis vor Imsterberg aufgrund unterschiedlicher Interessen einzelner Standortgemeinden ausgesetzt wurden, verzögert bedauerlicherweise die zahlreichen Vorteile für die gesamte Region. Um eine langfristige Perspektive für das Oberland zu gewährleisten, braucht es eine durchgehende zweigleisige Strecke von Ötztal bis nach Landeck. Daher ist nun eine umfassendere, über die bisherigen Planungen hinausgehende Betrachtung durch die ÖBB erforderlich. Das Tiroler Oberland ist seit Jahren ein Nadelöhr und verunmöglicht den Kapazitätsausbau bzw. die Beschleunigung der Züge. Für diese gesamthafte und zukunftsweisende Absicherung setze ich mich – auch bei Gegenwind – mit Nachdruck ein. Tirol und das Oberland brauchen diesen Infrastrukturausbau.
RS: Sie selbst fahren auch gerne beruflich und privat mit dem Zug. Ihr „Heimatbahnhof“ ist der in Imst-Pitztal. Die Bahnstation soll in den nächsten Jahren zu einer modernen, barrierefreien Mobilitätsdrehscheibe ausgebaut werden. Ist das ein Herzensprojekt von Ihnen?
LR Zumtobel: Ja – der Bahnhof Imst-Pitztal zählt zu den wichtigsten Mobilitätsknoten im öffentlichen Verkehr im Westen Tirols. Täglich nutzen ihn 4.200 Fahrgäste. Es braucht eine moderne, barrierefreie Mobilitätsdrehscheibe mit entsprechendem Parkdeck, Park & Ride, Bike & Ride und Anbindung zum Bus. Mit dem erfolgten Start der Planungen und dem folgenden Umbau werden hier zudem die Weichen für den zweigleisigen Ausbau im Oberland gestellt.
RS: Als Landesrat für Verkehr und Umwelt sitzen Sie irgendwie zwischen zwei Stühlen. Auf der einen Seite liegt der Fokus auf erneuerbaren Energieformen, um die Klimaziele zu erreichen, auf der anderen Seite wird es in Zukunft mehr Energie aus Wasserkraft brauchen. Der WWF und der ÖAV fordern derzeit vom landeseigenen Energieversorger TIWAG, den geplanten Ausbau des Kraftwerks Kaunertal zu stoppen. Wie stehen Sie zum Ausbau des KW Kaunertal?
LR Zumtobel: Hören wir auf, die notwendige Energiewende und den Klimaschutz gegen den Naturschutz auszuspielen. Ich stehe ganz klar hinter dem Zielszenario Tirol 2050 energieautonom und dem damit verbundenen Ausstieg aus der Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten aus dem Ausland. Wie sehr wir abhängig von den Energielieferungen sind, hat uns der Angriffskrieg von Russland gezeigt, und zeigt uns aktuell auch der weltweite Preisanstieg beim Öl durch den Konflikt im Iran. Wir haben in Österreich mit der Umweltverträglichkeitsprüfung für solche Großprojekte jedenfalls einen sehr umfassenden Prüfmechanismus von unabhängigen Behörden, auf diesen vertraue ich.
RS: Apropos erneuerbare Energie: Es wird in Zukunft die Wasserkraft wohl noch besser genutzt werden müssen, Photovoltaikanlagen und Strom aus Windkraft sind ebenfalls ein großes Thema. Könnten Sie sich Windkraftanlagen auf Bergkämmen vorstellen?
LR Zumtobel: Den größten Teil unseres Zielszenarios bis 2050 macht die Wasserkraft aus. Wir haben in Tirol optimale Möglichkeiten und große Ressourcen, die wir bestmöglich nutzen müssen, um unsere Unabhängigkeit zu sichern. Auch der PV-Ausbau schreitet voran und diese Art der Energiegewinnung ist in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen. Aber es stimmt, wir wollen und müssen auch Windkraft in Tirol nutzen. Der Skepsis der Bevölkerung an manchen Standorten sollten die Projektwerber von Windkraftanlagen mit frühzeitiger und transparenter Information begegnen. Aufklären statt aufregen ist das Motto. Klar ist, dass Windräder nur dort möglich sind, wo sie ökonomisch Sinn machen und ökologisch vertretbar sind.
RS: Neu ist der Naturschutzfonds, mit dem künftig Naturschutzprojekte unterstützt werden sollen. Was soll aus dem Fonds finanziert werden?
LR Zumtobel: Die Wiedereinführung des Naturschutzfonds ist ein bedeutender Meilenstein für Tirol. Der Fonds ist mit einem Startkapital von rund einer Million Euro ausgestattet und wird nun laufend aus der Naturschutzabgabe und mit naturschutzrechtlichen Geldstrafen befüllt. Das Besondere daran ist, dass die Mittel zweckgebunden sind und damit nur für Naturschutzprojekte eingesetzt werden dürfen. Ich spreche immer vom „Bausparbuch“ für unsere Naturprojekte. Wir können nun in den kommenden Jahren beispielsweise Moore renaturieren, Auwälder wiederaufforsten oder Flusslandschaften revitalisieren.
RS: Wie die RUNDSCHAU in Erfahrung brachte, soll bald schon am Seefelder Plateau ein Projekt mit Elektrobussen starten, das sowohl Gästen als auch Einheimischen zugutekommen soll. Wie ist hier der Stand?
LR Zumtobel: Wir haben das klare Ziel, den öffentlichen Verkehr in Tirol Schritt für Schritt auf die effiziente und nachhaltige Elektromobilität umzustellen. Erste Busflotten sind dazu bereits im Einsatz – etwa im Großraum Innsbruck oder in Serfaus. In den nächsten Monaten kommen weitere E-Busse u. a. im Kitzbüheler Stadtverkehr und auch am Seefelder Plateau dazu. Die Rückmeldungen der Fahrgäste aus den E-Bussen sind äußerst positiv.
RS: Mit einem neuen Gesetz sollen Anbieter von Navigationssystemen künftig dazu verpflichtet werden, Abfahrverbote in Tirol auszuweisen. Dadurch soll der Ausweichverkehr durch die Ortsgebiete, zum Beispiel an der Fernpassstrecke oder an der Seefelderstraße, bestmöglich unterbunden werden. Wann ehestens kann dieses Gesetz in Kraft treten und was erwarten Sie sich davon?
LR Zumtobel: Bereits seit meinem Amtsantritt setze ich mich dafür ein – nun ist es endlich so weit: Dank der Unterstützung von Verkehrsminister Peter Hanke ist es gelungen, das entsprechende Gesetz auf den Weg zu bringen. Sobald es vom Nationalrat beschlossen und entsprechend kundgemacht ist, ist es rechtsgültig. Ab diesem Zeitpunkt sind Navi-Anbieter verpflichtet, unsere temporären Fahrverbote, wie beispielsweise jene im Bezirk Reutte, zu berücksichtigen und entsprechend keine Ausweichrouten mehr auf Straßen mit Fahrverboten anzuzeigen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass diese digitale Verkehrssteuerung als Ergänzung zu den von uns erlassenen Fahrverboten sowie den persönlichen Kontrollen durch die Polizei und die Straßenaufsichtsorgane wesentlich dazu beitragen wird, Stauausweichverkehr auf Orts- und Gemeindestraßen in Tirol weiter zu reduzieren.
RS: Gerade in Zeiten stark angestiegener Spritpreise ist der Umstieg vom Auto auf Öffis empfehlenswert. Sind im öffentlichen Verkehrsnetz genügend Kapazitäten vorhanden oder muss es noch ausgebaut werden?
LR Zumtobel: Der VVT hat im Vergleich zu anderen Bundesländern das größte Öffi-Angebot auf Schiene und Straße. Wir haben das Angebot in den letzten Jahren in vielen Regionen Tirols massiv ausgebaut, sowohl bei den Bahnverbindungen als auch im Busbereich. Aktuell haben rund 198.000 Menschen in Tirol eine Dauerkarte für den öffentlichen Verkehr, das sind um fast 50 Prozent mehr als noch vor sechs Jahren. Damit nutzt bereits ein Viertel aller Tiroler den öffentlichen Verkehr regelmäßig – die Nachfrage steigt weiter.
RS: Welche Öffi-Verbesserung im Tiroler Oberland freut Sie – als „Oberlandla“ – persönlich besonders?
LR Zumtobel: Es freut mich wirklich, dass die Verbesserungen im letzten Jahr – mit mehr als einer halben Million Mehrkilometern für Schiene und Bus im Tiroler Oberland – sichtbar wirken. Über 1.600 zusätzliche VVT-Jahreskarten innerhalb eines Jahres in Imst und Landeck zeigen klar: Wenn wir den öffentlichen Verkehr ausbauen, besser takten, Bus und Bahn gut aufeinander abstimmen und wichtige Knoten stärken, dann wird das Angebot auch angenommen. Ein besonderes Erfolgsprojekt ist für mich auch der Direktbus Landeck–Mals. Rund 700 Fahrgäste pro Tag belegen, dass für alltägliche Wege auch grenzüberschreitende, einfache und verlässliche Öffi-Verbindungen genau das sind, was die Menschen brauchen. Danke für das Gespräch!
LR Zumtobel: Nein, noch keine Sekunde, wiewohl die Aufgabe und die Verantwortung in der Landesregierung eine sehr große ist. Ich habe mich mit viel Elan in diese neue Aufgabe gestürzt und es motiviert mich, dass ich mit meinen Erfahrungen aus den früheren beruflichen Stationen und einem starken Team Veränderungen anstoßen, konkrete Vorhaben umsetzen und damit spürbare Verbesserungen für alle ermöglichen kann. Zudem habe ich mit Verkehr, Mobilität, Umwelt- und Klimaschutz meine Wunschressorts.
RS: Eine intakte Umwelt war Ihnen schon immer ein Anliegen. Man sagt Ihnen nach, dass Sie ein Roter mit grünen Streifen sind, ist das so?
LR Zumtobel: Auch wenn nicht alle Menschen die SPÖ in erster Linie mit Natur- bzw. Umweltschutz in Verbindung bringen, bin ich persönlich fest davon überzeugt, dass diese Themen für unseren besonderen Lebensraum und die nachfolgenden Generationen enorm wichtig sind.
RS: Nun ein Blick ins Oberland und Außerfern: Ein großes Thema ist derzeit das Fernpasspaket. Wie stehen Sie zum Pro und Kontra?
LR Zumtobel: Es gibt mancherorts Skepsis gegenüber dem Fernpass-Paket, insbesondere was die Bemautung der Strecke betrifft, aber ohne Maut können die Infrastrukturprojekte zur Erhöhung der Verkehrssicherheit und des Lärmschutzes schlichtweg nicht finanziert werden. Das EU-Recht gibt vor, dass es bei der Maut keine Ungleichbehandlung zwischen Einheimischen und Gästen geben darf. Davon profitieren wir ehrlicherweise auch in anderen Ländern. Tatsache ist, dass von deutscher Seite eine Hochleistungsautobahn gebaut wurde, die an der Grenze abrupt endet. Für mich ist klar, dass wir in Tirol keinen Kapazitätsausbau und schon gar nicht noch mehr Verkehr haben wollen. Wir versuchen daher alles, um den Durchzugsverkehr entlang des Fernpasses so gut wie möglich auf der Landesstraße B 179 zu halten. Dafür setzen wir jedes Jahr erhebliche finanzielle Mittel ein, um etwa die Ausweichfahrverbote durch Personal zu kontrollieren. Zudem gibt es das wichtige Fahrverbot für Lkw über 7,5 Tonnen und die täglichen Schwerverkehrskontrollen.
RS: Der Tschirganttunnel ist seit Jahrzehnten ein großes und breit diskutiertes Thema. Wäre es nicht endlich an der Zeit, mit der Realisierung des Tunnels auch das verkehrsgeplagte Gurgltal zu entlasten?
LR Zumtobel: Der Tschirganttunnel würde eine direkte Hochleistungsstraße bis ins Inntal darstellen. Das Gurgltal hätte wohl eine Entlastung, aber für die gesamte Region würde es mehr Verkehr anziehen. Das gilt es unbedingt zu vermeiden. Zudem gibt es kein aktuelles Vorhaben dazu im ASFINAG-Bauprogramm. Wofür ich stehe, ist die Idee, einen Fernpass-Bahntunnel auf die nächste Planungsebene zu heben. Das würde die öffentliche Mobilität bzw. die Anbindung aus dem Außerfern enorm verbessern. Es braucht hier auch klare Ausbauten und Elektrifizierungen der Bahnstrecken im Allgäu, weil ein Bahntunnel allein und ohne Anschluss keine Wirkung zeigen würde. Ich werde mich auf Bundesebene weiter dafür einsetzen, dieses Großprojekt gesamthaft und grenzüberschreitend auf eine nächste Ebene zu heben.
RS: Die Vorgangsweise der ÖBB rund um den geplanten zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke im Oberland sorgt in den betroffenen Gemeinden Imsterberg, Mils und Schönwies für massive Kritik. Wie könnte der zweigleisige Ausbau auf Schiene gebracht werden?
LR Zumtobel: Dass die Planungen für den zweigleisigen Streckenabschnitt bis vor Imsterberg aufgrund unterschiedlicher Interessen einzelner Standortgemeinden ausgesetzt wurden, verzögert bedauerlicherweise die zahlreichen Vorteile für die gesamte Region. Um eine langfristige Perspektive für das Oberland zu gewährleisten, braucht es eine durchgehende zweigleisige Strecke von Ötztal bis nach Landeck. Daher ist nun eine umfassendere, über die bisherigen Planungen hinausgehende Betrachtung durch die ÖBB erforderlich. Das Tiroler Oberland ist seit Jahren ein Nadelöhr und verunmöglicht den Kapazitätsausbau bzw. die Beschleunigung der Züge. Für diese gesamthafte und zukunftsweisende Absicherung setze ich mich – auch bei Gegenwind – mit Nachdruck ein. Tirol und das Oberland brauchen diesen Infrastrukturausbau.
RS: Sie selbst fahren auch gerne beruflich und privat mit dem Zug. Ihr „Heimatbahnhof“ ist der in Imst-Pitztal. Die Bahnstation soll in den nächsten Jahren zu einer modernen, barrierefreien Mobilitätsdrehscheibe ausgebaut werden. Ist das ein Herzensprojekt von Ihnen?
LR Zumtobel: Ja – der Bahnhof Imst-Pitztal zählt zu den wichtigsten Mobilitätsknoten im öffentlichen Verkehr im Westen Tirols. Täglich nutzen ihn 4.200 Fahrgäste. Es braucht eine moderne, barrierefreie Mobilitätsdrehscheibe mit entsprechendem Parkdeck, Park & Ride, Bike & Ride und Anbindung zum Bus. Mit dem erfolgten Start der Planungen und dem folgenden Umbau werden hier zudem die Weichen für den zweigleisigen Ausbau im Oberland gestellt.
RS: Als Landesrat für Verkehr und Umwelt sitzen Sie irgendwie zwischen zwei Stühlen. Auf der einen Seite liegt der Fokus auf erneuerbaren Energieformen, um die Klimaziele zu erreichen, auf der anderen Seite wird es in Zukunft mehr Energie aus Wasserkraft brauchen. Der WWF und der ÖAV fordern derzeit vom landeseigenen Energieversorger TIWAG, den geplanten Ausbau des Kraftwerks Kaunertal zu stoppen. Wie stehen Sie zum Ausbau des KW Kaunertal?
LR Zumtobel: Hören wir auf, die notwendige Energiewende und den Klimaschutz gegen den Naturschutz auszuspielen. Ich stehe ganz klar hinter dem Zielszenario Tirol 2050 energieautonom und dem damit verbundenen Ausstieg aus der Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten aus dem Ausland. Wie sehr wir abhängig von den Energielieferungen sind, hat uns der Angriffskrieg von Russland gezeigt, und zeigt uns aktuell auch der weltweite Preisanstieg beim Öl durch den Konflikt im Iran. Wir haben in Österreich mit der Umweltverträglichkeitsprüfung für solche Großprojekte jedenfalls einen sehr umfassenden Prüfmechanismus von unabhängigen Behörden, auf diesen vertraue ich.
RS: Apropos erneuerbare Energie: Es wird in Zukunft die Wasserkraft wohl noch besser genutzt werden müssen, Photovoltaikanlagen und Strom aus Windkraft sind ebenfalls ein großes Thema. Könnten Sie sich Windkraftanlagen auf Bergkämmen vorstellen?
LR Zumtobel: Den größten Teil unseres Zielszenarios bis 2050 macht die Wasserkraft aus. Wir haben in Tirol optimale Möglichkeiten und große Ressourcen, die wir bestmöglich nutzen müssen, um unsere Unabhängigkeit zu sichern. Auch der PV-Ausbau schreitet voran und diese Art der Energiegewinnung ist in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen. Aber es stimmt, wir wollen und müssen auch Windkraft in Tirol nutzen. Der Skepsis der Bevölkerung an manchen Standorten sollten die Projektwerber von Windkraftanlagen mit frühzeitiger und transparenter Information begegnen. Aufklären statt aufregen ist das Motto. Klar ist, dass Windräder nur dort möglich sind, wo sie ökonomisch Sinn machen und ökologisch vertretbar sind.
RS: Neu ist der Naturschutzfonds, mit dem künftig Naturschutzprojekte unterstützt werden sollen. Was soll aus dem Fonds finanziert werden?
LR Zumtobel: Die Wiedereinführung des Naturschutzfonds ist ein bedeutender Meilenstein für Tirol. Der Fonds ist mit einem Startkapital von rund einer Million Euro ausgestattet und wird nun laufend aus der Naturschutzabgabe und mit naturschutzrechtlichen Geldstrafen befüllt. Das Besondere daran ist, dass die Mittel zweckgebunden sind und damit nur für Naturschutzprojekte eingesetzt werden dürfen. Ich spreche immer vom „Bausparbuch“ für unsere Naturprojekte. Wir können nun in den kommenden Jahren beispielsweise Moore renaturieren, Auwälder wiederaufforsten oder Flusslandschaften revitalisieren.
RS: Wie die RUNDSCHAU in Erfahrung brachte, soll bald schon am Seefelder Plateau ein Projekt mit Elektrobussen starten, das sowohl Gästen als auch Einheimischen zugutekommen soll. Wie ist hier der Stand?
LR Zumtobel: Wir haben das klare Ziel, den öffentlichen Verkehr in Tirol Schritt für Schritt auf die effiziente und nachhaltige Elektromobilität umzustellen. Erste Busflotten sind dazu bereits im Einsatz – etwa im Großraum Innsbruck oder in Serfaus. In den nächsten Monaten kommen weitere E-Busse u. a. im Kitzbüheler Stadtverkehr und auch am Seefelder Plateau dazu. Die Rückmeldungen der Fahrgäste aus den E-Bussen sind äußerst positiv.
RS: Mit einem neuen Gesetz sollen Anbieter von Navigationssystemen künftig dazu verpflichtet werden, Abfahrverbote in Tirol auszuweisen. Dadurch soll der Ausweichverkehr durch die Ortsgebiete, zum Beispiel an der Fernpassstrecke oder an der Seefelderstraße, bestmöglich unterbunden werden. Wann ehestens kann dieses Gesetz in Kraft treten und was erwarten Sie sich davon?
LR Zumtobel: Bereits seit meinem Amtsantritt setze ich mich dafür ein – nun ist es endlich so weit: Dank der Unterstützung von Verkehrsminister Peter Hanke ist es gelungen, das entsprechende Gesetz auf den Weg zu bringen. Sobald es vom Nationalrat beschlossen und entsprechend kundgemacht ist, ist es rechtsgültig. Ab diesem Zeitpunkt sind Navi-Anbieter verpflichtet, unsere temporären Fahrverbote, wie beispielsweise jene im Bezirk Reutte, zu berücksichtigen und entsprechend keine Ausweichrouten mehr auf Straßen mit Fahrverboten anzuzeigen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass diese digitale Verkehrssteuerung als Ergänzung zu den von uns erlassenen Fahrverboten sowie den persönlichen Kontrollen durch die Polizei und die Straßenaufsichtsorgane wesentlich dazu beitragen wird, Stauausweichverkehr auf Orts- und Gemeindestraßen in Tirol weiter zu reduzieren.
RS: Gerade in Zeiten stark angestiegener Spritpreise ist der Umstieg vom Auto auf Öffis empfehlenswert. Sind im öffentlichen Verkehrsnetz genügend Kapazitäten vorhanden oder muss es noch ausgebaut werden?
LR Zumtobel: Der VVT hat im Vergleich zu anderen Bundesländern das größte Öffi-Angebot auf Schiene und Straße. Wir haben das Angebot in den letzten Jahren in vielen Regionen Tirols massiv ausgebaut, sowohl bei den Bahnverbindungen als auch im Busbereich. Aktuell haben rund 198.000 Menschen in Tirol eine Dauerkarte für den öffentlichen Verkehr, das sind um fast 50 Prozent mehr als noch vor sechs Jahren. Damit nutzt bereits ein Viertel aller Tiroler den öffentlichen Verkehr regelmäßig – die Nachfrage steigt weiter.
RS: Welche Öffi-Verbesserung im Tiroler Oberland freut Sie – als „Oberlandla“ – persönlich besonders?
LR Zumtobel: Es freut mich wirklich, dass die Verbesserungen im letzten Jahr – mit mehr als einer halben Million Mehrkilometern für Schiene und Bus im Tiroler Oberland – sichtbar wirken. Über 1.600 zusätzliche VVT-Jahreskarten innerhalb eines Jahres in Imst und Landeck zeigen klar: Wenn wir den öffentlichen Verkehr ausbauen, besser takten, Bus und Bahn gut aufeinander abstimmen und wichtige Knoten stärken, dann wird das Angebot auch angenommen. Ein besonderes Erfolgsprojekt ist für mich auch der Direktbus Landeck–Mals. Rund 700 Fahrgäste pro Tag belegen, dass für alltägliche Wege auch grenzüberschreitende, einfache und verlässliche Öffi-Verbindungen genau das sind, was die Menschen brauchen. Danke für das Gespräch!