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Neue Hoffnung auf Leben geschenkt

Linda Neuner aus Leutasch spendete ihre Stammzellen und konnte so einer jungen Frau helfen

Linda Neuner aus Leutasch bestellte sich im September 2024 online ein Typisierungsset und ließ sich von zu Hause aus als Stammzellenspenderin registrieren. Zu der Zeit hatte es in ihrem Heimatort den Typisierungsaufruf für ein Mädchen mit Verwandten in Leutasch gegeben, bei dem sie aber gerade im Urlaub war. Mitten im Dezember saß sie gerade in einem WIFI-Kurs, als sie die Nachricht erhielt, dass sie als potenzielle Spenderin für eine Frau in den Niederlanden infrage käme. Auf die Frage, ob sie spenden würde, zögerte sie nicht: „Ja, natürlich, ohne Frage mache ich das“, stimmte sie sofort zu.
10. Feber 2026 | von Christina Hötzel
Neue Hoffnung auf Leben geschenkt
Die fünf Stunden der ersten Spende 2025 vergingen wie im Flug, Anfang Februar fuhr Linda Neuner zur Booster-Spende heuer erneut nach Gauting. Foto: privat

„Ich war völlig überrascht und aufgeregt, da ich mich erst wenige Monate zuvor registriert hatte“, beschreibt sie weiter. Anfang Oktober 2025 war es dann so weit. Sie fuhr zur Voruntersuchung nach Gauting bei München, und nur wenige Tage später fand bereits die Spende statt. Eine Stammzellenspende ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen von einem Spender auf einen Patienten, um dessen krankes blutbildendes System zu erneuern, meist bei Leukämie und anderen schweren Blutkrankheiten, was oft die einzige Heilungschance darstellt.  „Die fünf Stunden, die die Spende dauerte, sind wie im Flug vergangen. Ich wurde nach der Ankunft sofort an die Maschine angehängt. Der kleine Piks war nicht der Rede wert. Nach dem Aufstehen war mir nur kurz schwindelig. Durch die Aufregung hatte ich viel Adrenalin, es ist aber alles relativ komplikationslos gegangen. Schon kurz danach fühlte ich mich wieder fit.“ Durch die Spritzen mit einem körperähnlichen Botenstoff zur Stimulierung hatte sie im Vorhinein leichte grippeähnliche Symptome.

AUSFÜHRLICHES AUFKLÄRUNGSGESPRÄCH. Auf die Frage, ob sie überhaupt keine Bedenken gehabt hat, antwortet die mittlerweile 21-Jährige, die als Buchhalterin bei einem Steuerberater arbeitet: „Die Ärzte waren sehr nett und das Aufklärungsgespräch sehr ausführlich. Wenn man weiß, dass man ein Leben retten kann, denkt man nicht so sehr an das eigene Befinden.“ 90 Prozent aller Spenden erfolgen ambulant über eine Blutentnahme, wie auch bei Linda. Die Entnahme ist nicht schmerzhafter als Blutspenden. Relativ selten bedarf es einer Knochenmarkentnahme unter Narkose. „Ich glaube, das hängt auch vom Alter des Patienten ab. Beim Aufklärungsgespräch wurde ich informiert, dass, wenn sich mit den Spritzen zu wenig Stammzellen bilden, eventuell eine Knochenmarkentnahme nötig sein könnte.“

ERFAHRUNGEN BEI DER SPENDE. Die Spende selbst dauerte etwa fünf Stunden und verlief völlig komplikationslos. „Schon kurz danach fühlte ich mich wieder fit – und vor allem stolz, einer jungen Frau neue Hoffnung auf Leben schenken zu können. Ich würde es jederzeit wieder tun“, ist sich Neuner sicher. Die Frau, der sie geholfen hat, ist wohl Anfang 30. Näheres weiß die Spenderin aus Datenschutzgründen nicht. „Ich habe eine Cousine im selben Alter, es hätte auch sie treffen können. Das Ganze berührt mich sehr. Es fühlt sich unwirklich an, dass so was Persönliches von mir jetzt Teil von ihr ist“, beschreibt Linda. „Ich fühle mich verbunden mit ihr, obwohl ich sie nicht kenne.“ Auf die Frage, ob die Erfahrung ihre bisherige Einstellung zum Leben und zur eigenen Gesundheit verändert hat, antwortet sie: „Mir ist bewusst geworden, wie wertvoll das Leben ist. Ich sehe meine Gesundheit nicht mehr als selbstverständlich an. Meine eigene Gesundheit hat jemandem geholfen, deshalb achte ich in Zukunft noch mehr auf mich.“

ERNEUTE SPENDE.  In der vergangenen Woche musste Neuner für eine Booster-Spende noch einmal nach Gauting. Anfang Jänner erfuhr sie, dass die Spendenempfängerin schon 95 Prozent der Zellen angenommen hat. Die Booster-Spende beschleunigt die Wiederherstellung des Immunsystems der Patientin. „Auf der Zielgeraden brechen wir nicht ab, sondern ziehen es durch“, motivierte sich Linda. Für diese Spende brauchte sie keine Spritzen im Vorhinein und sie dauerte nur zwei Stunden. Auf die Frage, ob sie sich als Heldin fühlt, meint sie: „Es war ein spannendes Gefühl, das sich aber nicht wie Heldentum anfühlt. Ich wollte einfach Hoffnung geben, wenn diese gebraucht wird.“ Kennenlernen würde sie die junge Frau doch gerne. Wegen der strengen Datenschutzregeln durfte sie nur einen anonymen Brief schreiben, dazu hat sie einen Schutzengel gelegt. „Durch Social Media gibt es aber sicher einen Weg, wenn beide es wollen“, hofft sie. Laut ihren Informationen ist die Spendenempfängerin bereits wieder zu Hause. „Wenn alles so bleibt, ist das Ziel erreicht“, freut sich Neuner. Abschließend möchte die junge Leutascherin noch dazu aufrufen, sich typisieren zu lassen. „Es ist schön, wenn man unerwartet jemandem helfen kann.“

TYPISIERUNG BEI GEBEN FÜR LEBEN. Alle Personen zwischen 18 und 61 Jahren mit gutem Gesundheitszustand können helfen – für eine Registrierung als potenzieller Stammzellspender sollte man zwischen 16 und 45 Jahre alt sein. Durchschnittlich jede 300. Typisierung rettet ein Leben bei „Geben für Leben“. Nähere Informationen unter: https://www.gebenfuerleben.at/werde-jetzt-stammzellspenderin/

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