Scharnitz ist zum „stillen Dorf“ geworden
Im November 2018 wurde die Umfahrungsstraße eröffnet, die RUNDSCHAU fragte nach, was sich seither verändert hat
Die Gemeinde Scharnitz wird seit dem November 2018 vom Verkehr umfahren. Viele Dörfer, aus denen der Durchzugsverkehr verbannt wurde, sind gleich danach zu „Geisterdörfern“ geworden. Die RUNDSCHAU interessierte, wie sich die Situation nach fast acht Jahren Umfahrung in Scharnitz darstellt. Bürgermeister Christian Ihrenberger ist überzeugt, dass die Umfahrungsstraße mehr Vor- als Nachteile mit sich brachte.
6. Oktober 2026
Durch Scharnitz herrscht seit der Eröffnung der Umfahrungsstraße nur mehr wenig Verkehr. Zu einem „Geisterdorf“ sei Scharnitz wegen der Umfahrungsstraße aber nicht geworden, sagt Bürgermeister Ihrenberger. Foto: Schnöll
Für die Scharnitzer Bevölkerung war es ein Freudentag als am 10. November 2018 beim Westportal des „Porta Claudia-Tunnel“ die Umfahrungsstraße offiziell eröffnete. Den Festakt vollzogen der damalige Landeshauptmann Günther Platter, LH-Stv. Josef Geisler und die damalige Bürgermeisterin Isabella Blaha. Etwa ein halbes Jahr später fragte die RUNDSCHAU bei Blaha nach, was sich seit der Eröffnung der Umfahrungsstraße verändert hat. „Seit der Durchzugsverkehr aus dem Dorf verbannt ist, laufen Überlegungen, wie man Scharnitz mit seinem Naturjuwel Karwendel touristisch vermarkten kann. In den 70er-Jahren erlebte unser Dorf wirtschaftlich und touristisch gute Zeiten. In diese Richtung soll es nun wieder gehen. Mit dem Karwendelgebirge haben wir einen Schatz, den wir nun heben müssen. Das Wandern und Klettern boomt, da müssen wir ansetzen“, sagte die Dorfchefin damals.
es ist merkbar ruhig geworden. Inzwischen ist Christian Ihrenberger der Bürgermeister der Grenzgemeinde. „Im Dorf ist es merkbar ruhig geworden. Als der Verkehr noch durch das Dorf rollte, konnte man oft nur schwer die Straßenseite wechseln, seit der Eröffnung der Umfahrungsstraße sind auf der Dorfstraße nur mehr wenige Autos unterwegs“, sagt Ihrenberger. Ab und zu soll sich der Durchzugsverkehr aber doch noch bis ins Dorf hinein stauen. „Wenn es wegen Kontrollen der Deutschen Grenzpolizei zu Blockabfertigungen kommt, führt das zu Stauungen, die manchmal auch bis ins Dorfzentrum hinein reichen“, weiß Ihrenberger.
„ein hotel im dorf wäre wünschenswert!“ Größere wirtschaftliche Nachteile sieht der Scharnitzer Bürgermeister in der Umfahrungsstraße ebenfall nicht. „Einige Geschäfte haben bereits vor der Eröffnung der Umfahrung dicht gemacht und jene Geschäfte, die wir derzeit im Dorf haben, laufen, so glaube ich jedenfalls, nicht schlecht!“ Und auch in den beiden Gastronomiebetrieben im Dorf soll es seit der Eröffnung der Umfahrungsstraße mehr Gäste geben. Bürgermeister Christian Ihrenberger sagt auch, dass es in Scharnitz mehrere Fremdenpensionen gibt, die das ganze Jahr über gut ausgebucht sind. „Wir sind froh, dass es im Dorf immer noch Häuser mit Nächtigungsmöglichkeiten gibt. Was wir aber unbedingt bräuchten, wäre ein größeres Hotel, vielleicht mit einem Wellnessbereich. Die Karwendelregion ist bei den ausländischen Gästen beliebt, da braucht es eben ein oder zwei Häuser mit einer entsprechenden Gastronomie und Nächtigungsmöglichkeiten“, so Ihrenberger abschließend.
Gebi G. Schnöll 





