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Seefeld ist aus „WM-Schlamassel“ draußen

Alle offenen Themen der „Nordic WM 2019“ sind abgeschlossen, nun wird nur mehr nach vorne geschaut

Erleichterung in Seefeld! Bürgermeisterin Andrea Neuner, Vizebürgermeister Alexander Schmid, TVB-Geschäftsführer Elias Walser und die Prokuristin der „WM-Sportanlagen Seefeld-Tirol GmbH“, Simone Fuchs, konnten vor einigen Tagen bekanntgeben, dass alle offenen Themen der „52. Nordic-WM 2019“ abgeschlossen sind. Auch die Fördergeldrückforderungen sind nun endgültig vom Tisch.
3. Juni 2026 | von Gebi G. Schnöll
Seefeld ist aus „WM-Schlamassel“ draußen
Freude bei Prokuristin Simone Fuchs (WM-Sportanlagen Seefeld-Tirol GmbH), Vizebürgermeister Alexander Schmid, Bürgermeisterin Andrea Neuner und Tourismusverband-Geschäftsführer Elias Walser (v. l.), sie halten die final unterfertigte Vereinbarung in Händen. Foto: Region Seefeld, Stefan Gapp
Mehr als sieben Jahre nach Ende des Großevents „Nordic WM 2019“ mit Besucherrekorden konnte das Damoklesschwert „Fördergeldrückzahlungen“ mit dem Erhalt der von der Österreichischen Finanzprokuratur gegengezeichneten Vereinbarung zwischen der Gemeinde Seefeld, der „WM-Sportanlagen Seefeld-Tirol GmbH“, dem Tourismusverband Seefeld und der Republik Österreich endlich abgehängt werden. Die Erleichterung, dass dieses unangenehme Kapitel der Seefelder Sportgeschichte nun endlich ein Ende gefunden hat, ist Bürgermeisterin Angelika Neuner anzusehen. Die mit rot-weiß-roter Kordel gebundene Vereinbarung in Händen, trat die Seefelder Dorfchefin kürzlich lachend vors Gemeindeamt: „Ich bin sehr froh, dass wir hier in meiner aktuellen Amtsperiode tatsächlich noch einen Schlussstrich darunter setzen können“, meinte sie erleichtert.

VORGESCHICHTE. Die Vorgeschichte war tatsächlich eine lange: Mit dem Griechen Alex Vanias lief am 3. März 2019 um 15.14 Uhr der letzte Läufer des finalen 50-Kilometer-Langlaufrennens über die Ziellinie und setzte damit den Schlusspunkt unter die „52. Nordischen Skiweltmeisterschaften“ in Seefeld. Zurück blieben bei strahlendem Sonnenschein zahllose feiernde Fans und gute Stimmung. Doch nur kurze Zeit nach der WM zogen dunkle Wolken auf: Schulden sowie mögliche hohe Fördergeldrückzahlungen standen im Raum und wurden immer wieder von den Medien kolportiert. Bürgermeister Werner Frießer, unter dessen gemeindepolitischer Patronanz die „Nordic WM 2019“ stattgefunden hat, trat im Juni 2021 aus privaten Gründen zurück. Sein Nachfolger Markus Wackerle konnte in der Rückzahlungsfrage ebenso keine Lösung erzielen. Nach Wackerles Rücktritt im Oktober 2023 löste sich schließlich am 28. November 2023 der gesamte Seefelder Gemeinderat auf, der WM-Ort kam unter Amtsverwaltung, Sonne und gute Stimmung schienen verflogen.

MUT UND ZUVERSICHT. Andrea Neuner zeigte Mut und Zuversicht und stellte sich im Februar 2024 als einzige Kandidatin den Gemeinderatsneuwahlen. Sie traute sich zu, unter das Schlamassel mit den WM-Schulden einen Schlussstrich zu ziehen. Der Tourismusverband und sein Aufsichtsrat wussten damals um die Bedeutung der Sportinfrastruktur für die Region und waren stets bestrebt, eine gute Lösung für deren Erhalt und weiteren planmäßigen Betrieb zu finden. Mit der Konstituierung des neuen Gemeinderats am 11. März 2024 stand diesem auch vonseiten der Gemeinde nichts mehr im Wege. „Es haben sofort alle an einem Strang gezogen“, erinnert sich TVB-Geschäftsführer Elias Walser. „Dadurch konnten wir schnell eine Lösung erarbeiten.“ In der Tat legten Gemeinde, TVB und die „WM-Sportanlagen Seefeld-Tirol GmbH“ bereits im Sommer 2024 einen ersten Entwurf vor. In der Vereinbarung erklärte sich der TVB bereit, ein ehemals gegebenes Darlehen in einen Investitionszuschuss umzuwandeln sowie weitere rund 1,4 Millionen Euro an WM-Zuschuss zu übernehmen. Im Gegenzug übertrugen Gemeinde und „WM-Sportanlagen Seefeld-Tirol GmbH“ das im Rahmen der WM errichtete „Technical Center“ an den Tourismusverband. Dieser nutzt den Gebäudekomplex nun unter anderem als Bauhof, kommt aber auch den in den WM-Förderverträgen bis 31. Dezember 2040 festgeschriebenen Betriebsauflagen nach.

KONSTRUKTIVE ZUSAMMENARBEIT. „Die enge und sehr gute Zusammenarbeit von TVB und Gemeinde ermöglichte für alle Parteien eine gute Lösung“, erklärt Neuner. Das Geld floss im August 2024, die Vereinbarungen wurden von allen Parteien rund um den Jahreswechsel 2024/25 unterzeichnet. „Es folgten fast eineinhalb Jahre banges Warten“, gesteht Walser. „Denn ohne die Genehmigung durch die Finanzprokuratur wäre die Vereinbarung wertlos gewesen.“ Nun ist die Genehmigung erfolgt und alle sind glücklich. „Das Beste daran ist“, lacht Neuner, „dass ich endlich wieder entspannt zu Terminen ins Landhaus fahren kann. Die ewige Bitte, ob nochmals in Wien nachgehakt werden könnte, war mir schon sehr unangenehm.“ Auch Simone Fuchs, die erst lange nach der WM die Leitung der „Sportanlagen GmbH“ übernahm, ist froh, dass dieser Tagesordnungspunkt „nun endlich ad acta gelegt werden kann und wir nach vorn schauen können“.

NACH VORNE SCHAUEN. Nach vorn schauen bedeutet aber auch, weiter für den Hochleistungssport, große Sportevents und als Nachwuchstrainingszentrum zur Verfügung zu stehen. Vor allem letzteres ist Teil der Auflagen des WM-Fördervertrages von 2018. „Wir stehen dazu“, sagt Vizebürgermeister Alexander Schmid.
Der Unternehmer merkt aber auch kritisch an, dass die Finanzierung solcher Auflagen für kleine Orte nicht einfach sei. „Landes- oder gar bundesweite Sportstrategien müssten künftig auch langfristige Finanzierungsfragen mitdenken.“  Insbesondere bei kostenintensiven Anlagen wie Sprungschanzen oder großangelegten Loipen, die im Verhältnis zum Betriebsaufwand wenig Ertrag bringen, sollten nicht nur der Bau, sondern auch der Erhalt und der Betrieb Teil der Förderstrategien sein. „Es ist nicht einfach für eine 3.600-Seelen-Gemeinde wie Seefeld, ein so großes Leistungszentrum zu erhalten.“ Ohne den TVB und den geschickten touristischen Nutzen der Anlagen wäre das wohl kaum bis gar nicht möglich.

INFORMATIONEN. Wie die WM-Anlagen Anlaufstelle für Athleten, Gäste und Einheimische werden und welche Projekte der TVB und die Gemeinde Seefeld hierzu starten, erfährt man unter anderem auf der neuen Website der „Arena36“ unter www.seefeld.com/arena365/
Seefeld ist aus „WM-Schlamassel“ draußen
Der Besuch und die Stimmung bei der WM waren gewaltig, finanziell blieben aber viele Fragen offen. Foto: Region Seefeld, Stefan Gapp

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