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Seefeld stemmt sich gegen Badschließung

Viele Bürgervorschläge führten dazu, dass Gemeinderat, Land und TVB weitere Debatten führen werden

Von einer Husch-Pfusch-Entscheidung und einer Hau-Ruck-Aktion war die Rede! Die Emotionen im bis auf den letzten Platz gefüllten „Saal Olympia“ im Seefelder Sport- und Kongresszentrum kochten aber innerhalb einer dreieinhalbstündigen Diskussion dennoch nicht über. Zehn Gemeinderäte stellten sich gemeinsam mit dem für Gemeindefinanzen zuständigen Referenten des Landes Tirol, Magnus Gratl, den Fragen der Anwesenden. Am Ende ging man sogar mit einer positiven Stimmung auseinander: Vizebürgermeister Andreas Steiner verkündete, dass man zwar aus budgetären Gründen angehalten sei, das Wasser im Seefelder Bad abzulassen. Welche endgültigen Entscheidungen man aber fällt, hänge von weiteren Gesprächen mit Fachleuten, TVB, Land und den Inputs der Bürger ab.
21. November 2023 | von Bernhard Rangger
Seefeld stemmt sich gegen Badschließung
Vizebürgermeister Andreas Steiner, Magnus Gratl und die Seefelder Gemeinderäte (hinten, v.r.) standen bei der Gemeindeversammlung im „Saal Olympia“ Rede und Antwort. Foto: Holknecht
Von Bernhard Rangger

Dass beim außergewöhnlich gut besuchten Treffen weder die ausstehenden 3,1 Bundesmillionen für die Nordische WM 2019 noch die Nachwehen des Rücktritts von Bürgermeister Markus Wackerle zur Sprache kamen, hatte wohl mehrere Gründe: Für die bevorstehenden Bürgermeisterwahlen hatte die BH bis dato noch keinen Termin verkündet und das vom Gemeinderat vor drei Wochen verkündete Zusperren der Wasserfläche des Seefelder Schwimmbads war ein so großer Aufleger, dass alle Anwesenden sich auf dieses Thema konzentrierten.

BÄDERSTUDIE. Gleich nach der extrem kurz geratenen Begrüßung durch GR Philip Mauser gab der amtsführende Vizebürgermeister Andreas Steiner einen Überblick über die derzeitige Finanzlage der Gemeinde Seefeld: „Im Haushaltsjahr haben wir 17,6 Millionen Euro eingenommen und 15,8 Millionen ausgegeben. Ohne Gemeindebetriebe ergibt das ein Plus von 1,8 Millionen Euro, zählt man aber den Schuldendienst und die Abgänge der Sportanlagen in der Höhe von 3,5 Millionen Euro dazu, verzeichnen wir einen Abgang von zwei Millionen Euro – auch in den Folgejahren bis 2030. Dieses Loch müssen wir stopfen, da wir von der Aufsichtsbehörde angehalten sind, ausgeglichen zu budgetieren. Zusätzlich gibt es in der Gemeinde einen Investitionsstau, wenn man an das Freibad bei der Strandperle, das Dach von der WM-Tennishalle, den Friedhof und den Pavillon sowie an die vielen laufenden Investitionen in die Gemeindeinfrastruktur denkt!“ Magnus Gratl vom Büro des Landeshauptmanns bestätigte: „Das Land zwingt zwar Seefeld nicht, das Schwimmbad zu schließen. Wir pochen aber auf Sparsamkeit, da Seefeld auf Grund der angespannten Finanzlage keine Kredite mehr aufnehmen kann. Auch andere Tiroler Bäder sind wegen veralteter Technik sowie der gestiegenen Zins-, Energie- und Personalkosten in eine Schieflage geraten, die das Land nicht einfach ausgleichen kann. Wir erarbeiten daher bis Mitte 2024 eine Bäderstudie.“ TVB-GF Elias Walser machte bereits eingangs der Diskussion klar, dass die Schließung nicht im Sinne des Tourismusverbandes sei, da es dadurch zu einem Rückgang bei den Nächtigungen kommen werde: „Trotzdem sind wir dem Tiroler Tourismusgesetz verpflichtet und können nicht Abgänge von Gemeindebetrieben finanzieren!“

AN DER PREISSCHRAUBE DREHEN. Von Anfang an drehte sich die Debatte daher um eine Erhöhung der Kurtaxe. Walter Lohmann: „Der Schuldendienst für das Schwimmbad ändert sich nicht, auch wenn es zugesperrt wird. Man kann damit also nicht einmal eine Million Abgang einsparen. Eine Erhöhung der Kurtaxe um 50 Cent würde fast eine halbe Million Euro an Einnahmen bringen. Ihr müsst bedenken, dass es sich um eines der schönsten Schwimmbäder Österreichs handelt!“ Auch auswärtige Schwimmbadbesucher kamen zu Wort, die auf die regionale Bedeutung des Bades aufmerksam machten. Seefelder Kaufleute, Hoteliers und Bank-Direktoren regten an, die Umwegrentabilität in die Gemeindeentscheidung einzurechnen, das Land bei den Stromkosten in die Pflicht zu nehmen, die Gewinne anderer Gemeindebetriebe zur Budgetsanierung heranzuziehen und an der Preisschraube bei den Eintritten zu drehen. Besseres Marketing, insbesondere bei der Vermarktung von Kongressen, mehr Controlling und jede Menge Einsparungsvorschläge wurden gemacht,  auch Bürgerbeteiligung und Fundraising wurden angeregt.

TATEN SETZEN. Der Leutascher Bürgermeister Jorgo Chrysochoidis erklärte, dass eine zweckgebundene Erhöhung der Kurtaxe ausschließlich für das Seefelder Bad von ihm abgelehnt werde. Er schlug vor, die Einnahmen zu stärken, indem Seefeld dem Land Öffnungszeiten, in denen nur wenig los sei, für den Schwimmnachwuchs in umliegenden Gemeinden verkaufe und so die Einnahmen stärken könnte. Vizebürgermeister Andreas Steiner bedankte sich am Ende der erstaunlich sachlichen Debatte: „Wir haben viele Anregungen mitgenommen und befinden uns am Anfang einer Debatte, die spätestens in der Zwischensaisonspause nach der Schließung im März zu Ergebnissen führen muss. Sonst müssen wir uns auf die eigentlichen Gemeindeaufgaben konzentrieren, und dazu zählt eben nicht das Bad!“ Magnus Gratl: „Ich habe wahrgenommen, dass viele in Seefeld etwas tun wollen. Jetzt müssen Taten folgen, dann wird sich das Land sicher nicht gegen eine Schwimmbadrettung stellen!“ Auch TVB-GF Elias Walser kündigte ein Fortführen der Diskussion bei der nächsten Aufsichtsratssitzung an: „Wir können das Problem nur mit der Gemeinde und der Bevölkerung gemeinsam lösen, und dazu sind wir gerne bereit!“

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