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Seefelder Dorfchef Wackerle nimmt den Hut

Ausgehend von der Opposition kommt es trotz Bürgermeisterrücktritts zu keiner Auflösung des Gemeinderates

Paukenschlag in Seefeld: Bürgermeister Markus Wackerle legte vergangenen Mittwoch sein Amt zurück. Bis zur Neuwahl übernimmt Vizebürgermeister Andreas Steiner die Amtsgeschäfte. Die Weichen dafür wurden in der jüngsten Gemeinderatssitzung gestellt. Vorerst gibt es keinen Nachfolgekandidaten. Die Liste von Altbürgermeister Werner Frießer will aber unbedingt einen finden, um einen Amtsverwalter zu verhindern. Eine vorzeitige Auflösung des Gemeinderates fand keine Zustimmung.
17. Oktober 2023 | von Von Gebi G. Schnöll
Seefelder Dorfchef Wackerle nimmt den Hut
Bürgermeister Markus Wackerle von der „Bürgerliste Seefeld“ nimmt den Hut und löst eine sehr komplexe Nachfolge-Debatte aus. Foto: Archiv
Von Gebi G. Schnöll

Der scheidende Bürgermeister Markus Wackerle hat vor einer Woche seinen Amtsverzicht eingereicht – aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen, wie er betont. Auch seine Tätigkeit als Kommandant der Schützen will er beenden. „Nicht weil ich amtsmüde bin, sondern weil es wieder einen jungen Chef braucht, der neuen Schwung in die Truppe bringt“, meint Wackerle. Ich bleibe natürlich Mitglied der Schützenkompanie, die mir wegen der Tradition und der Kameradschaft sehr am Herzen liegt. Auch dem Theaterverein bleibe ich erhalten. Dort führt ja Theres Schmid als Obfrau den Verein!“

ZUERST EIN LANDESTERMIN, DANN RÜCKTRITT. Wackerle hatte ein familiäres Problem und sieht seine eigene Gesundheit dadurch in Gefahr: „Ich hab den Gemeinderat und die Angestellten ausführlich informiert und mich zurückgezogen, bevor ich selbst wirklich krank werde. Erste Anzeichen hatte ich schon. Vor der Gemeinderatssitzung am Dienstag nehme ich noch einen wichtigen Termin für die Gemeinde im Landhaus wahr. Dann aber braucht Seefeld einen Bürgermeister, der zu einhundert Prozent das Amt ausübt. Das wäre bei mir derzeit nicht möglich. Trotz alledem stehe ich natürlich der Gemeinde und den Vereinen weiter zur Verfügung. Ich muss nur die Verantwortung abgeben!“ Vizebürgermeister Andreas Steiner, der selbst auf keinen Fall Bürgermeister-Nachfolger werden will, hat gemeinsam mit Wackerle die Gemeinderatssitzung einberufen: „Unter anderem geht es auch um die vorzeitige Auflösung des Gemeinderates, wofür es bei Anwesenheit von mehr als der Hälfte der Gemeinderäte einen Beschluss mit Zweidrittel-Mehrheit geben muss. Dann würde ein Amtsverwalter die Geschicke bis zur Neuwahl führen. Zweites Szenario wäre, dass der Gemeinderat den Rücktritt des Bürgermeisters annimmt und ich als Vizebürgermeister die Amtsgeschäfte weiterführe. Binnen sechs Wochen muss die BH  die Wahl ausschreiben.“

NUR BÜRGERMEISTERWAHL. Gegen eine Auflösung des Gemeinderates machte vor allem die Liste „Seefeld aktiv“ mobil. Listenführer Hannes Norz: „Ein Amtsverwalter wäre für die Gemeinde Seefeld nach dem Chaos der vergangenen Jahre der endgültige Genickschuss. Zunächst hat man Alt-Bgm. Frießer aus dem Amt gemobbt und dann alle wichtigen Beschlüsse eineinhalb Jahre vor sich her geschoben. Wir werden die Auflösung des Gemeinderates verhindern und dann auch einen Kandidaten aus unseren Reihen suchen, der zumindest wieder die Ärmel hochkrempelt und als Bürgermeister wichtige Entscheidungen für unser Dorf trifft.“ Überhaupt kein Interesse an der Bürgermeisterwahl zeigt Ex-Bürgermeisterkandidatin Bettina Moncher: „Ich will und kann derzeit nicht antreten, bin aber strikt gegen eine Auflösung des Gemeinderates. Das wäre der Worst-Case für den Ort, wenn ein Amtsverwalter monatelang nur noch die Gehälter der Beamten auszahlt!“ Ähnlich auch die Aussage von Alexander Schmid: „Wir haben innerhalb der Liste beraten und finden keinen Bürgermeisterkandidaten. Ich bin gerade zum Kaufleute-Obmann wiedergewählt worden und Obmann des TVB-Aufsichtsrates. Seefeld braucht aber einen Vollzeitbürgermeister – in der derzeitigen Situation fast einen Mediator – und diese Aufgabe kann ich nicht übernehmen!“ Eine Auflösung des Gemeinderates bei der Dienstag-Sitzung schließt er aus: „Ich würde da nur zustimmen, wenn es überhaupt keinen Bürgermeisterkandidaten gibt. Ein Hals-über-Kopf-Beschluss ist mir viel zu hektisch. Wir werden jetzt einmal weiter arbeiten und die Situation beobachten!“

AUFLÖSUNG VOM TISCH. Da sich aus den gleichen Gründen auch die „Seefelder Bürgerliste“ in einer internen Sitzung  gegen eine Auflösung des Gemeinderates aussprach, war eine Abstimmung über diesen Tagesordnungspunkt bereits vor der GR-Sitzung vom Tisch. Vizebürgermeister Steiner ist dennoch der Meinung, dass unter Bürgermeister Wackerle  gute Arbeit geleistet wurde: „Es wurden die Voraussetzungen geschaffen, dass man die budgetäre Situation Seefelds in den Griff bekommt. Wir haben ein Plus von 1,6 Millionen Euro erwirtschaftet und das Minus der WM-Halle nachhaltig verkleinert!“

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