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Zurückgelassenes Kriegsmaterial 1976 ausgegraben

Stefan Dietrich
18. August 2026
Zurückgelassenes Kriegsmaterial 1976 ausgegraben
Foto: Landesgendarmeriekommando Tirol
Vom Gefecht am 1. Mai 1945 bei Scharnitz war in dieser Serie schon die Rede. Damals, kurz vor Kriegsende, stellte sich eine bunt zusammengewürfelte deutsche „Kampfgruppe“ den mit großer Übermacht heranrückenden Amerikanern entgegen. Die Verteidigungslinie brach schnell zusammen, zwei Tage später zogen die US-Truppen in Innsbruck ein.
Im November 1976 wurden den Scharnitzern die kriegerischen Ereignisse schlagartig wieder ins Gedächtnis gerufen. In einem Feld nicht weit vom Waldfriedhof waren Überbleibsel der Kämpfe aufgetaucht. Wie es dazu kam, hat das Scharnitzer Chronistenteam um Isabella Blaha und Markus Fasching dokumentiert: Einheimische erinnerten sich damals daran, dass Amerikaner in diesem Feld 1945 Kriegsgerät vergraben hatten. Sie begannen zu graben und wurden fündig. Allerdings machte ihnen die Behörde einen Strich durch die Rechnung. Gendarmerie und Bezirkshauptmannschaft stellten die privaten Grabungen ein und ließen die gefährlichen Relikte vom Entminungsdienst freilegen (Bild).

Die Ausbeute war imposant. Die flüchtenden deutschen Soldaten hatten massenhaft Kriegsmaterial zurückgelassen. Man fand Munitionskisten mit und ohne Inhalt, Gewehre, Panzerfäuste, Granaten aller Art, ein Maschinengewehr, Sprengstoff und sogar ein Feldtelefon. Auch einige Jagdgewehre, die die US-Soldaten im Ort beschlagnahmt hatten, kamen zutage. Die Waffen waren jedoch durch die lange Liegezeit im Boden unbrauchbar. Einheimische glaubten zu wissen, dass 1945 auch eine Kiste mit Exemplaren von Hitlers „Mein Kampf“ und Nazi-Fahnen vergraben worden seien, doch wurde davon nichts entdeckt.
Warum die zurückgelassenen Kampfmittel beseitigt wurden, liegt auf der Hand: Als im Mai 1945 der Krieg endete, befürchteten die Sieger, dass Untergrundkämpfer der Nazi-Organisation „Werwolf“ ihre Soldaten aus dem Hinterhalt angreifen könnten. Die Sorge war letztlich unbegründet, doch versuchte man, möglichst viele Waffen, die in die Hände der Bevölkerung geraten könnten, aus dem Verkehr zu ziehen.
Und was geschah 1976 mit den ausgegrabenen Kriegsrelikten? Heute würden sich wohl Neuzeit-Archäologen dafür interessieren. Damals machte man aber kurzen Prozess: Waffen und Munition wurden nach Wiener Neustadt gebracht und von Spezialisten des Bundesheers vernichtet.

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