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Telfs | Sport | 21. Juni 2021 | Albert Unterpirker

„In der Luft taugt’s mir volle gut!“

„In der Luft taugt’s mir volle gut!“<br />
Trophäen ohne Ende – das „Medaillen- und Pokal“-Zimmer von Elias. PS: Er ist Fan des FC Barcelona. RS-Fotos: Unterpirker
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Team-WM-Gold in Finnland – Die RUNDSCHAU besuchte das Skisprungtalent Elias Medwed in Birgitz

Er ist 19 Jahre jung und sicherte sich im Februar die Gold-Medaille im Teambewerb bei der Junioren-WM 2021 der Spezialspringer im finnischen Lahti. Die Rede ist von Elias Medwed. Im Schigymnasium Stams maturierte der Birgitzer kürzlich mit ausgezeichnetem Erfolg – sein Weg nach oben scheint vorgezeichnet. Aber nicht von Gottes Gnaden, sondern wegen eigener, beinharter täglicher Arbeit.
Von Albert Unterpirker

Beim RUNDSCHAU-Besuch im elterlichen Haus in Birgitz wird rasch klar: Hier sitzt jemand gegenüber, bei dem man sich warm anziehen müsste – als Konkurrent im Zirkus der Schispringer. Elias Medwed spricht über seinen Werdegang, als wäre ein Leben ohne Schispringen wie ein Tiroler Knödel ohne Speck. Obwohl: Gar so g’schmeidig lief nicht alles ab. Bei seinen ersten Sprung-Versuchen mit acht Jahren wanderte man von Natters – das aufgrund der geographischen Nähe eigentlich erste Wahl gewesen wäre – nach Absam aus. Warum? Weil man mit dem Nachwuchs im benachbarten Ort aus allen Nähten platzte. In Gnadenwald absolvierte Elias auf einer 10-Meter-Schanze erste Hüpfer. „Mit Sprungschi, deren Modell es heute nicht mehr gibt“, grinst der 19-Jährige. Später folgten in Natters dann 15-, 20- und 40-Meter-Schanzen. Gemeldet war er mittlerweile beim legendären Verein SV Innsbruck Bergisel, wo schon Kapazunder wie Gregor Schlierenzauer und Andreas Kofler waren. Wie er überhaupt zum Schispringen kam, erzählt er mit einem Lachen in den Augen. Sprung-Kollege Manuel Fettner, mit dem er derzeit im ÖSV-B-Kader trainiert, ist in Birgitz ein Nachbar von ihm. Da habe er sich früher immer gefragt, warum jener Trikots am Fenster hängen hatte. Später verfolgte er den Weltcup im TV – und leckte Blut.

Ulrtahart. Nach der Aufnahme in den TSV-Kader und erfolgreicher Aufnahmeprüfung in Stams (2016) hatte er bereits seine ersten Auftritte im Austria Cup hinter sich. „Das war schon cool“, erinnert sich Elias an Sprünge in populären Stadien wie Bischofshofen. Nachdem die schulische Ausbildung nun vorbei ist, steht noch mehr Training auf dem Programm. „Bei der Sprungkraft muss ich noch nachlegen, aber ich bin zuversichtlich, dass generell noch einiges weitergeht.“ Sein Fokus ist genau so scharf wie seine Stärken in der Luft. „Umso größer die Schanze, umso besser werde ich. In der Luft bin ich sehr sensibel, in der Luft taugt’s mir.“ Weniger getaugt haben einige Verletzungen, die ihm mitunter mächtig zu schaffen gemacht haben. Viel Pech sei dabei gewesen, und los ging es schon bei seinem Wechsel nach Stams. Im ersten Jahr erwischte es ihn nach einer Umstellung beim Material ultrahart. Bei einem Sturz knallte er mit dem Schädel voraus in den Abhang und zog sich einen Schlüsselbeinbruch zu. Ein Aufprall, der ihn im Jahr 2017 in seinen Bemühungen zurück katapultierte. Aber Medwed wäre nicht Medwed, würde er das nicht wegstecken können: „Ein kleiner Stressfaktor, weil ich davor in recht guter Form war.“ Tja, und auch in der vergangenen Saison erwischte es ihn mit einem herberen Impact.

Druck. Ausgerechnet zwei Wochen vor der Junioren-WM in Lahti blieb er nach einem Sturz in Oberhof (D) bewusstlos liegen. Im Krankenhaus wurde neben einer Gehirnerschütterung eine Nacken- und Brustwirbelprellung diagnostiziert. „Aber auch das steckst du weg“, sagt Elias. Nicht zuletzt deshalb, weil die Weltmeisterschaften auf’s Tapet gepinselt waren. In Finnland  machte er erstmals richtig Bekanntschaft mit seinem Ego. „Im Einzelspringen war ich so nervös, dass ich nur den siebenten Rang belegte. Da wollte ich eine Medaille, hatte mir aber zuviel Druck gemacht!“ Dafür ging es in der Mannschaft nach oben – und zwar ganz nach oben: Im Team-Bewerb holte er sich mit seinen Kollegen die Gold-Medaille. BTW: Der Druck war weg, und Elias sprang so gut, dass er mit seiner Punktewertung am Tag zuvor im Einzelspringen ebenfalls Gold geholt hätte. Weitergegangen ist heuer überhaupt einiges. So sicherte sich der Youngster erstmals Continental-Cup-Punkte – und bekam in Lahti seinen ersten Einsatz bei einem Weltcup-Springen. Wie schaut es mit seiner Zukunft generell aus? Ab Juni steigt Elias als Heeressportler ein, macht im steirischen Gratkorn seine Grundausbildung und kommt dann nach Innsbruck zurück. Sportlich wird die nächste Saison eine Herausforderung. Bei der nächsten Junioren-WM hat er eine Einzel-Medaille am Radar, außerdem möchte er beim Bergisel-Springen eine gute Figur abgeben. „Das wäre schon etwas Besonderes“, weiß Elias. In der Heimat reüssieren, das hat was. Und irgendwann ist sein Trikot vielleicht auch mal Anstoß für einen Anderen, es ihm gleich zu tun.

Infos zu Elias Medwed. Elias Medwed, Gewicht: 59,9 kg. Größe: 1,80 Meter. Seine Schi haben eine Länge von 2,44 Meter. Seine weitesten Sprünge waren bisher 144 Meter in Lillehammer (NOR, Training), und 141 Meter in Zakopane (POL, Wettkampf). In Götzens spielte er früher auch mal Eishockey, entschied sich aber letztendlich für das Skispringen. Neben errungenen Continental-Cup-Punkten (Finale) gewann er im vergangenen Winter zwei FIS-Springen in Zakopane und zweimal im Alpencup. Übrigens: Seine Familie – Mama Petra, Papa Harald und Bruder Lukas – stehen seit jeher voll hinter Elias und seinem sportlichen Streben.
„In der Luft taugt’s mir volle gut!“<br />
Hier ist alles zusammen: Das WM-Sprung-Trikot von Lahti, die WM-Gold-Medaille und ein Riesen-Kunstgemälde (Elias bei einem Sprung) – gesponsert von seinem Kopfsponsor „Orthopädie Technik Zentrum“.
„In der Luft taugt’s mir volle gut!“<br />
Elias Medwed: „In der Luft taugt’s mir!“.
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