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„Weiß, dass ich heute geprügelt werde“

Hoher Wellengang bei Generalversammlung des TC Telfs

Es schien beinahe so, als hätte es nicht viel gebraucht, und die Generalversammlung des TC Telfs wäre völlig aus dem Ruder gelaufen. Allerdings tauchten dermaßen viele Fragen und Emotionen auf, dass sich der eine oder andere Anwesende wohl schwertat, nicht den Überblick hinsichtlich des Gesamten zu verlieren. Und manche werden sich fragen, wie das TC-Telfs-Schiff nun wieder in ruhigere Fahrwasser gelangt.
18. November 2025 | von Albert Unterpirker
„Weiß, dass ich heute geprügelt werde“
Eine TC-Telfs-Jahreshauptversammlung, die mit Erklärungsbedarf nicht geizte. RS-Foto: Unterpirker
Nach sportlichen Ehrungen zu Beginn der Jahreshauptversammlung im bis auf den letzten Platz gefüllten Terrassencafé Birkenberg war einer der ersten Tagesordnungspunkte dieser Generalversammlung der Saisonrückblick. Neben der Teilnahme an der „Aktion sauberes Feld“ wurde wie jedes Jahr auch das Club-Magazin herausgegeben. Anfang April stand die Saisoneröffnung ins Haus – und damit auch jede Menge an organisatorischen Herausforderungen. Nach der Birkenberg Doppel Trophy begannen im Mai/Juni die diversen sportlichen Auseinandersetzungen, wobei rückblickend die Meisterschaftssaison „gut verlaufen“ sei, so Obmann Christian Mair. Auch die Teilnahme in der 2. Bundesliga – mit zwei Heimspielen am Birkenberg – „war ein tolles Event“. Wie auch das nachfolgende ITF-WTT-Turnier mit Side-Events (z. B. Players Night), das „reibungslos über die Bühne“ ging. Danach folgten die Seniors Trophy, die Tiroler Jugendmeisterschaften (wetterbedingt zum Teil in der Halle durchgeführt) sowie die Club- und Vereinsmeisterschaft. Auch Jugendwart Julian Schubert ging bei seinem Bericht ebenfalls auf schöne Erfolge ein. Durchgeführt wurden u. a. Schnuppertraining, Kids & Jugend CM oder das Bier-Pong-Charity-Turnier. „Ein großes Danke an alle Helferinnen und Helfer“, beschloss Schubert seinen Bericht.

KRITIK. Trotz allem Positiven – wie des eingeholten Tiroler Meistertitels bei den Damen oder „beachtlicher Erfolge in der Allgemeinen und Senioren-Klasse“ – habe es neben zahlreichen Höhepunkten „auch Rückschläge“ gegeben, so Mair. Gemeint war hier etwa der Abstieg aus der 2. Bundesliga. Grundsätzlich gehe der Verein sportlich den richtigen Weg. „Ein voller Erfolg“ sei indessen das ITF-WTT-Turnier gewesen, das diesmal mit Sebastian Sorger einen österreichischen Turniersieger brachte. Einen großen Teil des Abends nahm der Finanzbericht ein. „Ich weiß, dass das heute Teil des Anstoßes ist“, so der Obmann, der wisse, dass er „heute hier geprügelt werde – aber ich halte das aus“. So kamen aus dem anwesenden Publikum immer wieder kritische Wortmeldungen zu den Finanzen, wie etwa: „41.000 Euro hat es in der Vergangenheit noch nie für eine Bundesliga (Mannschaft) und Tiroler Liga gegeben (…)“, und: „Man hat zu viel ausgegeben, wenn ein Spieler pro Spieltag 3.000 kostet“, so der anwesende Telfer Bürgermeister Christian Härting (selbst TC-Telfs-Mitglied). „Fakt“ sei außerdem, „dass man für die Jugend nichts ausgibt.“ Es folgten erneut einige Wortmeldungen aus dem Publikum: „Es gehört ein Budget her für alle!“ Oder: „Die Bundesliga und Tiroler Liga fressen 95 Prozent des Budgets auf!“ Mair dazu: „Natürlich, ein überwiegender Teil fließt in die Bundesliga und Tiroler Liga.“ Und weiter: „Als Verein mit dieser relativ geringen Finanzkraft ist die Frage, ob man sich das leisten will.“

RÜCKTRITT. Nicht anwesend war Sportwart Oliver Wille (entschuldigt). Sein Vorgänger, Dietmar Härting, meldete sich zu Wort: „Wir haben 30.000 Euro in der Bundesliga und Tiroler Liga nie überschritten – jetzt sind es 41.000. Und unser Grundsatz war: Wir nehmen nie einen Euro aus den Mitgliedsbeiträgen!“ Außerdem: „In 20 Jahren Bundesliga und Tiroler Liga haben wir noch nie mehr als 1.000 Euro (für einen Spieler pro Tag) ausgegeben.“ Sehr emotional wurde es bei einigen anderen Wortmeldungen, wie: „Man hat das Gefühl, dass man hingerichtet wird!“ Entgegnung: „Nicht ihr werdet hingerichtet, sondern ihr richtet hin!“ Es gab auch Anwesende, die den Saal verließen („Das ist ja furchtbar!“). Von „Vorwürfen“ und „Ich habe nur eine Frage gestellt“ war im Laufe des Abends öfters zu hören. Jedenfalls: Im Zuge der Generalversammlung traten Vorstandsmitglieder zurück. Auch Mair erklärte an dieser Stelle seinen Rücktritt (mit 28. Februar 2026) und führte unter anderem an: „Diese notorische Personalnot ist nicht mehr tragbar.“ Von Bürgermeister Härting kamen derweil (große) Einwände, dass ein Rücktritt so nicht möglich sei: „Das geht nicht!“ Er habe im Zuge dessen auch mit der BH telefoniert, wobei Härting zudem eine zum Rücktrittsthema kursierende WhatsApp-Meldung zur Sprache bringt. Mair führt dann aus: „Ich werde natürlich die Geschäftsführung weiterführen“, damit es nicht etwa zu Schäden des Vereins komme, „aber dass man uns verpflichten kann, für den Verein noch Initiativen zu setzen und aktiv tätig zu werden, das geht nicht – weil die Sklaverei haben wir abgeschafft!“ Auf telefonische Nachfrage der RUNDSCHAU formuliert es Mair folgendermaßen: „Die Obmannschaft ist nach außen hin wirksam, nach innen aber nicht mehr verpflichtend.“ Abschließend: Neben fallender Mitgliederstatistik und rückläufigen Platzbuchungen habe man „auch keinen Platzwart und keinen Pächter“ (für das Café). In beiden Fällen sei man auf der Suche. Tenor aus Vereinskreisen: „Keiner weiß, wie es weitergeht.“ Laut ehemaligen Vorstandsmitgliedern bestehe der Vorstand nun aus vier Mitgliedern, wobei Obmann Mair die Geschäftsführung weiterführen müsse, bis die Nachfolge geklärt sei (etwa bei einer außerordentlichen Generalversammlung). Es könnte aber auch anders kommen. Mair: „Ich schließe nicht aus, dass ich noch eine Saison anhänge – wenn Personal gefunden wird.“
„Weiß, dass ich heute geprügelt werde“
TC-Obmann Christian Mair: „Die Sklaverei ist abgeschafft!“ RS-Foto: Unterpirker
„Weiß, dass ich heute geprügelt werde“
Bürgermeister Christian Härting: „Man hat zu viel ausgegeben!“ RS-Foto: Unterpirker

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