Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Imst | Chronik | 24. März 2020 | Friederike Hirsch

Licht am Ende des Tunnels

Licht am Ende des Tunnels
„Wenn wir alle gut aufeinander achten, dann sehe ich ein Licht am Ende des Tunnels“, so die Pflegeassistentin Stephanie. Foto: pixabay.com
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Die Helden des Alltags im Pflegebereich



Notfallpläne werden aus den Schubladen geholt, kritische Infrastruktur soll geschützt werden. In der Corona-Krise zeigt sich, dass nicht vorrangig Brücken oder Kraftwerke geschützt werden müssen, sondern die Menschen. Menschen wie Stephanie, die sich als Pflegeassistentin täglich um das Wohl unserer Eltern und Großeltern sorgt. Ein RUNDSCHAU-Gespräch über Verantwortung, Ängste und die Liebe zum Nächsten.


Von Friederike Hirsch

Seit acht Jahren arbeitet Stephanie (Name der Redaktion bekannt) im Pflegedienst. Eine Aufgabe, die sie mit Liebe und Leidenschaft ausfüllt. Auch sie befindet sich in diesen Tagen in einer Ausnahmesituation. Das Leben im Alten- und Pflegeheim hat sich drastisch verändert. „Es fängt schon damit an, dass unsere Bewohner keinen Besuch mehr empfangen dürfen, dass kein Lieferant mehr das Heim betreten darf, dass die Freizeitaktivitäten unserer Bewohner auf null heruntergefahren wurden“, sagt die Pflegeassistentin. Stephanie versucht mit vielen Gesprächen, den älteren Menschen die Situation zu erklären. „Es ist nicht einfach. Viele verstehen das nicht. Ihnen fehlt der Kontakt zu ihren Liebsten. Sie fühlen sich allein und hilflos“, versucht Stephanie zu erklären. Auch täglichen Telefonate mit den Angehörigen gestalten sich schwierig. „Viele unserer Bewohner hören sehr schlecht und über Lautsprecher zu telefonieren verunsichert und Privatsphäre gibt es dann nicht“, erklärt Stephanie. Gerade bei dementen Patienten kommt das Personal oft an seine Grenzen. Die Tagesstrukturen sind plötzlich andere, sie dürfen das Haus oder den Garten nicht verlassen. Auf das oft sehr ausgeprägte Geh- und Bewegungsbedürfnis kann im Moment keine Rücksicht genommen werden. Lesungen, musikalische Nachmittage, Ausflüge – all das und mehr kann nicht angeboten werden. „Meine größte Angst ist, dass ich den Virus in mir tragen könnte und keine Symptome habe. Was, wenn der Virus trotz aller Maßnahmen doch ins Haus kommt?“, fragt sich Stephanie täglich. „Schließlich muss ich tanken oder Einkaufen gehen“, sagt sie. Sie beschränkt ihre notwenigen Aktivitäten auf das Minimum und bleibt in ihrer freien Zeit konsequent zuhause. „Selbst die Runde mit meinem Hund halte ich so kurz wie möglich und suche mir Orte, an denen sonst keiner spazieren geht“, sagt sie. Stephanie ist ein Familienmensch. Ihr Stiefvater ist schwer krank und zählt zur Risikogruppe. „Natürlich würde ich gern meine Familie sehen, sie unterstützen und sie alle in den Arm nehmen“, meint sie. „Ich werde das alles natürlich nicht tun – auch nicht, sollte die Quarantäne gelockert werden. Wir alle tragen schließlich Verantwortung für unseren Nächsten“, sagt Stephanie bestimmt. Stephanie lebt allein. Abends, wenn sie allein die Nachrichten sieht und nicht weiß, wohin mit den Schreckensbildern aus aller Welt, dann bombardiert sie ihre Eltern oder Freunde mit Telefonaten. „Es gibt Tage, da telefonieren wir mehrmals am Tag“, lächelt die junge Frau. „Außerdem habe ich einen Bonus, ich kann zur Arbeit gehen. Ich darf mit Menschen arbeiten, habe Kollegen, die ich sehen kann, habe Sozialkontakt“, sagt sie. Im Gespräch betont Stephanie immer wieder, wie wichtig es ist, sich an die Ausgangssperren zu halten. „Gute Selbsthygiene für uns Pflegekräfte, aber auch für alle anderen und das strikte Einhalten der Maßnahmen kann Leben retten. Keiner will Familie oder Freunde aus Dummheit verlieren“, appelliert Stephanie. „Für mich, für euch, für uns alle kann Ignoranz oder falsch verstandene persönliche Freiheit tödlich sein“, formuliert es Stephanie eindringlich. „Wenn wir alle gut aufeinander achten, dann sehe ich ein Licht am Ende des Tunnels“, lächelt sie.


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