Barock erzählt Geschichten
Das Tiroler Oberland – eine Barocklandschaft
16. März 2026 | von
Peter Bundschuh
Kurator Christoph Waldhart, Museumsleiterin Edith Hessenberger und Vortragender Andreas Rudigier vor der Tafel „Das Ötztal als barocke Kulturlandschaft“. Fotos: Bundschuh
In unseren Talschaften wird die Kunst des Barock vorwiegend in Gestalt von Heiligenfiguren, Altären und Kirchenkunst sichtbar. Bei genauerem Hinsehen erzählt die Bildsprache des Barock aber auch Geschichten über die Lebenswelt des 17. und 18. Jahrhunderts. Dabei kam diese Vielgestaltigkeit recht spät im Oberland an, manifestierte sich aber dann umso deutlicher und hielt lange an. Im Rahmen eines Rundganges durch die Ausstellung „Perlen des Barock im Ötztal und im Tiroler Oberland“ stellte Andreas Rudigier, der selbst zur Barockkunst des Tiroler Oberlandes geforscht und publiziert hat, historisch relevante Zusammenhänge zwischen Kunst, Künstlerschaft und Gesellschaft vor und zog dabei den Bogen bis in die Gegenwart. Die Führung bot vertiefende Einblicke in die Kunstgeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts. Darüber hinaus haben die Leiterin des Museums, Edith Hessenberger, und Kurator Christoph Waldhart den Überblick über die figurale Barockkunst auch dazu wahrgenommen, auf die Kunst als Wirtschaftsmotor sowie Mode und barocken Zeitgeist einzugehen. Barock fand seinen Ausgang von Italien aus, bedeutet aber auch Wanderschaft und Mobilität, sogar bis nach Übersee.
WAS IST BAROCK? Das Zeitalter des Barock wird nach heutigen Maßstäben vom 17. bis etwa zur Mitte des 18. Jahrhunderts datiert. Es fand seinen Ausgang im päpstlichen Rom, auch als Zeitgeistströmung der katholischen Gegenreformation, und breitete sich über ganz Europa, Zentral- und Südamerika aus. Durchwegs getragen von einem gewissen Überschwang an dekorativen Elementen sowohl in der sakralen als auch in der weltlichen Kunst. Der Begriff „Barock“ kam erst später auf und leitet sich vom Portugiesischen (ungeformte Perle) ab. Die Bezeichnung hatte mit „absurd“, „gekünstelt“ vorerst eine abwertende Bedeutung. In der Anzahl der Barockkünstler ist die weibliche Seite kaum beleuchtet. Auch Angelika Kaufmann, zeitlich „Randerscheinung des Barock“, ist klar dem empfindsamen Klassizismus zuzuordnen. Etwa ab 1750 wandelt sich das Spätbarock zum Rokoko, das um 1840 vom Klassizismus abgelöst wird, der eine klare, symmetrische, der Klassik nachempfundene Formgebung unterstreicht. In Tirol folgt dem Barock auch die Stilrichtung der Nazarener in Bildhauerei und Malerei als einer religiös-romantischen Stilrichtung. Als regionalen Vertreter dafür kann man den Imster „Spätnazarener“ Christian Plattner (1830–1909) anführen.
BAROCKEXPERTE ANDREAS RUDIGIER. Seit 2023 ist Andreas Rudigier Geschäftsführer der Tiroler Landesmuseen. Zu seinen zentralen Aufgaben gehören der Um- und Neubau des Ferdinandeums, die Planung und Umsetzung der neuen Ausstellungen sowie die strukturelle Gesamtmodernisierung des Museumsbetriebes mit seinen 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Dazu kommt die Profilierung und Weiterentwicklung der übrigen Landesmuseen einschließlich Überlegungen zur Integration weiterer Kulturbetriebe in den „Reigen“ der Landesmuseen. In diesen Funktionen ist Rudigier einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Dazu ist der gebürtige Vorarlberger freischaffender Kunsthistoriker und Barockexperte, ausgezeichnet für seine Dissertation (1997) über den Tiroler Barockbildhauer Johann Ladner (1707–1779), geboren in Kappl im Paznaun. Er begann seine Laufbahn als Maurer, Steinmetz und Steinbildhauer. Dann ging er auf Wanderschaft in den süddeutschen Raum, wobei seine steinbildhauerischen Werke zu den überregional interessantesten Aspekten gehören. 1735 kehrte Ladner nach Tirol zurück und schuf Arbeiten fast ausschließlich in Holz, die vom volkstümlich orientierten Spätbarock geprägt sind. Einen weiteren Höhepunkt seiner Barockschau setzt das Turmmuseum Oetz mit der „Perlen des Barock“-Führung von Kurator, Kunsthistoriker und Bildhauer Christoph Waldhart am 22. März 2026 um 15.00 Uhr.
WAS IST BAROCK? Das Zeitalter des Barock wird nach heutigen Maßstäben vom 17. bis etwa zur Mitte des 18. Jahrhunderts datiert. Es fand seinen Ausgang im päpstlichen Rom, auch als Zeitgeistströmung der katholischen Gegenreformation, und breitete sich über ganz Europa, Zentral- und Südamerika aus. Durchwegs getragen von einem gewissen Überschwang an dekorativen Elementen sowohl in der sakralen als auch in der weltlichen Kunst. Der Begriff „Barock“ kam erst später auf und leitet sich vom Portugiesischen (ungeformte Perle) ab. Die Bezeichnung hatte mit „absurd“, „gekünstelt“ vorerst eine abwertende Bedeutung. In der Anzahl der Barockkünstler ist die weibliche Seite kaum beleuchtet. Auch Angelika Kaufmann, zeitlich „Randerscheinung des Barock“, ist klar dem empfindsamen Klassizismus zuzuordnen. Etwa ab 1750 wandelt sich das Spätbarock zum Rokoko, das um 1840 vom Klassizismus abgelöst wird, der eine klare, symmetrische, der Klassik nachempfundene Formgebung unterstreicht. In Tirol folgt dem Barock auch die Stilrichtung der Nazarener in Bildhauerei und Malerei als einer religiös-romantischen Stilrichtung. Als regionalen Vertreter dafür kann man den Imster „Spätnazarener“ Christian Plattner (1830–1909) anführen.
BAROCKEXPERTE ANDREAS RUDIGIER. Seit 2023 ist Andreas Rudigier Geschäftsführer der Tiroler Landesmuseen. Zu seinen zentralen Aufgaben gehören der Um- und Neubau des Ferdinandeums, die Planung und Umsetzung der neuen Ausstellungen sowie die strukturelle Gesamtmodernisierung des Museumsbetriebes mit seinen 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Dazu kommt die Profilierung und Weiterentwicklung der übrigen Landesmuseen einschließlich Überlegungen zur Integration weiterer Kulturbetriebe in den „Reigen“ der Landesmuseen. In diesen Funktionen ist Rudigier einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Dazu ist der gebürtige Vorarlberger freischaffender Kunsthistoriker und Barockexperte, ausgezeichnet für seine Dissertation (1997) über den Tiroler Barockbildhauer Johann Ladner (1707–1779), geboren in Kappl im Paznaun. Er begann seine Laufbahn als Maurer, Steinmetz und Steinbildhauer. Dann ging er auf Wanderschaft in den süddeutschen Raum, wobei seine steinbildhauerischen Werke zu den überregional interessantesten Aspekten gehören. 1735 kehrte Ladner nach Tirol zurück und schuf Arbeiten fast ausschließlich in Holz, die vom volkstümlich orientierten Spätbarock geprägt sind. Einen weiteren Höhepunkt seiner Barockschau setzt das Turmmuseum Oetz mit der „Perlen des Barock“-Führung von Kurator, Kunsthistoriker und Bildhauer Christoph Waldhart am 22. März 2026 um 15.00 Uhr.