Hat der Vater Alzheimer?
Humiste-Premiere von „Vergessen, dass…“ an der Stadtbühne Imst
14. Oktober 2025 | von
Peter Bundschuh
Geburtstagsfeier im familiären Kreis: Der mittlerweile verstorbene Vater wird mit seiner Lieblingsspeise, Spaghetti, gefeiert: Nicole Müller, Roswitha Matt, Maximilian Heiss und Julia Amprosi (v. l.). RS-Foto: Bundschuh
Die jüngste Tochter Lisa hat sie also zusammengerufen, um die Veränderung von Papas Verhalten zu besprechen. Begeistert vom familiären Beratungstermin ist niemand. Studentin Lisa, die mit dem Vater im selben Haushalt lebt, erhofft sich Unterstützung. Die seit Jahren getrennt lebende Noch-Ehefrau Claudia erklärt sich für unzuständig. Sohn Frank, ein erschreckend unbegabter Zauberkünstler, hat eigene (Unterbeschäftigungs-)Sorgen, und Karriere-Halbschwester Noemi hilft wenigstens finanziell, Zeitgeschenke gibt es für den Papa aber keine. Ja, und dann überhaupt das Finanzielle, vom Wohnungseigentum bis zum nicht vorhandenen Vermögen, ob ab ins Heim mit dem Vater oder bei wem soll er wohnen und wer zahlt das, Fragen über Fragen. Dargestellt werden Menschen einer „Alzheimer-Familie“ realistisch und schonungslos in ihren vergeblichen Versuchen, der Lage gerecht zu werden. Nein, eigentlich geht es vielmehr darum, aus der Situation zu fliehen und „haltbare“ Ausreden zu zimmern.
WER DA AUF DER BÜHNE STEHT. „Theater ist mein Leben“, bringt es Madelaine Weiler auf den Punkt, und betrachtet man ihre Regieleistung in „Vergessen, dass…“, bestätigt sich diese Selbsteinschätzung. Die Protagonisten der „Alzheimerfamilie“ unterliegen im ersten Teil des Stückes einer auf Recherche und Erfahrungen basierenden Darstellungsebene. Das gilt für alle fünf Auftretenden: Roswitha Matt als Claudia (Mutter), Nicole Müller, die erfolgreiche Tochter des Alzheimerpatienten und Halbschwester von Lisa, dem jüngsten Kind, dargestellt von Julia Amprosi, und Maximilian Heiss in der Rolle von Sohn Frank. Siegmar Riha tritt als Vater auf. Zu Kostümen und Maske erklärt Martin Flür der RUNDSCHAU: „Das hat das Ensemble selbst gemacht.“ Die Kostüme entsprechen den Rollen, von schlicht bis leicht mondän. Maximilian Heiss gibt sich dabei wandelbar, und „die Matt“ liegt mit ihrer durchgeknallten Klamotte goldrichtig. Siegmar Riha streift das Geschehen als Vater in einer Kurzsequenz und sorgt für Licht und Ton, alles ohne Premierenpanne und durchaus stimmig. Bei der Imster Inszenierung wird auf das „gespiegelte“ Bühnenbild zur Verdeutlichung der Verwirrung, wie bei der Uraufführung im Staatstheater Braunschweig, verzichtet (beispielsweise Sessel an der Zimmerdecke).
PAUSE UND DANN DER KNALLER. Vater hat Alzheimer, Schock für die Angehörigen und „rette sich, wer kann“, so wird es in etwa in Teil eins des Abends vermittelt. Gut, aber irgendwie muss da noch was auf die Bühne, und das kommt auch. Einen Sachverhalt und seine Auswirkungen schlüssig darzustellen, ist eine Sache, das Publikum mitzunehmen in eine Welt der Verwirrung, stellt aber eine zusätzliche Herausforderung an die Theaterkunst dar. Es gelingt in dieser Inszenierung, die Turbulenzen rund um die Erkrankung des Vaters auf die Familienmitglieder zu übertragen und selbst die Darsteller ihre Rollen vergessen zu lassen und so in ein Theater im Theater zu führen. Das Vergessen, das sogar Schauspielszenen zu löschen vermag, wandelt sich in dem abstrakten Inhalt des Stückes an sich.
STAATSTHEATER BRAUNSCHWEIG. Das „Stammhaus“ meint zu „Vergessen, dass…“: „Der Autor Jan Neumann entwickelt aus umfassender Recherche, Expertengesprächen und persönlichen Fragen und auch Geschichten der beteiligten Schauspieler ein differenziertes Bild, das er dann in ein Theaterstück gefasst hat. Der Inhalt ist in der Lebensrealität ernsthaft und bleibt es auch auf der Bühne, gleichzeitig verlangt das Stück aber nach spielerischer Leichtigkeit. Berührend, tragisch und gleichzeitig komisch – wie das Leben selbst. So gelingt es Jan Neumann, den Dingen, vor denen wir die Augen verschließen, den Schrecken zu nehmen und sie mitten ins Leben zu stellen.“ (In Zusammenfassung). Regisseurin Madeleine Weiler und dem Theaterforum Humiste ist es gelungen, die Intention des Autors umzusetzen, ohne dabei auf eigenständige interpretative Freiheit zu verzichten. Ein Abend zum Nachdenken und Schmunzeln.
WER DA AUF DER BÜHNE STEHT. „Theater ist mein Leben“, bringt es Madelaine Weiler auf den Punkt, und betrachtet man ihre Regieleistung in „Vergessen, dass…“, bestätigt sich diese Selbsteinschätzung. Die Protagonisten der „Alzheimerfamilie“ unterliegen im ersten Teil des Stückes einer auf Recherche und Erfahrungen basierenden Darstellungsebene. Das gilt für alle fünf Auftretenden: Roswitha Matt als Claudia (Mutter), Nicole Müller, die erfolgreiche Tochter des Alzheimerpatienten und Halbschwester von Lisa, dem jüngsten Kind, dargestellt von Julia Amprosi, und Maximilian Heiss in der Rolle von Sohn Frank. Siegmar Riha tritt als Vater auf. Zu Kostümen und Maske erklärt Martin Flür der RUNDSCHAU: „Das hat das Ensemble selbst gemacht.“ Die Kostüme entsprechen den Rollen, von schlicht bis leicht mondän. Maximilian Heiss gibt sich dabei wandelbar, und „die Matt“ liegt mit ihrer durchgeknallten Klamotte goldrichtig. Siegmar Riha streift das Geschehen als Vater in einer Kurzsequenz und sorgt für Licht und Ton, alles ohne Premierenpanne und durchaus stimmig. Bei der Imster Inszenierung wird auf das „gespiegelte“ Bühnenbild zur Verdeutlichung der Verwirrung, wie bei der Uraufführung im Staatstheater Braunschweig, verzichtet (beispielsweise Sessel an der Zimmerdecke).
PAUSE UND DANN DER KNALLER. Vater hat Alzheimer, Schock für die Angehörigen und „rette sich, wer kann“, so wird es in etwa in Teil eins des Abends vermittelt. Gut, aber irgendwie muss da noch was auf die Bühne, und das kommt auch. Einen Sachverhalt und seine Auswirkungen schlüssig darzustellen, ist eine Sache, das Publikum mitzunehmen in eine Welt der Verwirrung, stellt aber eine zusätzliche Herausforderung an die Theaterkunst dar. Es gelingt in dieser Inszenierung, die Turbulenzen rund um die Erkrankung des Vaters auf die Familienmitglieder zu übertragen und selbst die Darsteller ihre Rollen vergessen zu lassen und so in ein Theater im Theater zu führen. Das Vergessen, das sogar Schauspielszenen zu löschen vermag, wandelt sich in dem abstrakten Inhalt des Stückes an sich.
STAATSTHEATER BRAUNSCHWEIG. Das „Stammhaus“ meint zu „Vergessen, dass…“: „Der Autor Jan Neumann entwickelt aus umfassender Recherche, Expertengesprächen und persönlichen Fragen und auch Geschichten der beteiligten Schauspieler ein differenziertes Bild, das er dann in ein Theaterstück gefasst hat. Der Inhalt ist in der Lebensrealität ernsthaft und bleibt es auch auf der Bühne, gleichzeitig verlangt das Stück aber nach spielerischer Leichtigkeit. Berührend, tragisch und gleichzeitig komisch – wie das Leben selbst. So gelingt es Jan Neumann, den Dingen, vor denen wir die Augen verschließen, den Schrecken zu nehmen und sie mitten ins Leben zu stellen.“ (In Zusammenfassung). Regisseurin Madeleine Weiler und dem Theaterforum Humiste ist es gelungen, die Intention des Autors umzusetzen, ohne dabei auf eigenständige interpretative Freiheit zu verzichten. Ein Abend zum Nachdenken und Schmunzeln.