„Irrwege“ oder die Alchemie der Tusche
Imster Leonhard Knabl stellt im Mesnerhaus in Mieming 47 Werke aus
Hugo Gitterle, Daniel und Frank Posch umrahmten die Vernissage „Irrwege“ im Mesnerhaus in Mieming. Leonhard Knabl, Preisträger des Erich-Grabner-Preises, zeigt in seiner Einzelausstellung „Irrwege“ neben detaillierten Tuschezeichnungen, Radierungen, Aquarell- und Bleistiftzeichnungen sowie digitalen Drucken der vergangenen sechs Jahre. Neben Orten, an denen man nicht sein sollte, beschäftigt sich der Künstler mit Themen aus Geschichte, Mythologie, Literatur, Film und Alltagsmedien.
25. August 2026
Die Einzelausstellung „Irrwege“ des Imster Künstlers Leonhard Knabl ist noch bis zum 20. September im Mesnerhaus in Mieming zu sehen. Jeweils Samstag und Sonntag von 15 bis 19 Uhr. Foto: Hirsch
Leonhard Knabl aus Imst überzeugt nicht nur mit seinen detailliert gearbeiteten Tuschezeichnungen, sondern auch mit Digitaldrucken und Radierungen. Für seine Einzelausstellung in Mieming hat der Künstler eine Retrospektive seiner Arbeiten aus den letzten sechs Jahren zusammengestellt. Knabl verbindet in seiner künstlerischen Arbeit Literatur, Bildsprache und historische Recherche. Mit einem akademischen Hintergrund in Geschichte und Vergleichender Literaturwissenschaft sowie einem laufenden Masterstudium in Medien an der Universität Innsbruck entwickelt er eine künstlerische Praxis, die sich zwischen Text, Druckgrafik und konzeptuellen Formaten bewegt. In der Auswahl der 47 gezeigten Werke finden sich Bildmotive aus Film, Geschichte und Literatur mit narrativer Dramaturgie wie bei Herr der Ringe. Über die Hälfte der gezeigten Werke sind Tuschzeichnungen und Radierungen – seine bevorzugten Techniken.
Irrwege in Tusche. Der Titel der Ausstellung hält, was er verspricht, und führt den Betrachter zunächst auf eine kunstvolle Fährte. Aus der Ferne betrachtet, präsentieren sich die Tuschezeichnungen als meisterhafte, fast beruhigende naturalistische Landschaften. Doch diese visuelle Orientierung ist trügerisch. Tritt man näher an die Arbeiten heran, bricht die landschaftliche Ordnung auf. Das Auge verfängt sich in einem hyperfeinen, filigranen Mikrokosmos. Was eben noch als Horizontlinie oder Baumkrone erschien, entpuppt sich in der Nahansicht als ein dichtes, autonomes Geflecht aus feinsten Tuschelinien. Diese Linien weisen nun keinen festen Weg mehr auf. Sie werden zu echten ,Irrwegen‘ auf dem Papier, die sich jeder eindeutigen Zuschreibung entziehen und den Betrachter in einen freien Raum der Interpretation entlassen. Wie ein optisches Chamäleon verändert das Werk seine Identität mit der Schrittlänge des Betrachters. Leonhard Knabl entzieht dem Auge die Orientierung, führt in Irrwege. Die Linien werden zu Pfaden, auf denen sich das Auge buchstäblich „verlaufen“ kann, wenn man zu nah herantritt. Seine Zeichnungen und Radierungen führen an Orte, an denen man nicht sein sollte, und auf Wege, die zu Zielen führen, die man vielleicht nie erreichen wollte und nach denen man überhaupt nicht gesucht hat. „Wer sich auf Irrwege begibt, entdeckt vielleicht sich selbst“, so Eva Maria Huter (Obfrau Kunst-Werk-Raum Mesnerhaus) in ihren einführenden Worten.
Koordinaten. Leonhard Knabls Inspirationsquellen sind Formen und Orte in der Natur, nach denen er bei langen Wanderungen Ausschau hält. Er fotografiert sie und irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem genau dieser Ort oder diese Form zeichnerisch umgesetzt wird. Beim genauen Betrachten der Zeichnungen fallen einem zunächst verwirrende Zahlenkombinationen auf. Am Bildrand, dort, wo die Signatur steht, tauchen sie auf. Es sind dies die Koordinaten des Referenzortes der Zeichnungen. Ein weiterer Irrweg, der einen glauben lässt, man wüsste nun, wo sich die Vorlage befindet. Ohne weitere Recherche zu den Koordinaten läuft man ins Leere. Ort und Vorlage könnten sich, ohne eine aufwändige Spurensuche, überall auf der Erde befinden, sogar in der Welt der Fantasie und Träume.
Befreiung durch Diskrepanz. Es ist genau diese fundamentale Diskrepanz, die den Kern dieser Ausstellung ausmacht und dem Titel ‚Irrwege‘ seine konzeptionelle Wucht verleiht: die Diskrepanz zwischen der Sehnsucht nach Ordnung und der Wirklichkeit des Chaos. Diese Diskrepanz zwischen dem beruhigenden Gesamtbild und der radikalen Abstraktion im Detail spiegelt die menschliche Erfahrung des Verirrens wider. Aus der Ferne wirkt ein Weg oft klar und logisch, im Dickicht der Realität verliert man jedoch die Übersicht. Das gelungene Wagnis dieser Ausstellung liegt darin, das Verirren nicht als Scheitern, sondern als ästhetischen Gewinn zu inszenieren. Die Werke zeigen, dass der vermeintliche 'Irrweg' in der Kunst oft der lohnendere Pfad ist, da er die Fantasie befreit.
Irrwege in Tusche. Der Titel der Ausstellung hält, was er verspricht, und führt den Betrachter zunächst auf eine kunstvolle Fährte. Aus der Ferne betrachtet, präsentieren sich die Tuschezeichnungen als meisterhafte, fast beruhigende naturalistische Landschaften. Doch diese visuelle Orientierung ist trügerisch. Tritt man näher an die Arbeiten heran, bricht die landschaftliche Ordnung auf. Das Auge verfängt sich in einem hyperfeinen, filigranen Mikrokosmos. Was eben noch als Horizontlinie oder Baumkrone erschien, entpuppt sich in der Nahansicht als ein dichtes, autonomes Geflecht aus feinsten Tuschelinien. Diese Linien weisen nun keinen festen Weg mehr auf. Sie werden zu echten ,Irrwegen‘ auf dem Papier, die sich jeder eindeutigen Zuschreibung entziehen und den Betrachter in einen freien Raum der Interpretation entlassen. Wie ein optisches Chamäleon verändert das Werk seine Identität mit der Schrittlänge des Betrachters. Leonhard Knabl entzieht dem Auge die Orientierung, führt in Irrwege. Die Linien werden zu Pfaden, auf denen sich das Auge buchstäblich „verlaufen“ kann, wenn man zu nah herantritt. Seine Zeichnungen und Radierungen führen an Orte, an denen man nicht sein sollte, und auf Wege, die zu Zielen führen, die man vielleicht nie erreichen wollte und nach denen man überhaupt nicht gesucht hat. „Wer sich auf Irrwege begibt, entdeckt vielleicht sich selbst“, so Eva Maria Huter (Obfrau Kunst-Werk-Raum Mesnerhaus) in ihren einführenden Worten.
Koordinaten. Leonhard Knabls Inspirationsquellen sind Formen und Orte in der Natur, nach denen er bei langen Wanderungen Ausschau hält. Er fotografiert sie und irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem genau dieser Ort oder diese Form zeichnerisch umgesetzt wird. Beim genauen Betrachten der Zeichnungen fallen einem zunächst verwirrende Zahlenkombinationen auf. Am Bildrand, dort, wo die Signatur steht, tauchen sie auf. Es sind dies die Koordinaten des Referenzortes der Zeichnungen. Ein weiterer Irrweg, der einen glauben lässt, man wüsste nun, wo sich die Vorlage befindet. Ohne weitere Recherche zu den Koordinaten läuft man ins Leere. Ort und Vorlage könnten sich, ohne eine aufwändige Spurensuche, überall auf der Erde befinden, sogar in der Welt der Fantasie und Träume.
Befreiung durch Diskrepanz. Es ist genau diese fundamentale Diskrepanz, die den Kern dieser Ausstellung ausmacht und dem Titel ‚Irrwege‘ seine konzeptionelle Wucht verleiht: die Diskrepanz zwischen der Sehnsucht nach Ordnung und der Wirklichkeit des Chaos. Diese Diskrepanz zwischen dem beruhigenden Gesamtbild und der radikalen Abstraktion im Detail spiegelt die menschliche Erfahrung des Verirrens wider. Aus der Ferne wirkt ein Weg oft klar und logisch, im Dickicht der Realität verliert man jedoch die Übersicht. Das gelungene Wagnis dieser Ausstellung liegt darin, das Verirren nicht als Scheitern, sondern als ästhetischen Gewinn zu inszenieren. Die Werke zeigen, dass der vermeintliche 'Irrweg' in der Kunst oft der lohnendere Pfad ist, da er die Fantasie befreit.





